Abschluss der Serie zur Stadtentwicklung
Ein Plädoyer nach 25 Jahren: Münster ist unterfordert

Münster -

Mit dem Jahr 2018 endet auch die Dienstagsserie zur Entwicklung Münsters seit dem Stadtjubiläum 1993. Der Autor Klaus Baumeister formuliert ein Plädoyer FÜR die Stadt.

Montag, 31.12.2018, 12:00 Uhr
Nur an einem einzigen Tag innerhalb der vergangenen 25 Jahre blitzte in Münster der Ehrgeiz auf, FÜR etwas Großes auf die Straße zu gehen und eine Botschaft FÜR andere zu formulieren. Es war der Tag der gescheiterten Kulturhauptstadtbewerbung am 20. Mai 2004.
Nur an einem einzigen Tag innerhalb der vergangenen 25 Jahre blitzte in Münster der Ehrgeiz auf, FÜR etwas Großes auf die Straße zu gehen und eine Botschaft FÜR andere zu formulieren. Es war der Tag der gescheiterten Kulturhauptstadtbewerbung am 20. Mai 2004. Foto: Oliver Werner

Es ist inzwischen nur noch eine Fußnote der Stadtgeschichte: Münster wollte mal Kulturhauptstadt werden. Sie wurde es nicht – und es sei dahingestellt, ob das Anliegen von damals heute noch eine Relevanz hat.

Die Bewerbung wies seinerzeit eine sprachliche Besonderheit auf, die auch inhaltlich tief blicken ließ. Die Bewerbungsschrift trug den Titel: „Münster – Kulturhauptstadt FÜR Europa“. Das Wort „FÜR“ machte den Unterschied. Es dokumentierte die Bereitschaft, nicht bloß die Hauptstadt-Würde anzustreben, sondern die damit verbundene Verpflichtung zu betonen.

Es stand der Anspruch im Raum, eine Botschaft FÜR Europa zu formulieren – die Botschaft des Westfälischen Friedens, die Botschaft der Kunst im öffentlichen Raum, die Botschaft der Bürgerstadt im Dialog. Nicht ohne Grund wurde in der Bewerbungsschrift die gleichermaßen ehrgeizige wie anmaßende Frage gestellt: „Was leisten wir FÜR Europa?“

Münster ist eine Einkaufsstadt

Gemäß dieser Logik ist es interessant, die bestehenden Titel, sprich die Charakterisierungen der Stadt, durchzugehen und kritisch zu fragen, ob hierbei der Status oder eher die Aufgabe im Vordergrund steht.

Umfrage zur Stadtentwicklung

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  • Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
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Also: Münster ist eine Studentenstadt. Das weiß jeder. Aber ist Münster auch eine Stadt FÜR Studenten? Ist der Stadtgesellschaft bewusst, dass bei rund 60 000 Lebensabschnitts-Münsteranern in der Nachbarschaft eine ganz zentrale Aufgabe darin besteht, gute Gastgeber zu sein? Ist der Ehrgeiz erkennbar, es nicht dem Zufall zu überlassen, ob die Studierenden ihre Münster-Jahre in guter oder schlechter Erinnerung behalten?

Noch so eine Charakterisierung: Münster ist eine Fahrradstadt. Niemand wird dem widersprechen. Aber ist Münster auch eine Stadt FÜR Radfahrer? Die vielen Radler in Ehren, aber wenn es um Innovationen im Radverkehr geht, muss sich der Interessierte schon in den Niederlanden umsehen. Münster lebt lieber vom Glanz früherer Jahre.

Weiter: Münster ist eine Einkaufsstadt. Aber ist Münster auch eine Stadt FÜR den Einzelhandel? Natürlich ist der Einzelhandel ein sehr wichtiger und starker Wirtschaftsfaktor. Aber glänzt er auch durch Innovationsbereitschaft? Besteht in der Stadtgesellschaft ein Bewusstsein für die Herausforderungen der Branche, ja vielleicht sogar der Ehrgeiz, der Taktgeber zu sein? Es gibt gute Ansätze. Aber insgesamt ist nüchtern festzuhalten: viel Substanz, wenig Dynamik.

Münster ist in vielerlei Hinsicht eine Vorzeigestadt

Kommen wir zur wichtigsten Charakterisierung: Münster ist eine Universitätsstadt. Aber ist Münster auch eine Stadt FÜR die Universität? Wie sieht die Hochschule der Zukunft aus? Wie sieht das Lernen der Zukunft aus? Gibt es Antworten auf diese Fragen – und wenn ja, kommen sie aus Münster?

