Telgter Gnadenbild geröntgt
Antworten gesucht, Fragen gefunden

Telgte -

Was steckt im Kopf der Christus-Figur? Um diese Frage zu beantworten, wurde das Telgter Gnadenbild mit einem Röntgengerät untersucht. Das Ergebnis: eine Überraschung und viele offene Fragen.

Donnerstag, 07.03.2019, 10:00 Uhr
Mit einem mobilen Röntgengerät untersuchten Restauratorin Marita Schlüter und Dr. Simon Bach den Kopf der Christus-Figur des Telgter Gnadenbildes.
Mit einem mobilen Röntgengerät untersuchten Restauratorin Marita Schlüter und Dr. Simon Bach den Kopf der Christus-Figur des Telgter Gnadenbildes. Foto: Große Hüttmann

„Manchmal hat man nach einer solchen Untersuchung leider mehr Fragen als vorher“, sagt Marita Schlüter . Was die Restauratorin damit meint, ist die Röntgenuntersuchung, die Dr. Simon Bach mit ihr zusammen am Mittwoch am Telgter Gnadenbild durchgeführt hat. Dabei ging es unter anderem darum, mehr Aufschlüsse über vermutete Reliquien im Kopf der Christus-Statue zu bekommen.

Doch am Ende blieben mehr Fragen. Denn wenn die Aufnahmen – eine detaillierte Auswertung steht noch aus – vor Ort richtig interpretiert wurden, sind im Christus-Kopf nicht eine, sondern zwei sogenannte Depositorien eingelassen. Das sind kleine Behältnisse für Reliquien. „Das wäre das erste Mal, dass ich so einen Fall hätte“, zeigte sich die Restauratorin sichtlich überrascht.

Überraschung: Im Christus-Kopf des Telgter Gnadenbilds sind offenbar gleich zwei Depositorien eingelassen.

Überraschung: Im Christus-Kopf des Telgter Gnadenbilds sind offenbar gleich zwei Depositorien eingelassen. Foto: Große Hüttmann

Gelüftete Geheimnisse

Damit diese und weitere Fragen irgendwann auch zweifelsfrei gelöst werden können, folgt voraussichtlich noch in diesem Jahr eine Untersuchung mithilfe eines CT (einer Computertomographie). Einen genauen Termin dafür gibt es allerdings noch nicht, denn in die gängigen medizinischen Geräte passt die Pietà wegen ihrer Abmessungen nicht.

Auch wenn das eine oder andere Rätsel noch bleibt, viele andere konnte die Restauratorin in den Wochen, seit das Gnadenbild in ihrer Werkstatt steht, bereits lüften. Dazu gehört beispielsweise die Zahl der Farbschichten, die im Laufe der Jahrhunderte die Muttergottes zierten. Zwischen 1370, die Pietà wird auf diese Zeit datiert, und 1854 konnte die Expertin fünf verschiedene Farbschichten feststellen, sowohl gotisch als auch barock geprägte.

Zustand des Gnadenbildes bereitet Sorgen

Doch eines bereitet der Restauratorin Sorgen: Das ist der Gesamtzustand des Gnadenbildes. Bereits 1990 hatte John R. Farnsworth, Experte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die Pietà eingehend untersucht und aus denkmalschützerischer Sicht von starken Bewegungen und Klimaschwankungen ab­geraten. „Das kann ich aus meiner Restauratorensicht nur bestätigen“, sagt Marita Schlüter.

Sprich: Es gelte nun, zusammen mit Propst Dr. Michael Langenfeld und weiteren Gemeindevertretern ein Konzept zu entwickeln, um die Substanz des Gnadenbildes weitgehend zu schonen. Denn viele Prozessionen und das damit verbundene Tragen seien generell schädlich für die in die Jahre gekommene Muttergottes.

Der Zustand der Muttergottes bereitet Restauratorin Marita Schlüter Sorgen.

Der Zustand der Muttergottes bereitet Restauratorin Marita Schlüter Sorgen. Foto: Große Hüttmann

Um die Grundsubstanz, soweit noch möglich, zu verbessern, arbeitet Schlüter derzeit mit einem speziellen Festigungsmittel. „Damit wird man das eigentliche Problem aber nicht komplett beseitigen können“, warnt die Expertin vor zu viel Euphorie.

Passend zur Eröffnung der Wallfahrtszeit am 27. April soll die Muttergottes wieder in Telgte sein.

Telgter Gnadenbild

Die „Schmerzhafte Mutter von Telgte“ ist eine Pietà, also die Darstellung Marias als „Mater Dolorosa“ (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus auf ihrem Schoß. Seit 1651 ist die Figur, vor der Gläubige die Gewährung einer Gnade von Gott erbitten (daher der Name Gnadenbild), Ziel von Wallfahrten. Die rund 40 Kilometer lange Pilgerreise ab Osnabrück („Osnabrücker Wallfahrt“) gilt mit regelmäßig 7500 Teilnehmern als größte Wallfahrt im deutschsprachigen Raum.

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Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte

1/12
  • Die ersten Pilger waren um 3 Uhr früh am Samstagmorgen (7. Juli) in Osnabrück aufgebrochen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Startpunkt war an der römisch-katholischen Kirche von St. Johannis.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ziel: das 40 Kilometer entfernte Telgte.

    Foto: Friso Gentsch
  • Teilnehmer aus ganz Deutschland sind bei der zweitägigen Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte dabei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Bei der 166. Auflage profitierten die Pilger vom perfekten Wanderwetter.

    Foto: Friso Gentsch
  • Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte Foto: Friso Gentsch
  • Bei blauem Himmel und 22 Grad beschäftigten sich die Gläubigen intensiv mit dem Leitwort der Wallfahrt „Suche Frieden“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Am Samstagnachmittag (7. Juli) ist die Ankunft am Zielort, wo für den Abend eine große Andacht zum Abschluss des ersten Wallfahrtstages geplant war. Für den Sonntag ist der Auszug aus Telgte für 8 Uhr geplant. Gegen 19 Uhr werden die Pilger dann zurück in Oesede erwartet, einem kleinen Ort kurz vor Osnabrück.

    Foto: Friso Gentsch
  • Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte Foto: Bernd Pohlkamp
  • Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte Foto: Bernd Pohlkamp
  • Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte Foto: Bernd Pohlkamp
  • Wallfahrt 2018 - von Osnabrück nach Telgte Foto: Anne Reinker

 

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