Flughafen Münster/Osnabrück
Eine Investorengruppe aus NRW will Germania retten

Münster -

Jetzt naht offenbar wirklich Rettung für die angeschlagene Fluggesellschaft Germania. Eine Investorengruppe aus NRW um den früheren Ex-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat angekündigt, der Airline kurzfristig 15 Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen. Investoren hatte es Germania-Chef Karsten Balke schon vor Wochen angekündigt. Nur hatten die offenbar kein Geld zur Verfügung gestellt.

Montag, 04.02.2019, 18:52 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 19:19 Uhr
Drei Maschinen will Germania mit dem Beginn des Sommerflugplans am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) stationieren. Das war zumindest bislang der Plan.
Drei Maschinen will Germania mit dem Beginn des Sommerflugplans am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) stationieren. Das war zumindest bislang der Plan. Foto: Gunnar A. Pier

Zunächst klang alles noch wenig dramatisch, eher nach einer beherrschbaren Krise. Anfang des Jahres räumte die Fluggesellschaft Germania Liquiditätsengpässe ein. Kein großes Problem sei das, eher ein Problemchen, schließlich ­sei­en Investoren gefunden, die bereit seien, die fehlenden Millionen vorzuschießen.

Jetzt, knapp vier Wochen später, hat sich die Lage offenbar deutlich verschärft. Die Berliner Airline – eine entscheidende Größe am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) – konnte Ende Januar keine Löhne mehr auszahlen, weil das zugesagte Geld offenbar nicht da ist.

Investoren-Gruppe aus NRW will Germania retten

Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte. Die brodeln natürlich. Auch weil sich die Airline entschieden hat, nichts mehr zu sagen. Sprecher Lars Wagner erklärte noch am Montag gegenüber unserer Zeitung, sich nicht mehr erklären zu wollen. „Germania äußert sich derzeit nicht zum aktuellen Stand der ­ Finanzierungsgespräche.“ Am gleichen Tag berichtete die „Neue Ruhr Zeitung“, dass nun eine Investoren-Gruppe aus NRW der ins Trudeln ­geratenen Fluggesellschaft un­­ter die Arme greifen will. Koordinator der Hilfe: Ex-Airline-Manager Joachim Hunold (LTU/Ex-Air Berlin).

Mitte Januar hatte Ger­mania-Chef Karsten Balke im Interview mit unserer Zeitung die Finanzlücke auf 15 Millionen Euro beziffert und darüber hinaus Optimismus versprüht. Von „wichtigen Zu­sagen“ sprach er, wenig später davon, dass „mehr Geld als die gewünschten 15 Millionen Euro“ in Aussicht gestellt worden sei. Woher die Millionen kommen sollten, sagte Balke freilich nicht.

Echte Hoffnung oder strategischer Zweckoptimismus? Die Nachricht wurde in der Branche jedenfalls begierig aufgesogen. Schließlich ist Germania mit 40 Flugzeugen und 1100 Mitarbeitern kein Fliegengewicht und auf dem deutschen Markt ein wichtiger Carrier.

Ginge der in die Knie, „könnten vor allem kleinere Flughäfen wie der FMO in größere Schwierigkeiten geraten“, betonte Ralph Beisel, Chef des Flughafenverbandes ADV, auf Nachfrage. Am Airport in Greven bedient Germania 20 der 27 Ziele und beförderte 2018 rund 26 Prozent der rund eine Million Fluggäste.

Alle Ziele ab FMO

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  • Mit dem Flugzeugs Münsters ungemütlichem Wetter entkommen: Im Winter 2018 / 2019 bietet der FMO 18 Ziele an.

    Foto: FMO
  • Agadir: Marokkanischen Minztee dürfen Germania-Passagiere mit Reiseziel Marokko nun am Stand von Agadir schlürfen.

    Foto: Manuel Meyer
  • Antalya: Mindestens einmal täglich geht es mit Sun Express in die Sonne der türkischen Stadt.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Faro: Germania steuert die portugiesische Stadt donnerstags an.

    Foto: dpa
  • Frankfurt: Die Lufthansa fliegt viermal täglich (dreimal täglich samstags) zum Umsteigeklassiker Frankfurt.

    Foto: Boris Roessler/dpa
  • Fuerteventura: Zweimal die Woche - montags und samstags - fliegt Germania nach Fuerteventura.

    Foto: dpa
  • Madeira: Ein Mal in der Woche fliegt Germanwings seine Passagiere nun in Ronaldos schöne Heimat.

    Foto: dpa
  • Gran Canaria: Nach Gran Canaria geht es mittwochs und sonntags, auch mit Germania.

    Foto: dpa
  • Heraklion: Der Flughafen Heraklion auf Kreta wird Zwei Mal pro Woche von Germanwings angeflogen.

    Foto: dpa
  • Hurghada: Germania und Fly-Egypt fliegen jeweils einmal wöchentlich den ägyptischen Badeort Hurghada an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Istanbul: Auch neu auf dem Flugplan steht die türkische Metropole Istanbul mit der beeindruckenden Hagia Sophia.

    Foto: Philipp Laage
  • Lanzarote: Ab dem 7.11. fliegt Germania jeden Dienstag nach Lanzarote.

    Foto: dpa
  • Malaga: Die spanische Stadt wird regelmäßig von Germania angeflogen.

    Foto: dpa
  • München: Rund 30 Mal pro Woche steuert Lufthansa München an - mit mehreren Flügen täglich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mallorca: Gleich drei Fluganbieter sind auf der Strecke in den beliebten Urlaubsort Mallora unterwegs: Germania, Niki und Eurowings. Bis auf dienstags gibt es mindestens einen Flug täglich.

    Foto: dpa
  • Salzburg: Neu auf dem Flugplan steht die österreichische Stadt Salzburg: Seit 1997 ist der historische Kern der Stadt UNESCO Weltkulturerbe.

    Foto: dpa
  • Stuttgart: AIS Airlines verbindet den FMO mit Stuttgart. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gibt es zwei Flüge, freitags einen.

    Foto: Christoph Schmidt/dpa
  • Teneriffa: Jeden Freitag fliegt Germania auf die Kanaren-Insel.

    Foto: Ina Brzoska/dpa
  • Thessaloniki: Germanwings bringt seine Passagiere jeden Freitag in die nordgriechische Stadt an der Küste.

    Foto: Anja und Andree Henschen

Auch wenn der Flugbetrieb der Berliner nach wie vor reibungslos läuft, ziehen sich über dem Unternehmen immer dunklere Wolken zusammen. Scheinbar wartet das Management noch immer auf die ursprünglich angekündigte Finanzspritze.

Kein gutes Zeichen. Kann eine Airline nicht nachweisen, die Mittel für Wartung und Betrieb der Flugzeuge für die nächsten drei Monate auf der hohen Kante zu ­haben, droht laut „Handelsblatt“ der Entzug der Be­triebs­er­laubnis durch das Luftfahrt-Bundesamt.

Retter in höchster Not?

Die neue Investorengruppe also als Retter in höchster Not? So sieht es aus. Jedenfalls will sie die fehlenden 15 Millionen Euro bis zum Beginn des Sommerflugplans Ende März zur Verfügung stellen. Das würde Germania helfen, schließlich verdienen vor allem die Touristik-Airlines ihr Geld in dieser Zeit – und weniger im Winter. Der Grund für das Engagement der Geldgeber: „Durch die Germania-Rettung werde die Konkurrenzsituation in der Luftfahrtbranche zum Vorteil der Konsumenten ge­sichert“. Das klingt selbst­loser, als es vermutlich ist.

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