Verwaltungsgericht arbeitet am Ausweichstandort
Rechtsprechung in der Kaserne

Münster -

Das Verwaltungsgericht ist für zwei Jahre mit seinem kompletten Betrieb umgezogen. Weil das Stammgebäude an der Piusallee saniert wird, wird jetzt vorläufig im Gebäude des ehemaligen Lufttransportkommandos im Ostviertel Recht gesprochen.

Samstag, 09.02.2019, 11:00 Uhr
Das Verwaltungsgericht ist für rund zwei Jahre in das Gebäude des ehemaligen Lufttransportkommandos gezogen (oben l.). Sprecher Michael Labrenz im Foyer (oben r.). Drei annähernd gleice Gerichtssäle (unten l.) wurden hergerichtet, ebenso der Bürotrakt.
Das Verwaltungsgericht ist für rund zwei Jahre in das Gebäude des ehemaligen Lufttransportkommandos gezogen (oben l.). Sprecher Michael Labrenz im Foyer (oben r.). Drei annähernd gleiche Gerichtssäle (unten l.) wurden hergerichtet, ebenso der Bürotrakt. Foto: Oliver Werner

Die runde Wanduhr lehnt noch provisorisch auf einem Polsterstuhl neben der Tür im Saal 1 des Verwaltungsgerichts . Die Zeiger stehen auf 14.06 Uhr. Der Richter hantiert am Laptop auf seiner Bank, das Gerät lässt sich beim Hochfahren Zeit.

Das sind aber schon die einzigen Unzulänglichkeiten, die am Interimssitz des Gerichts auffallen. Sonst ist hier, im Gebäude des ehemaligen Lufttransportkommandos der Bundeswehr an der Manfred-von-Richthofen-Straße, alles wie es sein sollte in einem Gerichtsgebäude.

„Wir fühlen uns sehr wohl hier“, sagt Vorsitzender Richter Michael Labrenz , Pressesprecher des Verwaltungsgerichts, und fügt hinzu: „Manche Kollegen finden es hier sogar schöner als an unserem Stammsitz.“

Großzügiger als in der Piusallee

Der liegt an der Piusallee – und das dortige Gebäude des Verwaltungsgerichts aus den 60er-Jahren wird umfangreich saniert. Brandschutz, Haustechnik – das Gebäude brauchte eine Generalüberholung. Für rund zwei Jahre arbeitet das Gericht nun an der Manfred-von-Richthofen-Straße in dem Kasernenbau aus den 30er-Jahren, der zu großen Teilen weiterhin von der Bundeswehr genutzt wird.

Ein riesiger Saal über dem großzügigen Empfangsfoyer mit repräsentativem Treppenaufgang wurde mit Zwischenwänden unterteilt – entstanden sind drei Gerichtssäle, in denen nun verhandelt wird. „Jeder einzelne Saal ist immer noch großzügiger als die Säle in unserem alten Gebäude“, sagt Labrenz.

Es riecht noch sehr neu unter den mindestens vier Meter hohen Decken der Säle – wegen des Teppichbodens. Die Fenster sind mit blickdichter Folie verklebt. „Da hat offenbar jemand gedacht, dass im Gericht Geheimes passiert“, mutmaßt Labrenz und schmunzelt. Das Gegenteil sei der Fall: Die deutsche Justiz stehe für Transparenz – darum kommen die Folien auch weg.

Asylverfahren halten das Gericht auf Trapp

Zwei große Flure beherbergen die Büros der rund 100 Angestellten des Gerichts, auch hier neuer Fußboden und neue Beleuchtung. Auch die Bibliothek ist mit umgezogen.

Manche Kollegen finden es hier sogar schöner als an unserem Stammsitz.

Vorsitzender Richter Michael Labrenz

34 Richter arbeiten hier, dazu kommen momentan noch neun Richter und Richterinnen, die von anderen Gerichten abgeordnet wurden. Der Grund sind die vielen Verfahren, in denen es um das Aufenthaltsrecht von Asylsuchenden geht.

Über zwei Drittel der rund 6000 Verfahren, die das Verwaltungsgericht im vergangenen Jahr verhandelt hat, betreffen das Thema Asyl, so die Bilanz für 2018. Im Vorjahr betrafen sogar 80 Prozent der Verfahren das Thema Ausländerrecht.

Kein Windrad, das nicht beklagt wird 

Die Klagen am Verwaltungsgericht geben Auskunft über große gesellschaftliche Themen und Streitpunkte. Bei einem wachsenden Teil der Verfahren geht es um das Thema Windkraft. Michael Labrenz: „Man hat den Eindruck, dass es kaum ein Windrad gibt, das nicht beklagt wird.“

Platz zum Verhandeln der vielen Klagen hat das Verwaltungsgericht jedenfalls genug – und wenn der Ausweichstandort an der Manfred-von-Richthofen-Straße nicht reicht, können die Richter noch in einen Saal des Oberverwaltungsgerichts am Aegidiikirchplatz ausweichen.

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