Münster-Barometer 2019
Vor der Wahl zum EU-Parlament: Viel Interesse für Europa

Münster -

Der Prinzipalmarkt war kürzlich anlässlich der Demonstration gegen den AfD-Empfang mit riesigen Europa-Fahnen beflaggt – aber wie sehr bewegt Europa die Münsteraner insgesamt? Am 26. Mai wird das Europäische Parlament gewählt – und das Interesse für die Wahl ist den eigenen Aussagen der Münsteraner zufolge groß. 

Samstag, 09.03.2019, 12:00 Uhr
Münster-Barometer 2019: Vor der Wahl zum EU-Parlament: Viel Interesse für Europa
Europaflaggen am Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke

80 Prozent der Befragten im Münster-Barometer gaben rund drei Monate vor dem Urnengang an, sich für diese Frage zu interessieren. Weit über die Hälfte bekunden „sehr starkes“ und starkes Interesse. Noch mehr, nämlich knapp 88 Prozent, sagen, dass sie sicher an der Europa-Wahl teilnehmen wollen. Die Erfahrung lehrt aber, dass die Absichtsbekundungen zwar einen Trend angeben, aber nicht eins zu eins auf die tatsächliche Wahlbeteiligung übertragbar sind.

Beim Münster-Barometer vor der Europawahl 2014 sagten sogar knapp 90 Prozent der Befragten, sie wollten sicher wählen – es stimmten am Ende 61,9 Prozent ab – immerhin ein weit über dem Bundesdurchschnitt liegender Wert.

Interesse an Europa steigt

Grundsätzlich zeigt sich auf der Zeitachse: Das Interesse für das Thema Europa steigt. Bei den EU-Wahlen vor zehn Jahren war das Interesse der Münsteraner dafür – vorsichtig gesagt – gedämpft. Nur rund halb so viele Menschen in der Stadt äußerten Interesse an der Wahl, lediglich sieben Prozent starkes Interesse. Die Wahlbeteiligung lag damals entsprechend bei mageren 50,8 Prozent. Für das Europa-Interesse der Münsteraner gilt die Faustformel: Je höher Einkommen und Bildung der Befragten, desto stärker die Europa-Bindung.

msd_BarometerEuropaOnline
Foto: Jürgen Christ

Das aktuelle Umfrage-Ergebnis zeigt ein nahezu gleiches EU-Interesse in den Wählerschaften der laut Barometer über fünf Prozent liegenden Parteien (CDU, Grüne, SPD, FDP, Linke). Die EU-kritische AfD liegt in Münster momentan bei etwa drei Prozent. Zur Erinnerung: Bei der Bundestagswahl 2017 erzielte die AfD mit 4,9 Prozent ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis.

78,5 Prozent der Münsteraner sehen es kritisch, dass Stimmen, die sich für mehr nationale Selbstbestimmung aussprechen, an Einfluss gewinnen. 13,3 Prozent betrachten diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen, 8,1 Prozent befürworten sie.

Knapp 30 Prozent unentschlossen

Die Bedeutung der EU als Wirtschaftsgemeinschaft wird von den Münsteranern noch höher geschätzt als der Einfluss der EU auf die nationale Politik (s. Grafik)

Rückschlüsse auf das Ergebnis der Europa-Wahl in Münster lässt das Barometer nur begrenzt zu. Knapp 30 Prozent sind unentschlossen, wie sie wählen wollen. Bei der Kommunalwahl, die erst 2020 stattfindet, gibt es nur rund halb so viele Unentschlossene.

Zum Thema

Beim Münster-Barometer werden Meinungstrends ermittelt. Die repräsentative Umfrage wird in der Regel zweimal jährlich im Auftrag unserer Zeitung von der Forschungsgruppe Bema am Institut für Soziologie der Uni Münster durchgeführt.

Diesmal wurden zwischen dem 18. Februar und dem 1. März 813 Interviews mit in Münster Wahlberechtigten geführt. Die Auswahl der Teilnehmer ergibt sich aus einer Zufalls-Auswahl von münsterischen Festnetz-Telefonnummern. Die Forschungsgruppe Bema gewährleistet, dass die Teilnehmer eine für die Stadt-Bevölkerung in Bezug auf Alter, Geschlecht und andere Merkmale repräsentative Gruppe darstellen. Allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön!

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6458890?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
„Fridays for Future“ plant neue Groß-Demo
Mehr als 20 000 Münsteraner nahmen im September an der Großdemonstration von „Fridays for Future“ teil.
Nachrichten-Ticker