Steuerhinterziehungs-Prozess am Landgericht
Angeklagter „wie Juhnke – barfuß oder Lackschuh“

Lüdinghausen/Münster -

Wortkarg geben sich die beiden Angeklagten – ein 67-jähriger Olfener und seine frühere Mitarbeiterin aus Celle – im Prozess am Landgericht Münster zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung. Beide äußern sich weder zur Anklage noch zu ihrer Person.

Dienstag, 26.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 26.02.2019, 09:38 Uhr
Die Angeklagten – hier beim Verfahrensauftakt – verlassen sich zurzeit sehr auf ihre Strafverteidiger. Während der Verhandlung äußern sie sich kaum, auch nicht zu Zeugenaussagen.
Die Angeklagten – hier beim Verfahrensauftakt – verlassen sich zurzeit sehr auf ihre Strafverteidiger. Während der Verhandlung äußern sie sich kaum, auch nicht zu Zeugenaussagen. Foto: klm

Nachdem im Fall der mutmaßlichen Steuerhinterziehung von knapp drei Millionen Euro die Angeklagten eine Verständigung mit dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft abgelehnt haben, lädt das Gericht derzeit viele Zeugen, um die Vorwürfe zu klären. Darunter sind Finanzbeamte, Bankmitarbeiter, Ex-Geschäftspartner und Angehörige der Angeklagten.

Wortkarges Duo

Denn weder der Hauptbeschuldigte aus Olfen (67), noch seine frühere Mitarbeiterin (58) aus Celle wollen sich zur Anklage oder zu ihrer Person äußern. Sie sollen mit der Firma „ MHS Ruhrmetall“ in Lüdinghausen den Steuerbetrag hinterzogen haben.

„Das ist wie bei Harald Juhnke – barfuß oder Lackschuh“, sagte am Montag als Zeugin eine frühere Lebenspartnerin (53) und Mutter zweier gemeinsamer Kinder über die Lebenseinstellung des Olfeners. „Er hatte gute Geschäftsideen, hat sie aber nicht zu Ende gebracht.“ Als gelernte Kauffrau habe sie selbst eine Entsorgungsfirma mit dem Angeklagten betrieben. „Er war immer fleißig und geschäftstüchtig. Mitarbeiter wurden vernünftig bezahlt“, sagte sie. „Wir haben normal gelebt und ein normales Auto gefahren.“ Die „Privatentnahmen“ aus dem Betrieb seien nicht überzogen gewesen, erklärte sie auf die Frage des Gerichts nach dem Lebensstil.

Fingierte Rechnungen und Scheinfirmen

„Er hat so viel gemacht, aber immer sehr kurzzeitig“, erklärte die Frau. Der gelernte Maurer mit kaufmännischer Ausbildung habe nach der Trennung einen „Juwelierbetrieb in Olfen gehabt“, wisse sie. Im Internet sei sie auf Werbung seiner Firma „MHS Ruhrmetall“ gestoßen. Von Lieferungen großer Mengen Silbergranulat indes, das in Berlin an- und nach Süddeutschland weiterverkauft worden sei, wisse sie nichts, antwortete sie auf Frage des Gerichts. Aus solchen Geschäften soll Umsatzsteuer über fingierte Rechnungen und Scheinfirmen verkürzt worden sein.

Ein Kassierer einer Lüdinghauser Bank sagte aus, dass der 67-Jährige häufig „große Mengen Bargeld“ in Beträgen bis zu 100.000 Euro abgehoben habe. Die Bank erstattete nach einiger Zeit Anzeige wegen Verdachts auf Geldwäsche, erklärte in dem Zusammenhang der Vorsitzende Richter.

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