Mangelware Grundschullehrer
Jede dritte offene Stelle unbesetzt

Münster -

In NRW fehlen nach wie vor Lehrer. Massiv davon betroffen sind seit ­etwa zwei Jahren vor allem die Grundschulen. Dort wurden im vergangenen Jahr von 3445 offenen Stellen nur 2350 Stellen besetzt, erklärte Schulministerin Yvon­ne Gebauer (FDP). Das entspricht einer Quote von 68 Prozent. 

Donnerstag, 17.01.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 12:14 Uhr
Vor allem an Grundschulen fehlen in NRW nach wie vor Pädagogen.
Vor allem an Grundschulen fehlen in NRW nach wie vor Pädagogen. Foto: dpa

Im Regierungsbezirk Münster konnte im vergangenen Jahr nur etwas mehr als jede zweite offene Lehrerstelle an Grundschulen besetzt werden. 435 freie Stellen gab es, 257 wurden besetzt. Das entspricht einer Quote von 59 Prozent, sagte am Mittwoch Ulla Lütkehermölle von der Bezirksregierung.

Damit liegt der Wert im Regierungsbezirk knapp un­ter dem Landesdurchschnitt. Dort konnten im vergangenen Jahr von 3445 offenen Stellen 2350 besetzt werden, erklärte NRW-Schulministerin Yvon­ne Gebauer ( FDP ) gegenüber der „ Rheinischen Post “. Das entspricht einer Besetzungsquote von 68 Prozent. Zur Jahresmitte habe diese noch bei rund 50 Prozent gelegen. „Die Zahl zum Jahresende ist zwar etwas besser, aber ich bin damit bei weitem nicht zufrieden“, sagte die Ministerin.

Für den hiesigen Bezirk hatte Regierungspräsidentin Dorothee Feller beim Neujahrsempfang auf die Problematik aufmerksam gemacht. Es stünde aktuell landesweit keine ausreichende Zahl an Lehrkräften zur Verfügung, insbesondere in den Bereichen Grundschule, Sonderpädagogik und in der Sekundarstufe I, hatte sie vergangene Woche erklärt.

Perspektivisch wird es nicht besser

Dass besonders Grundschulen unter dem Lehrermangel leiden, macht eine andere Zahl deutlich: So konnten 2018 von den schulformübergreifend 1376 offenen Lehrerstellen im Regierungsbezirk immerhin 1055 besetzt werden. Das entspricht einer Quote von 76,6 Prozent.

Perspektivisch wird das Problem generell aber eher größer denn kleiner: Nach der aktuellen Lehrkräftebedarfsprognose des Ministeriums werden in den kommenden zehn Jahren landesweit voraussichtlich 78.000 Stellen neu zu besetzen sein.

So will das Ministerium das Problem angehen:

Um gegenzusteuern, hat das Land verschiedene Maßnahmen angestoßen. So soll die Zahl der Studienplätze für Lehramtsanwärter erhöht werden. Darüber hinaus versucht das Ministerium, mehr Lehramtsanwärter für Gymnasien an die Grundschule zu locken. Seit dem Sommer haben diese nach zwei Jahren in der Primarstufe Anspruch auf eine Stelle am Gymnasium. Zur Abfederung des Mangels werden zudem bereits pensionierte Lehrer wieder eingesetzt, Ruhestände hinaus geschoben, Teilzeitanträge abgelehnt und Seiteneinsteiger eingestellt.

Im hiesigen Regierungsbezirk gilt darüber hinaus das sogenannte Münster-Modell. Heißt: An Grundschulen die personell nicht gänzlich auf Kante genäht sind, hat die Behörde offene Stellen mit einem Appendix gekoppelt. Wer sich darauf bewirbt, sagt zu, zunächst für zwei Jahre an einer Schule im Emscher-Lippe-Raum zu unterrichten. Aus der Stadt Münster (inklusive Vertretungspool) sowie den Kreisen Coesfeld und Warendorf haben sich 2018 auf diesem Wege insgesamt 26 junge Lehrer nach Gelsenkirchen und aus Münster und dem Kreis Steinfurt nochmals elf nach Recklinghausen aufgemacht.

Kommentar zum Thema

Nein, dieser Mangel an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern kam nicht über Nacht, sondern pochte laut vernehmlich schon seit ­einigen Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) an die Tür der Personalverantwortlichen: Überall in NRW können offene Stellen nicht besetzt werden. Längst gilt das nicht mehr für unbeliebte Städte oder Regionen, sondern ist in jedem Regierungsbezirk zu besichtigen.

Dies ist kein alleiniges Versäumnis der im Moment ­regierenden Schulministerin Yvonne Gebauer, sondern wurde von den Vorgängerregierungen offenbar fahr­lässig unterschätzt. Die ansteigenden Schülerzahlen waren vorhersehbar, die hohe Zahl an Lehrerinnen und Lehrern, die jetzt ins Pensionierungsalter rücken, hätten einer guten Personalpolitik in NRW auffallen müssen. Konzepte, um dagegenzusteuern? Fehlanzeige.

Neben der höheren Wertschätzung für die Tätigkeit in den Grundschulen (wohl in keinem Schulzweig haben sich die sozialen Verhältnisse so gewandelt wie in den Klassen eins bis vier) muss das Missverhältnis der ungleichen Bezahlung im Schuldienst angepackt werden. Bisher gab es dazu nur Lippenbekenntnisse, die Um­setzung dagegen fehlt. (Frank Polke)

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