Vorsicht vor „fiesen Tricks“
Studenten arbeiten in prekären Nebenjobs

Münster -

Jobben ohne Arbeitsvertrag, unbezahlte Mehrarbeit – viele Studenten arbeiten in ihren Nebenjobs in einer rechtlichen Grauzone, sagen AStA und Deutscher Gewerkschaftsbund. Über die „fiesesten Tricks“ von Arbeitgebern wollen sie aufklären.

Donnerstag, 07.02.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 08:19 Uhr
Vorsicht vor „fiesen Tricks“: Studenten arbeiten in prekären Nebenjobs

Die Kündigung kam per SMS: Der Job ist ab sofort vorbei. Metin Güler , Anwalt für Arbeitsrecht und Rechts-Berater des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Uni Münster, kennt mehrere solcher Fälle und viele andere Probleme, die auf prekären Arbeitsverhältnissen beruhen. Nach Studien des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) haben in Nordrhein-Westfalen etwa drei Viertel der Studierenden einen Nebenjob, auch in Münster. „Die meisten arbeiten, weil sie wirklich auf das Geld angewiesen sind“, sagt Felix Eggerglüß, Bildungsreferent des DGB.

DGB und AStA laden am heutigen Donnerstag (7. Februar) um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den Raum ULB 1 in der Universitätsbibliothek, Krummer Timpen 5, ein, um über die „fiesesten Tricks“ von Arbeitgebern und die Rechte studentischer Jobber zu informieren.

Oft fehlt der Arbeitsvertrag

„Viele Jobber haben gar keine Arbeitsverträge“, sagt Metin Güler – was es sehr schwer mache, Rechte geltend zu machen. Oft wird ein Job-Verhältnis per Handschlag besiegelt, mündliche Zusagen, etwa die, dass Mindestlohn gezahlt, oder in der Gastronomie das Trinkgeld nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt wird, würden nicht eingehalten. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch oder Bezahlung für geleistete Überstunden gebe es sehr häufig nicht, obwohl die Tätigkeit den Umfang eines mit 450 Euro entgoltenen Minijobs habe, so Güler. Durchschnittlich 472 Euro verdienen sich Studierende in NRW durch Jobs, so Eggersglüß. Zahlen für Münster gebe es nicht, so der AStA-Sozialreferent Luca Horoba. Er weiß aber, dass die meisten Studierenden vor Ort jobben, vor allem wegen des hohen Mietniveaus. Rund 370 Euro kostet Erhebungen zufolge in Münster durchschnittlich ein WG-Zimmer. Lege man den Bafög-Höchstsatz von derzeit 735 zugrunde, „dann geht die Hälfte des Einkommens nur fürs Wohnen drauf“, so Horoba.

Münsters Ruf unter Arbeitgebern: Ort für preiswerte Arbeitskräfte

Das Jobangebot ist reichlich, was den Interessen der Job-Nehmer eher helfe, so Eggersglüß. Allerdings habe sich unter Arbeitgebern herumgesprochen, dass Münster wegen der vielen Studierenden ein guter Ort sei, um preiswerte Arbeitskräfte zu finden. Bereiche mit besonders prekären Bedingungen seien Gastronomie und Logistik, sagt Güler. Selbst bundesweit tätige Lieferdienste, hielten rechtliche Vorgaben nicht ein.

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