Wärmezelt für Obdachlose
Ein Puzzlestein gegen die Kälte

Münster -

Schon von der Promenade aus ist das beleuchtete weiße Wärmezelt für Obdachlose auf dem Bouleplatz an der Engelenschanze zu sehen. Helfer der Johanniter und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sind vor Ort. Im Inneren arbeitet die Heizung auf Hochtouren. 

Freitag, 25.01.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 18:10 Uhr
Rund 20 Sitzplätze bietet das Wärmezelt für obdachlose Menschen. Nach einer Probephase soll es ein festes, verlässliches und niederschwelliges Hilfsangebot werden.
Rund 20 Sitzplätze bietet das Wärmezelt für obdachlose Menschen. Nach einer Probephase soll es ein festes, verlässliches und niederschwelliges Hilfsangebot werden. Foto: Matthias Ahlke

Ein großer Topf mit Erbsensuppe steht auf der Kochplatte, daneben ein Wasserkocher, Thermoskannen mit Kaffee, frisches Brot, Schokokuchen und Muffins. An einer Seite des Wärmezeltes sind in einem Karton Schlafsäcke und Hygiene-Sets mit Zahnbürsten, Seife und mehr gestapelt.

Ein junger Mann, der erst seit Kurzem auf der Straße lebt, schaut nur kurz vorbei. Ihm ist es zu voll. Ein älterer Mann betritt wenig später vorsichtig das Zelt. „Hier stinkt es nach Benzin“, fällt ihm auf – von der Heizung. Er trägt eine Cordjacke, darunter mehrere Lagen Pullover, keine Mütze, keine Handschuhe. Dankbar nimmt er einen Teller Suppe und Brot entgegen. Er ist wortkarg, möchte seinen Namen nicht nennen. Er jammert nicht darüber, dass er friert. Immer wieder schaut er zwischendurch auf seine Armbanduhr. Tee möchte er nicht, aber einen zweiten Teller Suppe lässt er sich nachschenken. Wenig später verabschiedet er sich mit „Bis später“ und verlässt hustend das Zelt.

Ein großer Topf mit Erbsensuppe steht auf der Kochplatte im Wärmezelt.

Ein großer Topf mit Erbsensuppe steht auf der Kochplatte im Wärmezelt. Foto: Matthias Ahlke

Dann kommt tatsächlich der junge Mann noch einmal wieder. Auch er isst Suppe und ist froh, dass er Thomas Mühlbauer vom Haus der Wohnungslosenhilfe trifft. Er verabredet sich mit ihm für den nächsten Tag, um einen Platz in den Containern der Winternothilfe zu bekommen. Was er sich von Herzen wünscht: „Eine Wohnung – keine Probleme mehr, keine Geldsorgen.“ So viel Hilfe kann Mühlbauer nicht leisten, aber ein Platz bei den eisigen Temperaturen in den Containern hinterm Jovel wäre schon ein guter Anfang für ihn.

Sitzplätze für circa 20 Menschen

Sobald die Temperaturen drei Tage lang auf unter minus drei Grad fallen, wird dieses Zelt von Mitarbeitern der Johanniter und des ASB dort aufgebaut und frühmorgens wieder abgebaut. In der Nacht stehen durchgehend Helfer bereit. Das Zelt bietet Sitzplätze für circa 20 Menschen, die sich aufwärmen und etwas Warmes essen, trinken, zur Ruhe kommen möchten. In der ersten Nacht nutzten dies etwa 30 Obdachlose. Manche kamen mit ihren Hunden. Gegen 2 Uhr früh war mit minus zehn Grad der Kältetiefpunkt erreicht, was im Zelt deutlich spürbar war.

40 bis 50 Wohnungslose täglich

Nach einer Probephase soll das Wärmezelt ein festes, verlässliches und niederschwelliges Hilfsangebot werden. „Es ist ein Notnagel“, kommentiert Stefanie Könitz-Goes vom ASB, „ein Puzzlestein der Kältehilfe“, sagt Mühlbauer. Er ist froh, dass die Wohnungslosenhilfe bei der Planung mit einbezogen wurde. Er spricht von täglich 40 bis 50 Wohnungslosen in Münster, die nachts keine Notunterkunft in Anspruch nehmen. Udo Schröder-Hörster (Johanniter) erläutert, dass es jeden treffen kann, in die Wohnungslosigkeit abzurutschen und auf derartigen Hilfen angewiesen zu sein. Kältetote gab es in Münster noch nicht, aber Lungenentzündungen oder Erkältungskrankheiten können für die Betroffenen gefährlich werden.

Die Organisatoren suchen freiwillige Helfer für die Nachtschichten und Spendengelder (Kontakt: kaeltehilfe@asb-muenster.de oder kaelteengel.muenster@johanniter.de).

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