Hier ein Beispiel, wie schwer es Münster fällt, mit den im Übermaß vorhandenen Pfunden auch zu wuchern: Für die Lehrerausbildung in NRW hat Münster eine überragende Bedeutung. Aber niemand kommt auf die Idee, an einem anspruchsvollen Ziel zu arbeiten, das da lauten könnte: „Die Schule der Zukunft wird in Münster erfunden.“

Münster bringt auch alle Voraussetzungen mit, um das deutsche Gesundheitswesen voranzubringen, eine christlich-islamische Theologie zu erarbeiten und ethische Grundsätze für das digitale Zeitalter zu formulieren. Aber wer sagt das den Münsteranern?

Niemand kann bestreiten, dass sich die Präsenz von acht Hochschulen in Münster in einem hohen Einkommens- und Bildungsniveau widerspiegelt. Doch das Potenzial ist so groß und die Chancen sind so vielfältig, dass sich die Stadt ständig mit der Frage herumquält, ob sie nicht hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Münster ergeht es wie den Eltern, die sich über die Note 2,0 auf dem Abiturzeugnis ihres Kindes nicht freuen können, weil sie ihren hochbegabten Nachwuchs bei den Einser-Kandidaten vermutet hätten.

Münsteranern fehlt Neugierde

Münster ist in vielerlei Hinsicht eine Vorzeigestadt, ein Weltmeister im Verborgenen, eine mit interessanten Menschen geradezu gesegnete Stadt. Aber es mangelt an Strategien, um die überbordende Intelligenz, die überbordende Kreativität und die überbordende Energie nicht verpuffen zu lassen, sondern sie FÜR das Allgemeinwohl in sinnvolle Bahnen zu lenken. Münster ist nicht überfordert, Münster ist unterfordert. Immer dann, wenn es darauf ankommt – sei es beim Starkregen 2014 oder bei der Amokfahrt 2018, ist Münster da – und meistert die Krise mit Bravour.

Was Münster im vergangenen Vierteljahrhundert bewegte

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  • 1993: 1200-Jahr-Feier. Ob sich diese Schüler des Hittorf-Gymnasiums wieder erkennen? Auf diesem Foto aus dem Jahr 1993 werben sie für den Schülerfotowettbewerb. In der Hand halten sie das offizielle Logo des Stadtjubiläums, der zugleich auch das Thema des Wettbewerbs darstellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1994: Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin. Der frühere Oberbürgermeister Jörg Twenhöven (vorne, v.r.) und Oberstadtdirektor Tilman Pünder blicken nicht gerade begeistert, als Marion Tüns erstmals die Oberbürgermeister-Kette trägt. Jubeln indes kann die grüne Bürgermeisterin Barbara Schlemann (vorne, l.), neben ihr die CDU-Politikerin Hildegard Graf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1995: Streit um Madonna im Südpark. Die Künstlerin Emmy Feldmann hat jene Schutzmantelmadonna, deren Aufstellung in Münster zum Politikum wir, geschaffen

    Foto: Ahlke
  • 1996: Bürgerentscheid stoppt Gesamtschule. Ausgiebig feiern der CDU-Fraktionschef Werner Stolz (vorne, v.l.) sowie die Elternvertreter Eleonore Heyne, Thomas Gruschka und Renate Spitzner ihren Sieg beim Bürgerentscheid. Die Haupt- und die Realschule im Ostviertel bleiben bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1997: Skulptur-Projekte erleben Durchbruch. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt bei den Skulptur-Projekten 1997 die Devise. Die gut besuchte Eröffnungsveranstaltung vermittelt  einen ersten Vorgeschmack auf die gewachsene Bedeutung der Ausstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 1998: 350 Jahre Westfälischer Friede. Die Jubiläumsfeier in Osnabrück und Münster beschert den beiden Städten eine sicherlich einmalige Dichte an politischer Prominenz. Nie zuvor und nie danach gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt Münster einen solchen Auflauf von europäischen Staatsoberhäuptern wie bei der Eröffnung der Europaratsausstellung zum Westfälischen Frieden im Landesmuseum am Domplatz.

    Foto: Presseamt Stadt Münster
  • 1999: Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister. Berthold Tillmanns Erfolg am Wahlabend 1999 ist so überwältigend, dass ihm seine Frau Cornelia Bergmann überschwänglich in die Arme fällt. Deutlich lässt der Herausforderer die Amtsinhaberin Marion Tüns hinter sich.

