„Mops-Affäre“ landet bei Gericht
Klage gegen Stadt Ahlen eingegangen

Ahlen -

Ein Mops kommt seit Tagen nicht aus den Schlagzeilen: Er wurde von der Stadt Ahlen gepfändet, bei Ebay verkauft und beschäftigt nun sogar ein Gericht. Die Stadt verspricht Aufklärung.

Dienstag, 05.03.2019, 15:26 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 16:52 Uhr
„Mops-Affäre“ landet bei Gericht: Klage gegen Stadt Ahlen eingegangen
Mops "Edda", jetzt umbenannt in "Wilma", liegt neben ihrem Kuschelbär in einem Hundekorb. Foto: Guido Kirchner/dpa

Die Posse um eine gepfändete und bei Ebay verkaufte Mops-Dame hat ein Gericht erreicht. Eine Klage gegen die Stadt Ahlen sei beim Amtsgericht eingegangen, sagte der Gerichtsdirektor am Dienstag auf Anfrage. Bevor es möglicherweise zu einer Verhandlung kommt, können beide Seiten noch Stellung zu der Sache nehmen. Die Käuferin der Mops-Dame „Edda“ klagt nach eigenen Angaben, weil sie den Kaufpreis und die Tierarztkosten erstattet bekommen möchte.

Schwerwiegende Augenkrankheit nach Kauf festgestellt

Der Streit sorgt seit Tagen für Wirbel. Die Hündin war nach Angaben der Stadt aus einer Familie in Ahlen gepfändet worden, weil diese hohe Schulden bei der Kommune habe. Der Erlös des Ebay-Verkaufs sei in die Stadtkasse geflossen. Die Polizeibeamtin Michaela Jordan kaufte das als gesund angepriesene Tier für 690 Euro und stellte dann unter anderem eine schwerwiegende Augenkrankheit fest.

Ahlens Bürgermeister räumt ein: Verkauf über Ebay war nicht korrekt

Ahlens Bürgermeister Alexander Berger (CDU) teilte am Dienstag mit, den Vorfall weiter aufklären zu wollen. So sei die Verwendung eines privaten Ebay-Kontos für den Hundeverkauf nicht korrekt gewesen, räumte er ein. Per Dienstanweisung wolle er dafür sorgen, dass sich ein ähnlicher Fehler nicht wiederhole. In ihrer Mitteilung bekräftigte die Stadt außerdem ihr Angebot, die Pfändung und den Verkauf rückabzuwickeln, wenn Vorbesitzer und neue Hundehalterin dies wünschten.

 

Mops "Edda" in ihrem neuen Heim

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  • Erst wird die Mops-Dame "Edda" von der Stadtverwaltung zum Schuldeneintreiben gepfändet. Dann wird das Tier über den privaten Ebay-Account eines Stadtmitarbeiters verkauft. Das westfälische Ahlen ist in diesem Fall gleich von mehreren Seiten in die Kritik geraten. Kämmerer Dirk Schlebes verteidigte das Vorgehen der Stadt jedoch als rechtmäßig. Laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops gepfändet werden, sagte der parteilose Kommunalpolitiker am Donnerstag, 28. Februar, der Deutschen Presse-Agentur.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Nach der Pfändung und dem Verkauf der Hündin via Ebay nimmt die Kritik am Vorgehen der westfälischen Stadt Ahlen zu. "Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden hier vollkommen außen vor gelassen", sagte Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund am Freitag, 1.März, auf dpa-Anfrage. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze «dem Ganzen regelrecht die Krone auf», kritisierte die Sprecherin. Mit Tieren über Internetplattformen zu handeln, sei absolut abzulehnen, da man Lebewesen damit zu Waren degradiere.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Die Mops Hündin "Edda", jetzt umbenannt in "Wilma" sitzt mit Ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan vor einem Laptop. Die Käuferin der Hündin verklagt die westfälische Stadt Ahlen. "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • Sie will den Kaufpreis und die Tierarztkosten erstattet bekommen. Der Mops sei als gesund, geimpft, entwurmt, ärztlich untersucht und "mit Stammbaum" angepriesen worden.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Wilma" sitzt neben ihren neuen Freunden den beiden Möpsen "Malte" und "Ole".

    Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner

 

Es ist unvertretbar, wie die Stadt hier mit Menschen und Tieren umgegangen ist.

Anwalt Wolfgang Kalla

„Das wollen weder meine Mandantin noch die Vorbesitzer“, sagte jedoch Jordans Anwalt Wolfgang Kalla. Seiner Mandantin gehe es darum, ihren Schaden ersetzt zu bekommen. „Es ist unvertretbar, wie die Stadt hier mit Menschen und Tieren umgegangen ist“, sagte er. Er sei zuversichtlich, dass die Klage Erfolg haben könne.

Anders als Michaela Jordan zunächst angekündigt hatte, wolle man auf eine Strafanzeige wegen Betrugs vorerst verzichten. Sollten sich im Prozess am Amtsgericht allerdings konkrete Hinweise auf strafrechtlich relevantes Fehlverhalten seitens der Stadt ergeben, soll die Akte nach Abschluss des Verfahren direkt weiter an die Strafermittler gesandt werden, kündigte der Anwalt an. Nach Angaben des Amtsgerichts ist frühestens in einigen Monaten mit einer Verhandlung zu rechnen.

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