Interview mit Schlager-Ikone Mickie Krause
„Ich nehme auch angetrunkene Menschen ernst“

Warendorf -

Das riesige Festzelt auf dem Warendorfer Lohwall steht schon: 1000 Quadratmeter – fast doppelt so groß wie in den vergangenen Jahren – fasst die mobile Veranstaltungshalle, in der Mickie Krause am Freitag den Narren bei der großen Karnevalsnacht für richtig Stimmung sorgen will. WN-Mitarbeiter Jonas Wiening hat sich mit dem Schlagersänger unterhalten.

Mittwoch, 27.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 17:13 Uhr
Interview mit Schlager-Ikone Mickie Krause: „Ich nehme auch angetrunkene Menschen ernst“
Ins Dschungelcamp zieht ihn vorerst noch nichts – dafür war Mickie Krause in der letzten Woche in Ruanda und hat eine Schule eröffnet. Foto: Gunnar A. Pier

Wir stecken mitten im Karneval . Am Wochenende ist der Höhepunkt erreicht. Ist das für dich die anstrengendste Zeit des Jahres?

Mickie Krause : Nein, es ist nicht die anstrengendste Zeit. Es beginnt bei mir im Grunde erst Altweiber und geht dann bis Faschingsdienstag. Ich mache in diesem Zeitraum zwar zehn bis 15 Termine. Aber der September und der Oktober sind viel anstrengender, weil ich da wirklich jeden Tag, also 30 Tage im Monat, auf der Bühne stehe. Dann haben wir die ganzen Oktoberfeste – und mit denen wurden wir ja in den letzten Jahren überrannt. Da habe ich in vier Wochen locker mal 40 bis 45 Termine.

Eine ganze Menge – wie viele Termine sind das dann im ganzen Jahr?

Mickie Krause: Im vergangenen Jahr waren es 186 Auftritte in Deutschland. Dann kommen da noch mal etwa 30 Termine auf Mallorca hinzu und auch 15 Promotion-Auftritte in Österreich muss man noch dazuzählen. Das Fernsehen darf man ebenfalls nicht vergessen. Die Leute versuchen immer hochzurechnen, was ich dann verdiene, aber so kann man das leider nicht sehen. Da sind viele Werbe-Geschichten dabei. Gestern war ich zum Beispiel zu Gast bei „Genial Daneben“. Das zähle ich auch als Auftritt, aber da gibt es dann nur Aufwandsentschädigungen.

Bei so vielen Auftritten im Jahr bist du dann ja sehr viel unterwegs. Zug, Flieger, Auto – wie kommst du zu den Auftrittsorten?

Mickie Krause: Also in erster Linie fahren wir mit dem Auto. Der Flughafen Münster hat zwar ganz gute Anbindungen, was Mallorca angeht, und wenn ich nach Österreich muss, fliege ich meistens auch über München, aber ansonsten reißen wir fast alles mit dem Auto ab. Mit dem Zug bin ich am wenigsten unterwegs – da lohnen sich eigentlich nur die Fahrten nach Hamburg oder Berlin.

Bei so viel Reiserei und Auftrittsstress tut dann bestimmt auch mal Urlaub ganz gut. Wie verbringst du den?

Mickie Krause: Den verbringe ich ganz normal in den Ferien, weil ich halt auch Familie und Kinder habe. Ostern sind wir jedes Jahr auf Fuerteventura. In den Sommerferien geht es dann meistens für zwei Wochen nach Norderney, und auf Mallorca machen wir dann auch noch mal Urlaub. Obwohl es da sein kann, dass ich zwischendurch Termine habe. Aber die Oster- und Herbstferien sind mir heilig. Die werden auch nicht unterbrochen. Für Silvester und die Zeit nach Weihnachten gibt es ebenfalls oft Anfragen, aber die lehne ich kategorisch ab.

„Jan Pillemann Otze“ oder „Geh mal Bier holen“ – Wie kommt man auf solche Texte?

Mickie Krause: Ich sag‘ immer, dass Alkohol eine große Rolle spielt, um den Kalauer zu haben. Aber letztendlich reicht das nicht. Ich habe einen guten Kumpel, den ich seit über 25 Jahre kenne. Das ist Amaretto. Und der ist oft der Ideengeber: Der hat eben diese Texteinfälle – und ich versuche das gemeinsam mit ihm umzusetzen. Er ist der kreative Kopf und ich versuche das dann musikalisch so rüberzubringen, dass es den Menschen gefällt. Wir sind ein sehr gut eingespieltes Team. Ich war sogar gestern noch mit ihm im Studio. Wir sind eigentlich permanent gemeinsam am Ideen austauschen.

Du hast gerade den Alkohol schon angesprochen. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass du hauptsächlich vor Betrunkenen auftrittst. Braucht man da eine gewisse Portion Selbstironie?

Mickie Krause: Ich brauche generell keine Selbstironie. Ich nehme auch angetrunkene Leute ernst. Denn wichtig ist einfach auch, Respekt vor den Menschen zu haben, die vor der Bühne stehen. Ich kenne das ja selbst, wenn ich mal ein, zwei Bierchen getrunken habe. Da sollte man sich nicht unbedingt lustig oder lächerlich über die Leute machen. Und mal ein Bierchen trinken, hat ja auch ein bisschen was mit Lebensqualität zu tun.

Wird man als Schlagersänger denn ernst genommen? Kann man sich zum Beispiel auch mal zu politischen Themen äußern?

