Alternative Vermarktung im Münsterland
Neue Wege beim Holzverkauf

Münster -

Die Forst­behörden in Deutschland haben sich aus der Holz-Vermarktung zurückgezogen, nachdem das Bundeskartellamt in dem gemein­samen Verkauf aus privaten, kommunalen und staatlichen Wäldern ei­nen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht gesehen hatte. Seit dem 1. Januar ist nun offiziell Schluss damit.

Mittwoch, 30.01.2019, 08:00 Uhr
Die Holzvermarktung lag bisher komplett in den Händen des Staates. Das Kartellamt sah darin jedoch einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. In NRW ist der Landesbetrieb Wald und Holz darum seit dem 1. Januar aus dem Rennen.
Die Holzvermarktung lag bisher komplett in den Händen des Staates. Das Kartellamt sah darin jedoch einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. In NRW ist der Landesbetrieb Wald und Holz darum seit dem 1. Januar aus dem Rennen. Foto: Wilfried Gerharz

Früher war auch im Wald die Welt noch in Ordnung. Der Förster kümmerte sich um den Forst, er vermarktete das Holz und bescherte auch dem privaten Waldbesitzer so eine Quasi-Rund-um-Versorgung. Schöne, heile Welt also, die zwar praktisch prima funktionierte, leider aber einen Makel hatte: Sie verstieß gegen Wettbewerbsrecht. So sah es jedenfalls das Bundeskartellamt .

Folglich ist seit dem 1. Januar offiziell Schluss damit. Und vielerorts guter Rat teuer. Vor allem in NRW, wo die Zahl der kleinen Waldbau­ern besonders groß und die Größe der Privatwälder ­ent­sprechend klein ist. „4500 Waldbesitzer gibt es allein im Münsterland, jeder besitzt durchschnittlich drei Hek­tar“, sagt Heinz-Peter Hochhäuser, der Leiter des Regionalforstamtes Münsterland. Mehr Wäldchen als Wald also.

Förster reagieren angespannt

Wie geht’s denn jetzt weiter? Das ist nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz NRW fast überall noch unklar. „Klar ist nur, wir vermarkten nicht mehr“, sagt Sprecher Friedrich Louven .

Der NRW-Waldbauernverband sieht das gelassen. Die im Landesbetrieb als staatlicher Behörde organisierten Förster reagieren indes eher angespannt. „Wir müssen ei­gene Vermarktungsorganisationen aufbauen, derart, dass sich die Waldbesitzer zusammentun und das Holz an die Säge-Industrie verkaufen“, sagt der stellvertretende Verbandsvorsitzende Ferdinand Funke. Bei 47.000 Waldbesitzern in NRW dürfte das allerdings kein leichtes Unterfangen sein.

Das Münsterland könnte hier jedoch Musterland werden.

Vorbild für andere Regionalforstämter

Weil die Kartellwächter schon seit Jahren muckern, stand die regionale Forstverwaltung vorausschauend Pate bei der Gründung der Naturstoffzentrale Land und Forst (NLF) GmbH in Saerbeck. Die gehört zu gleichen Teilen Waldbesitzern, dem westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverband und dem sogenannten Maschinenring/Betriebshilfsdienst, der Bau­ern in Notfällen unterstützt.

Als Absatzgenossenschaft schließt die NLF nun Verträge mit den Sägewerken und schreibt die Rechnungen, während das Regionalforstamt wie bisher den Verkauf plant, das Holz aufmisst, Holzlisten erstellt, die Ware übergibt und schlussendlich die Abfuhr kontrolliert.

Offenbar eine astreine Lösung also. Gut für die Waldbesitzer, gut für den Landesbetrieb Wald und Holz, kartellrechtssicher und so funktional, dass der Staatssekretär im NRW- Landwirtschaftsministerium, Dr. Heinrich Bottermann, auf Nachfrage betonte: Das Konzept tauge und könne „sich zum Vorbild für andere Regionalforstämter entwickeln“.

Mehr Aufwand aufseiten der Förster

Das Wegfallen des Holzverkaufes ist der eine Punkt, der den Landesbetrieb umtreibt. Die Veränderungen bei der sogenannten Beförsterung ist der zweite.

Kartellamt und EU-Kommission sind auch hier auf den Plan getreten. Das staatliche Kümmern auch um den Privatwald war bislang stark subventioniert – darum gab es auch keine privaten Anbieter. Ab diesem Jahr muss die Leistung zu Vollkosten angeboten werden. Als Ausgleich erhält der Waldbauer einen direkten Zuschuss, den er jedoch eigens beantragen muss. Mehr Aufwand also und aufseiten der Förster zwei Sorgen.

Rund 80 Prozent des Waldes in NRW befindet sich in Privatbesitz. Nicht auszuschließen sei, sagt Forstamtsleiter Hochhäuser, dass Waldbesitzer mit kleinen Flächen den Aufwand scheuen und den Wald künftig einfach sich selbst überlassen. Unausgesprochen geht es da­bei noch um etwas anderes: die Sorge nämlich, dass der Landesbetrieb am Ende schlichtweg überflüssig werden könnte.

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