Verkehrssicherheit
Maisfeld zu hoch - hätte der tödliche Unfall vermieden werden können?

Wadersloh/Beckum -

Sichtdreieck bedeutet das Sichtfeld, das ein Verkehrsteilnehmer zur Verfügung haben muss, wenn er von einer untergeordneten in eine übergeordnete Straße einbiegen will – also zum Beispiel von einem Feldweg auf eine Land- oder Kreisstraße. Ein zu hoher Maisacker behinderte im Herbst 2017 das Sichtfeld eines Traktorfahrers in Wadersloh so stark, dass er einen vorfahrtsberechtigen Motorradfahrer übersah. Bei der Kollision wurde der 17-Jährige tödlich verletzt und starb wenig später im Krankenhaus. Am 20. Februar beginnt am Amtsgericht Beckum der Prozess.

Mittwoch, 20.02.2019, 07:50 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 08:26 Uhr
Ein hochgewachsenes Maisfeld steht vor dem Hintergrund der Verkehrssicherheit im Mittelpunkt eines Prozesses um einen tödlichen Motorradunfall.
Ein hochgewachsenes Maisfeld (wie auf diesem Symbolfoto) steht vor dem Hintergrund der Verkehrssicherheit im Mittelpunkt eines Prozesses um einen tödlichen Motorradunfall. Foto: Klaus Meyer

Ein hoch bis an den Straßenrand ragendes Maisfeld ist eigentlich ein schöner Anblick. Eine dicht bewachsene Alleenstraße auch. Doch wenn die Verkehrssicherheit durch zu viel Grün nicht mehr gewährleistet werden kann, sieht das alles wieder ganz anders aus.

Trauriger Anlass für eine andere Blickweise auf die Natur ist der Unfall eines tödlich verunglückten Motorradfahrers am 5. September 2017 in Wadersloh. Der 17-Jährige war mit einem Traktorgespann mit Gülle kollidiert. Der Traktorfahrer konnte ihn nach eigenen Angaben wegen des hoch gewachsenen Maisfeldes nicht sehen Der Lippetaler starb im Krankenhaus. Gegen den 25-jährigen Trecker-Fahrer wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Am heutigen Mittwoch (20. Februar) beginnt um 9.30 Uhr der mit Spannung erwartete Prozessauftakt im Amtsgericht Beckum.

Verdacht der fahrlässigen Tötung gegen zwei Gemeindemitarbeiter

Möglicherweise wucherten Pflanzen zu nah an der Straße und haben die Sicht des Traktorfahrers behindert. Daher prüft der Prozess vor allem auch, ob zwei Mitarbeiter der Gemeinde Wadersloh ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen waren, an der betreffenden Landstraße für ausreichende Sichtverhältnisse gesorgt zu haben. 200 Meter seien dort vorgeschrieben. In Wirklichkeit seien es – laut Oberstaatsanwalt – aber nur 83 Meter gewesen. Daher wird auch gegen die zwei Gemeindemitarbeiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Der Unfall hat die verschiedenen Straßenbaulastträger im Kreis aufgeschreckt. Nicht nur in Everswinkel werden seit dem Vorfall alle Sichtdreiecke überprüft. „So schade es ist, dass wir gegebenenfalls Bäume wegnehmen müssen, das wird alles noch genau analysiert – wir stehen in enger Abstimmung mit den Kreis“, sagte Bürgermeister Sebastian Seidel dieser Zeitung. In Wadersloh werden auch Temporeduzierungen in Erwägung gezogen.

„Alle Sichtdreiecke im Kreis stehen auf dem Prüfstand“

„Alle Sichtdreiecke im Kreis stehen auf dem Prüfstand“, erklärte Carsten Rehers, Kreis-Bau- und Umweltdezernent, auf Nachfrage dieser Zeitung, „wir gucken uns alle betreffenden Stellen mit den Städten und Gemeinden vor Ort an“. Für Rehers steht fest: „Im Zweifel muss man den Bewuchs entfernen“.

Dafür müsse man aber nicht immer gleich die Bäume komplett entfernen. „In manchen Fällen kann man die oberen Hochäste der Bäume stehen lassen und den unteren Bewuchs wegschneiden“, regt Rehers an. Ob an einer Stelle aber eine Scheune oder ein Bildstock dem sicheren Blick im Weg steht, müsse dann aber auch kontrolliert werden.

Der Kölner Rechtsanwalt Eckhard Wölke vertritt Wadersloh in der Unfall-Causa: „Wir sind für alle Eventualitäten vorbereitet.“                    

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Bisher keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung
 
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