Mickie Krause: Politische Äußerungen haben da nicht unbedingt Platz. Das erwarten die Leute auf der Bühne einfach auch nicht von mir. Wenn ich aber zum Beispiel ein Interview gebe, finde ich schon, dass ich mich politisch äußern dürfte. Das darf ja jeder. Ganz egal, ob er jetzt Schlagersänger, Fußballspieler oder Schauspieler ist. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel am Freitagabend in Warendorf auf der Bühne stehe, denke ich, dass das einfach fehl am Platz wäre.

Dass du eben nicht nur deine Auftritte und die Partys im Kopf hast, sieht man an deinem neuesten Projekt. Du hast in Ruanda deine eigene Schule eröffnet . . .

Mickie Krause: Genau! Ich war in der letzten Woche für vier Tage in Ruanda und habe da eine Schule eröffnet. Der Hintergrund ist, dass ich im letzten Jahr auf einer Schlagerreise in der Dominikanischen Republik war. Die Reiner Meutsch-Stiftung „Fly & Help“ hatte mich eingeladen, dort als Künstler aufzutreten. Da sind 700 Schlagerfans mitgereist – und mit dieser Reise haben sie unter anderen dazu beigetragen, dass eben Spenden getätigt wurden. Bei meinem Auftritt kam mir die Idee zu sagen, dass auch ich eine Schule spenden möchte, und dann habe ich 40 000 Euro für die Stiftung gegeben. In der letzten Woche wurde die Schule eröffnet, und ich konnte mir vor Ort genau ansehen, was mit dem Geld gemacht wurde.

Die Mickie Krause School in Ruanda also. Jetzt bist du aber zurück in der Heimat. Du bist selbst Münsterländer. Am Freitag trittst du in Warendorf auf. Zum ersten Mal? Worauf dürfen sich die Fans freuen, worauf freust du dich?

Mickie Krause: Ich bin schon mal in Warendorf aufgetreten, aber das ist schon ganz lange her. Einmal war es, ich glaube Silvester 1996/97. Aber ich war auch schon bei einer Karnevalsveranstaltung in der Stadt. Das müsste so im Jahr 2000 gewesen sein. Aber die Veranstaltung lief leider nicht so gut. Da hatte ich gerade mein Lied „10 nackte Friseusen“ herausgebracht. Ich weiß nicht, ob das in Warendorf damals niemand hören wollte, die Party jedenfalls war nicht so gut. Nach so vielen Jahren freue ich mich aber jetzt auf ein volles Haus, und es wird definitiv die größten Hits der letzten 150 Jahre geben. Theoretisch könnte ich ja fast mit dem Fahrrad kommen – wenn ich nicht noch weiter müsste nach dem Auftritt.

Heimspiel also?

Mickie Krause: Ja genau. Der Freitag wird ein entspannter Tag. Da stehen nicht viele Kilometer an.

Warendorfer Karnevalsnacht

Am Freitag (1. März) findet die Warendorfer Karnevalsnacht mit Mickie Krause als Gast im Festzelt auf dem Lohwall statt. Weit über 1000 Tickets wurden bereits verkauft, berichtet Marcel Westrup vom Bürgerausschuss. Wenige Karten gibt es noch. 12 Euro kosten diese im Vorverkauf, an der Abendkasse sind die Ticket für 15 Euro pro Stück erhältlich. Außerdem fahren am Veranstaltungsabend Shuttlebusse aus den umliegenden Orten. Mehr Infos zur Veranstaltung unter www.warendorferkarneval.de.

...

Im vergangenen Jahr ist bei der Warendorfer Karnevalsnacht unter anderem Jürgen Milski aufgetreten. Der war schon – wie viele deiner Schlagerkollegen – im Dschungelcamp. Wäre das auch etwas für dich?

Mickie Krause: Nein. Absolut nicht. Ich finde, dass das ein interessantes Format ist. Aber nur dann, wenn man es sich von zu Hause am Fernseher anschaut. Wenn man da selbst im Dschungel ist, hat man glaube ich, nicht ganz so viel Spaß. Für mich steht das derzeit also nicht zur Debatte. Aber ich sag immer: ‚Sag niemals nie‘. Wer weiß, was in 20 Jahren ist? Vielleicht sag ich mir als Rentner, ich könnte das mal machen. Es wird ja bestimmt auch nicht schlecht bezahlt. Aber die nächsten Jahre definitiv nicht. Dafür habe ich auch einfach noch zu viel zu tun. Selbst im Januar habe ich acht bis zehn Auftritte im Monat. Und ich steh lieber auf der Bühne und mache und habe Spaß, als dass ich da drei Wochen in den Dschungel muss.

Auf der Bühne hast du ja eine Perücke auf, Mickie Krause ist nur dein Künstlername. Möchtest du im privaten Leben lieber unerkannt bleiben?

Mickie Krause: Ich sag‘ mal so: ich möchte nicht 24 Stunden am Tag Mickie Krause sein. Und das ist eben mein ganz großer Vorteil gegenüber anderen Leuten. Ich war gestern noch mit Jürgen Drews unterwegs und der wird auf Schritt und Tritt verfolgt. Ich bin froh, dass dem bei mir nicht so ist und ich auch noch ein Privatleben habe.

Du hast Jürgen Drews gerade angesprochen. Wenn du privat Musik hörst, dann eher den Drews oder doch die Beatles?

Mickie Krause: Weder Jürgen Drews noch die Beatles. Für die Beatles bin ich noch zu jung, klar hört man die mal, aber ich bin jetzt kein richtiger Fan. Ich bin ein Kind der 80er-Jahre, bin mit Bands wie U2, Simple Minds oder The Police groß geworden – das ist so Musik gewesen, die mich begleitet hat. Was so neue Sachen angeht, finde ich Coldplay eigentlich ganz gut – obwohl mir das inzwischen auch schon wieder zu kommerziell, zu synthetisch ist. Aber sonst höre ich sowas ganz gerne.

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