    Foto: Ahlke
  • 2000: Gericht kippt Preußen-Park. Im Modell gab es das ECE-Einkaufszentrum und das neue Stadion bereits. Doch daraus wurde nichts. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Hammer Straße, im Hintergrund sind die Hochhäuser von Berg Fidel zu sehen

    Foto: Ahlke
  • 2001: Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung. 2008, also sieben Jahre nach dem Beginn des Konzepts, zeichnet der damalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (v.l.) das münsterische Flüchtlingskonzept aus. Projektleiter Jochen Köhnke und Sypros Marinos, Vorsitzender des Ausländerbeirates, nehmen die Urkunde entgegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2002: Nein zur Stadtwerke-Teilprivatisierung. Otto Meyer und Marion Tüns (vorne, v.l.) werden nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid bejubelt. 2002 werden die Münsteraner an die Urnen gerufen, um die Frage zu beantworten, ob die Stadt Münster die alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Münster bleiben soll. Die Antwort beim Bürgerentscheid ist eindeutig: 65,4 Prozent der Wähler stimmen dem zu, nur 34,6 Prozent sind für die von der CDU-Alleinregierung geplante Teilprivatisierung des Versorgungsunternehmens. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2003: Müllaufbereitungsanlage am Start. In Coerde wird die MBRA eröffnet. Die vier Buchstaben stehen für Mechanisch-Biologische Restmüll-Aufbereitungsanlage. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Landesregierung in Düsseldorf setzt die Stadt Münster ein Abfallkonzept um, das ohne eine Müllverbrennungsanlage auskommt. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2004: Tiefgarage Ludgeriplatz scheitert. Der Ludgeriplatz, hier ein Foto aus dem Jahr 2001, ist ein kompliziertes Gebilde. Wo soll man hier eine Tiefgarage bauen, fragen sich 2004 viele Münsteraner. Am Ende scheitert das Projekt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2005: Pläne für Kanalausbau werden vorgestellt. Als 2017 die Behelfsbrücke, die während des Baus der neuen Schillerstraßen-Brücke erforderlich, wieder abtransportiert wird, liegt die erste öffentliche Präsentation der Ausbaupläne bereits zwölf Jahre zurück.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2006: Münster-Arkaden eröffnet. Von der Rothenburg bis zur Ludgeristraße führt ein Verbindungsweg lang durch die Münster-Arkaden. Seit der Eröffnung 2006 ist das Einkaufszentrum aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 2007: Südbad schließt. Die Adresse Inselbogen 36 ist derzeit eine Brachfläche. Bis 2007 hat hier das Südbad gestanden. Zwischenzeitlich ist geplant, das Grundstück mit Wohnungen zu bebauen, wozu sich die Kommunalpolitiker aber nicht durchringen können. Zugleich aber werden die verschiedenen, bislang ins Auge gefassten Pläne zum Bau eines neuen Südbades nicht umgesetzt, so dass der Inselbogen 36 seit gut einem Jahrzehnt irgendwo zwischen Baum und Borke vor sich hin dümpelt.

    Foto: Ahlke
  • 2008: Münsteraner erteilen dem Bau einer Musikhalle per Bürgerentscheid eine Absage. Mit einer Aufführung der Carmina Burana vor dem Schloss hatten die Musikhallenfreunde noch für ein „Nein“ geworben – vergeblich. 

    Foto: pia
  • 2009: Markus Lewe wird Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat Wolfgang Heuer (2.v.r.) gratuliert Markus Lewe nach der Oberbürgermeisterwahl zum Sieg. Später macht Heuer als Ordnungs- und Personaldezernent Karriere unter Lewe.

    Foto: Ahlke
  • 2010: Städtebaupreis für die Stubengasse. Unter den vielen Preisen, die Münster schon gewonnen hat, fällt der Deutsche Städtebaupreis im Jahr 2010 kaum auf. Auch wenn der Preis allenfalls in Fachkreisen bekannt ist, so wird mit ihm ein städtebaulicher Wandel dokumentiert, der in Münster sehr wohl eine breite Wirkung erzielt hat. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2011: Forensische Klinik geht in Betrieb. Nur selten ist das Tor der forensischen Klinik in Amelsbüren so seit offen wie am Tag der Offenen Tür 2011. Kurze Zeit später kommen die ersten Patienten.

