Interessenkonflikt um ehemaliges Finanzamt
„Wohnraum ist wichtiger als Büros“

Münster -

Für die Nutzung des ehemaligen Finanzamt an der Münzstraße interessiert sich neben der Uni-Verwaltung auch das Studierendenwerk. Es will hier Wohnraum für Studenten anbieten. Das begrüßen auch der AStA und das Studierendenparlament.

Dienstag, 22.01.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 19:14 Uhr
Für die Nutzung des ehemaligen Finanzamtes an der Münzstraße gibt es mehrere Interessenten  Das ehemalige Finanzamt an der Münzstraße ist eine umkämpfte Immobilie. Die Uni will hier Prüfungsämter einrichten, Studierendenwerk, Stupa und AStA fordern, das Gebäude als Studentenwohnheim zu nutzen.
Für die Nutzung des ehemaligen Finanzamtes an der Münzstraße gibt es mehrere Interessenten  Das ehemalige Finanzamt an der Münzstraße ist eine umkämpfte Immobilie. Die Uni will hier Prüfungsämter einrichten, Studierendenwerk, Stupa und AStA fordern, das Gebäude als Studentenwohnheim zu nutzen. Foto: Matthias Ahlke

Nach dem AStA der Universität hat jetzt auch das Studierendenwerk Münster sein Interesse klargestellt, das Gebäude des ehemaligen Finanzamtes an der Münzstraße als Studentenwohnheim anzubieten und zu verwalten. Auch das Studierendenparlament (Stupa) der Uni hat in seiner Sitzung am Montagabend das Land NRW und die Stadt Münster aufgefordert, das Gebäude für studentisches Wohnen zur Verfügung zu stellen. Damit lautete die Linie im Interessenkonflikt bei der künftigen Nutzung der Immobilie: Uni gegen Uni.

Uni will Prüfungsämter einrichten

Wie berichtet, will die Universität hier Prüfungsämter einrichten. Sie sieht sich dabei in den Verhandlungen mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW weit fortgeschritten. Doch so leicht will sich das Studierendenwerk nicht geschlagen geben: „Studentischer Wohnraum in Münster war und ist knapp bemessen, aber derzeit steuert das Studierendenwerk Münster wegen des Wegfalls mehrerer angemieteter studentischer Wohnobjekte auf eine bisher nicht gekannte Verknappung des eigenen Wohnraumangebotes zu“, heißt es in einer Presseerklärung der Einrichtung.

In Kürze werden rund 500 Wohnmöglichkeiten in den Bima-Häusern unter anderem in Gremmendorf wegfallen.

Luca Horoba, Wohnraumreferent des AStA

Die Versorgungsquote der münsterischen Studierenden mit Wohnraum drohe auf acht Prozent zu fallen. Bis vor Kurzem habe diese Quote bei zwölf bis 14 Prozent gelegen, so das Studierendenwerk, das sich hier einig mit dem AStA ist. Luca Horoba, Wohnraumreferent des AStA, macht auf die immer dramatischere Wohnraumknappheit aufmerksam: „In Kürze werden rund 500 Wohnmöglichkeiten in den Bima-Häusern unter anderem in Gremmendorf wegfallen“, so Horoba. Der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) macht er dabei keinen Vorwurf. Sie benötige die dortigen Wohnungen in den Britenhäusern für die Studenten des Zolls an der Hochschule des Bundes in Münster. Horoba erinnert daran, dass AStA und Studierendenwerk mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dem Eigentümer der Immobilie, lange in Kontakt wegen der Nutzung seien. Maximal 100 Studierende könnten dort nach Einschätzung des AStA wohnen. Dass nun das Gebäude wohl unter anderem Prüfungsämter der Uni beherbergen soll, ist für Horaba schwer verständlich.

Bereits als Wohnraum genutzt

Ähnlich empfindet es das Studierendenwerk: Die Nöte der Universität, geeignete Verwaltungsräume zu finden, sind sicher nachvollziehbar, doch sollte bei der Vergabe dieser Immobilie auch darauf geachtet werden, dass das Gebäude bereits als Wohnraum für Studierende und Flüchtlinge genutzt wurde, heißt es in der Erklärung. Daher eigne es sich „sehr gut für eine weitere Verwendung als Wohnraum, zumal mit Studierenden als Mietern im Innenstadtbereich auch eine Parkplatzproblematik nicht gegeben“ sei.

Vonseiten des BLB gibt es im Interessenkonflikt um die Nutzung der zentralen Immobilie noch keine abschließende Entscheidung. Die Optionen für Nutzungen des Landes würden geprüft, heißt auf eine neuerliche Nachfrage. Das Ansinnen von AStA, Studierendenparlament und Studierendenwerk könnte ein vor einer Woche im Landtag eingebrachter Antrag von CDU und FDP befördern, der sich mit der studentischen Wohnungsnot in großen Hochschulstädten in NRW befasst. Ein Punkt des Maßnahmenkatalogs: Die Landesregierung soll Grundstücke und Gebäude, die sich im Eigentum des Landes befinden und die sich für Zwecke des studentischen Wohnens grundsätzlich eignen, aktivieren und prüfen, wie sie diesem Zweck kostengünstig zugeführt werden können.

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