Situation an der Schillerstraße unbefriedigend
Eine Fahrradstraße voller Autos

Münster -

Lokaltermin Schillerstraße: Radler haben es hier schwer. Überall stehen und fahren Autos. Dabei ist die Schillerstraße doch eine Fahrradstraße ...

Sonntag, 06.01.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2019, 13:04 Uhr
Die Schillerstraße ist eine Fahrradstraße, aber man merkt nichts davon. Dichte Parkreihen, ein hohes Verkehrsaufkommen an Autos und regelmäßige Rückstaus bei Begegnungsverkehr erwecken eher den Eindruck einer „normalen“ Straße.
Die Schillerstraße ist eine Fahrradstraße, aber man merkt nichts davon. Dichte Parkreihen, ein hohes Verkehrsaufkommen an Autos und regelmäßige Rückstaus bei Begegnungsverkehr erwecken eher den Eindruck einer „normalen“ Straße. Foto: kb

Die Schillerstraße an einem ganz normalen Werktagnachmittag. Ein Autofahrer zwängt sich in eine enge Parklücke, vor und zurück, prompt staut sich der Verkehr.

Nur Sekunden später kommen sich zwei Autos entgegen, die Straßenbreite reicht nicht, lange Parkreihen an beiden Seiten, Stillstand. Eines der beiden Autos muss in eine Hauseinfahrt ausweichen, weiter geht‘s. Dann kommt ein Paketdienst, Parken in zweiter Reihe, wieder drubbelt es sich.

Autofahrer nur geduldet

Ein ganz normaler Tag auf einer ganz normalen Innenstadtstraße. Aber eigentlich dürfte diese Situation nicht normal sein, denn die Schillerstraße auf dem Teilstück zwischen Bremer Platz und Hansaring ist keine normale Straße, sondern eine Fahrradstraße.

Auf einer Fahrradstraße, so will es der Gesetzgeber, sind Radfahrer bevorrechtigt – und Autofahrer „nur“ geduldet. Auf Fahrradstraßen dürfen Fahrradfahrer zum Beispiel nebeneinander fahren. Auf der Schillerstraße kommt aber kaum jemand auf die Idee, das zu tun – eben weil die Straße so zugeparkt und der Autoverkehr so groß ist.

Schlimme Lage an der Schillerstraße

Kurz und gut: Die Schillerstraße ist eine Fahrradstraße, „wie sie nicht sein sollte“, so das Urteil von Peter Wolter vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ( ADFC ). Viele der aktuell zwölf Fahrradstraßen „unterscheiden sich aus Radlerperspektive kaum von ganz normalen Tempo-30-Zonen“. Auch auf der Schmeddingstraße, so Wolters Beobachtung, sei das Verkehrsaufkommen für eine Fahrradstraße viel zu hoch.

Auf der Schillerstraße sei die Lage aber besonders schlimm. Wegen des beidseitigen Parkens müsse der Radler ständig damit rechnen, „dass rechts oder links eine Tür aufgeht“.

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ

Autoverkehr soll reduziert werden

Aktuell plant die Stadt Münster zehn weitere Fahrradstraßen, überdies eine komplette Rotfärbung der Fahrradstraßen. Letzteres klappte bislang nicht, weil noch kein Unternehmen gefunden wurde, dass den Auftrag ausführen möchte.

Nach Ansicht des ADFC ist die Ausweisung von Fahrradstraßen einschließlich Rotfärbung sinnvoll – aber nur in Kombination mit Maßnahmen, um den Autoverkehr zu reduzieren. So könnte man eine reine Anliegerstraße einrichten, eine Einbahnstraßenregelung einführen oder das Parken nur an einer Straßenseite erlauben. Weil das Verkehrsaufkommen so groß und der Parkdruck so hoch ist, hat die Stadt an der Schillerstraße davon bislang abgesehen.

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