    Foto: Oliver Werner
  • 2012: Abschied vom Namen Hindenburg. Beim Bürgerentscheid 2012, dem vierten überhaupt, setzen sich nicht die Ja-Stimmen durch, sondern die Nein-Stimmen. Und das auch ziemlich deutlich: 59,4 Prozent der Münsteraner entscheiden sich dafür, dass der frühere Hindenburgplatz seinen neuen Namen Schlossplatz behalten und nicht zum alten Namen zurückkehren soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2013: Abzug der letzten britischen Soldaten. Über Jahrzehnte hinweg sind britische Soldaten in Münster, hier eine Parade auf dem Domplatz, ein vertrauter Anblick. 2013 aber verlassen die letzten Truppenteile die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2014: Münster wäscht auf 300.000 Einwohner. Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300 000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • 2015: Hängepartie an der Umgehungsstraße endet. 2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt. Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 31 Jahre lang, von 1986 ist 2017, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2016: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage. Auf diesen Moment haben sie hingearbeitet (vorne, v.l.): Die Pfarrer Martin Mustroph und Jens Dechow, Bernd Bajohr von der Gewerkschaft Verdi und Jochen Lüken, Personalratsvorsitzende der Stadt Münster, feiern den erfolgreichen Bürgerentscheid.

    Foto: Oliver Werner
  • 2017: Hauptbahnhof wird neu eröffnet. Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. 

    Foto: Oliver Werner

Warum aber ist es für Münster so schwer, auch im Alltagsmodus zu bestehen? Nun, das hängt damit zusammen, dass sich die Träger der Identität und die Träger der Innovation in zwei verschiedenen Welten bewegen. Die einen kennen sich im Rathaus bestens aus, wissen aber nicht, wo die Garagen der Start-Up-Unternehmer, die Labore der Forscher und die Ateliers der Künstler liegen. Bei den anderen ist es genau umgekehrt.

Überspitzt könnte man sagen: Wer sich für Neues interessiert, interessiert sich nicht für Münster. Wer sich für Münster interessiert, interessiert sich nicht für Neues. Den Münsteranern fehlt nichts – außer Neugierde.

Oberzentrum für die Region

Die Folge ist eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Der Paohlbürger freut sich über die Wertstabilität seiner Immobilie, bemerkt aber nicht, dass die hohen Mietpreise Menschen vertreiben, die Münster eigentlich braucht. Der Paohlbürger freut sich auch darüber, dass es der Stadt finanziell nicht so schlecht ergeht wie vielen anderen Kommunen. Aber er merkt nicht, dass allein die extrem hohen Gewerbesteuerzahlungen der münsterischen Wirtschaft die Stadt vor dem Kollaps bewahren. Zu dieser Steuerkraft wiederum tragen Zehntausende Nicht-Münsteraner bei, die Tag für Tag als Berufs-Pendler in die Stadt strömen.

Der Paohlbürger neigt zu der Vorstellung, sein Wohlergehen sei eine Folge seiner Strebsamkeit, seiner Intelligenz und seines Gemeinsinns. Bei nüchterner Betrachtung sind es aber schlicht glückliche Umstände, die dafür sorgen, dass Münster auf der viel zitierten Insel der Glückseligen liegt.

 

Man stelle sich einmal vor, die in der ganzen Republik verstreut lebenden Eltern der münsterischen Studierenden würden die Daueraufträge für ihre Kinder kündigen. Man stelle sich vor, die Düsseldorfer Landesregierung würde die tausendfachen Gehaltszahlungen gen Münster stoppen. Man stelle sich vor, die Menschen zwischen Nordsee und Sauer land würden damit aufhören, ihr Geld so großzügig in münsterische Geschäfte zu tragen. Man stelle sich vor, wie schnell es dann zappenduster in Münster wäre.

Was also soll Münster tun, damit es endlich die Bedeutung erlangt, die sich Münsteraner für ihre Stadt so sehr wünschen?

Die Stadtgesellschaft sollte erkennen, dass Münster nicht für Münster da ist, sondern FÜR andere. Ein Oberzentrum FÜR die Region, eine Stadt der Wissenschaft und Lebensart FÜR das Land.  

Große Serie

Dies ist die letzte von insgesamt 28 Teilen, die im Rahmen der Serie „Münsters Entwicklung seit dem Stadtjubiläum 1993“ erschienen sind. Beginn der Serie war am 3. Juli. Die Texte fließen ein in das Buchprojekt  „25 Jahre Münster – Eine Bilanz“. Der Untertitel: „Die Entwicklung der Stadt seit der 1200-Jahr-Feier 1993“. Der geplante Erscheinungstermin ist  der 1. März. Interessierte können sich hier näher informieren.

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