Mobilität in der Stadt und auf dem Land
Auto ist in ländlichen Regionen unverzichtbar

Münsterland -

Gegenläufige Trends: Je größer die Stadt ist, in der die Menschen leben, umso eher sind sie bereit, aufs Auto zu verzichten. Und je weiter die nächste Großstadt entfernt liegt, umso wichtiger wird das eigene Vehikel.

Sonntag, 17.03.2019, 14:08 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 14:24 Uhr
Ländliche Mobilität: Kein Wunder, dass auf dem Land auch junge Menschen noch auf das Auto setzen.
Ländliche Mobilität:Kein Wunder, dass auf dem Land auch junge Menschen noch auf das Auto setzen. Foto: ADAC

Fahrschulen klagen über immer weniger Schüler, den Automobilherstellern fehlt die nachwachsende Kundschaft, viele junge Menschen sehen Tankstellen nur noch, wenn sie nachts mal eben Lebensmittel oder Getränkenachschub brauchen. Das Auto taugt kaum noch als Statussymbol und wird zunehmend selten als Transportmittel nachgefragt. Oft ist der öffentliche Nahverkehr ebenso schnell und – rechnet man ehrlich – meist billiger. Und nicht erst mit einem ­E-Bike wird das Radeln zu einer echten Alternative. In der Stadt.

Dort kreuzen sich gerade zwei Entwicklungen. Das Autofahren wird im Dauerstau immer langsamer und dank flächendeckend bewirtschaftetem Parkraum immer teurer. Und die Alternativen – ÖPNV und Radeln – immer attraktiver. Da verzichten viele junge Menschen schon auf den Führerschein. Oder zumindest aufs eigene Auto – Carsharing oder der Zweitwagen der Eltern tun es ja auch für den großen Einkauf oder den Wochenendausflug.

So sieht es auf dem Land aus

Auf dem Land sieht es ganz anders aus. Schon 20 Kilometer vor den großen Städten sind Bus und Bahn längst nicht mehr so attraktiv. Alle halbe Stunde mal ein Bus, viel Warten auf Anschlüsse, keine Fahrten mehr am späteren Abend: Da läuft die Zeit einfach an den Buswartehäuschen vorbei. Und das Fahrrad ist für die meisten jungen Leute bei Strecken von mehr als zehn, 15 Kilometern auch nicht mehr attraktiv.

„Ein Auto macht das Leben leichter“, sagt Michel und präsentiert Rechenbeispiele aus seinem mobilen Leben. Zu Hause in Sendenhorst, Studium in Steinfurt. 43 Kilometer Luftlinie liegen zwischen den beiden Orten. 50 Minuten mit dem Auto. Oder mindestens anderthalb Stunden Fahrtzeit mit Bus und Bahn. Wenn alles gut geht. „Im Winter klappt das selten.“ Wer pünktlich um neun Uhr in einer Klausur sitzen will, packt sich also sicherheitshalber noch einen ordentlichen Puffer ein. Von Freunden weiß er, dass auch auf dem Weg zur Berufsschule die Alternative Bus oder Auto schon mal eine Stunde Nachtschlaf kosten kann. Allerdings lassen sich am Lenkrad die letzten Hausaufgaben nicht mehr so gut erledigen.

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Foto: ADAC

Konsequenz? „Ein Auto ist schon cool“, sagt der 21-jährige Michel. Und freut sich, dass er oft Zugriff auf den Zweitwagen seiner Eltern hat.

Studie des ADAC

Subjektive Eindrücke wie diese hat der ADAC gesammelt und ausgewertet in seiner Studie „Mobil auf dem Land 2018“. Das Ergebnis dürfte vorerst Fahrlehrer und Autohersteller beruhigen: „Ohne Auto läuft fast nichts“, titelte der ADAC. Und das wird von den Menschen auf dem Land nicht als Plage empfunden. Im Gegenteil: Unter den vier Gruppen – Nutzer des öffentlichen Verkehrs, Fahrradfahrer, Fußgänger und Auto- und Motorradfahrer – sind letztere die die zufriedenste Gruppe.

Im Gegenzug bekommt der öffentliche Verkehr die schlechtesten Noten. Mit der Entfernung von der Wohnung bis zur nächsten Haltestelle sind noch drei von vier Menschen auf dem Land „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Mit Sauberkeit und Platzangebot in Bussen und Bahnen ist es schon nur noch jeder zweite. Bei den Themen Verfügbarkeit und Taktung häufen sich dann die Klagen.

Nur 36 Prozent sind Autofans

Das sieht in den Städten anders aus. Dort setzen sich immer mehr Menschen auf das Fahrrad oder steigen in Busse und Bahnen – die meisten Wege erledigen sie sogar zu Fuß. Das „Center of Automotive Management“ (CAM) in Bergisch Gladbach sieht das Auto auf dem absteigenden Ast. Generell waren 73 Prozent aller Befragten einer Untersuchung im Februar 2019 ein eigenes Auto „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Aber bei den Jüngeren (unter 25) waren es nur noch 55 Prozent. Und bei den jüngeren Stadtbewohnern sank die Quote der Autofans auf 36 Prozent.

Nachvollziehbar findet Eike die Geschichte. Der 24-jährige münsterische Student kommt mit dem Rad, zu Fuß oder bei schlechtem Wetter auch im Bus gut durch die Woche; das Auto wird in der Stadt kaum gebraucht. Geschwindigkeitsvorteile bringt es ohnehin nur noch in seltenen Fällen. Praktisch ist es allerdings für den Weg zum Studentenjob im 45 Kilometer entfernten Selm oder den Weg nach Hause am Wochenende.

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Foto: ADAC

Jeder kann ein Auto organisieren

Er schätzt, dass vielleicht 20 Prozent seiner Freunde und Bekannten ein eigenes Auto haben – „aber alle können sich eins organisieren“. Einkaufen kann man auch gemeinsam oder mit dem geliehenen Auto.

Immerhin: Das Auto als Symbol persönlicher Freiheit funktioniert noch in Stadt und Land. Die Möglichkeit, ohne viel Organisation und Extra-Kosten an beliebige Ziele zu gelangen, ist gefragt. Und dafür sind die Münsterländer auch gut gerüstet: Menschen ohne Führerschein sind in Michels und Eikes Bekanntschaft so selten wie die Blaue Mauritius in Briefmarkenalben.

Jugend ist offener für Carsharing

Aber den Führschein braucht man ja auch fürs Stadtteilauto. Und gegenüber derlei Mobilitätskonzepten sind junge Menschen weitaus offener als der Durchschnitt der Gesellschaft. Unter allen Befragten der CAM-Studie hatten 15 Prozent schon einmal Car-Sharing ausprobiert – unter den bis zur 25-Jährigen waren es 34 Prozent.

Auf dem Land sorgt die individuelle Motorisierung für Beliebtheit in der Clique, weiß Michel. „Immer gut, wenn einer ein Auto hat.“ Die Freizeitattraktionen liegen nicht gerade in Fußgängerdistanzen nebeneinander. Das geteilte Taxi aus Münster nach Sendenhorst bleibt auch nach dem Feilschen mit dem Fahrer noch ziemlich teuer. Und die Nachtbusse im Münsterland fahren nur ein oder zwei Mal in der Woche.

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