Bahnstrecke zwischen Münster und Sendenhorst
Gutachter geben positive Signale für WLE-Reaktivierung

Münster -

Eines der großen Verkehrsprojekte im Münsterland ist offenbar einen entscheidenden Schritt weiter: Die Reaktivierung der Bahn-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst wird von Gutachtern als „volkswirtschaftlich sinnvoll“ eingestuft.

Montag, 18.03.2019, 09:00 Uhr
Geht es nach einem Gutachten, sollte der Rost bald von der ehemaligen WLE-Strecke verschwinden und der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden.
Geht es nach einem Gutachten, sollte der Rost bald von der ehemaligen WLE-Strecke verschwinden und der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden. Foto: Oliver Werner

Die Reaktivierung des Schienenverkehrs auf der sogenannten WLE-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst ist „volkswirtschaftlich sinnvoll“. Zu diesem Schluss kommen jetzt Gutachter im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse, die unserer Zeitung vorliegt. Die Bewertung wurde seit Frühjahr 2018 im Auftrag des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) durchgeführt und ist für den weiteren Fortgang des Projekts nötig.

Nach Aussage des Karlsruher Gutachterbüros verbessert sich für die Fahrgäste in der Region die Nutzungsqualität des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Auch bei einer Fortführung des 20-Minuten-Takts der Buslinie 8 bis Wolbeck sei die Wiederbelebung der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) wirtschaftlich sinnvoll, heißt es. Dieser Punkt ist in Münster in den vergangenen Jahren immer wieder heiß diskutiert worden. Kritiker der WLE-Strecke befürchten nämlich spürbare Einschränkungen im Busangebot.

Zahl der Autopendler verringern

Die 21,5 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Münster und Sendenhorst soll nach dem Willen der Verkehrsplaner reaktiviert werden, um die Zahl der Autopendler auf den Straßen Richtung Münster zu verringern. In diesem Zug ist es vorgesehen, mehrere Haltestellen entlang der Strecke auf- und umzubauen. Die Investitionen für dieses Paket werden, basierend auf dem Preisstand 2017, mit 42,4 Millionen Euro veranschlagt.

Die ausgewiesenen Baukosten versetzen die Bahnstrecke der Analyse zufolge in einen Zustand, „mit dem in den nächsten 20 bis 25 Jahren keine zusätzlichen Investitionen auf dem reaktivierten Streckenabschnitt notwendig sind“.

Deutlich attraktiveres Angebot

Der 1975 eingestellte Personenverkehr auf der WLE-Strecke soll künftig im 20-Minuten-Takt zwischen Münster und Wolbeck wieder aufgenommen werden; von den drei Fahrten pro Stunde sollen zwei bis Sendenhorst verlängert werden. Damit sind aus Sicht der Gutachter die Fahrzeiten „deutlich attraktiver als das bisherige Busangebot sowie die Fahrzeit mit dem Pkw. Wichtige Ziele wie große Arbeitgeber und die Innenstadt Münsters könnten umsteigefrei erreicht werden.

Außerdem werden durch die Wiederbelebung der WLE-Strecke die Umstiege aus das kreisübergreifende Angebot des Schienenpersonennahverkehrs deutlich attraktiver, wie die Kosten-Nutzen-Analyse in ihrer Zusammenfassung feststellt. „Insgesamt werden über 2300 zusätzliche Fahrgäste für den öffentlichen Verkehr prognostiziert.“

Notwendig für das Planfeststellungsverfahren

Die Eingleisigkeit der Strecke bleibt den Plänen zufolge weitgehend erhalten. Westlich von Sendenhorst aber soll ein etwa zwei Kilometer langer Abschnitt zweigleisig ausgebaut werden, sodass Züge sich ohne Halt begegnen können. Auch in den Bahnhöfen Wolbeck und Loddenheide werde die Strecke aufgrund des zukünftigen Betriebskonzepts zweigleisig ausgebaut. Die Streckengeschwindigkeit zwischen Sendenhorst und Wolbeck wird mit 100, im Abschnitt Wolbeck-Hauptbahnhof mit 80 Stundenkilometern angesetzt. Im Hauptbahnhof von Münster muss das Gleis 20 entsprechend eingerichtet werden; insgesamt werden auf der gesamten Strecke sieben Bahnstationen behindertengerecht neu- oder umgebaut.

Das Gutachten basiert auf einem Dieselbetrieb von Zügen, weil für eine Elektrifizierung der Strecke bislang keine belastbaren Zahlen vorliegen.

Das positive Ergebnis der jetzt vorgelegten Kosten-Nutzen-Analyse, der eine standardisierte Bewertung zugrunde liegt, ist notwendig zur Anmeldung des Planfeststellungsverfahrens. Die Analyse wurde durchgeführt vom Karlsruher Büro „PTV Transport Consult GmbH“.

Was bringt die WLE?

Die neue Kosten-Nutzenanalyse zur Reaktivierung der WLE sieht für die Fahrgäste auf vielen Verbindungen große Vorteile. So werden verkürzte Reisezeiten zwischen Münster und Sendenhorst genannt sowie beim Umstieg auf den Schienen-Regionalverkehr am Hauptbahnhof Münster kürzere Wege und -zeiten. Die Analyse eines Karlsruher Gutachterbüros geht davon aus, dass im Saldo 2350 neue Fahrgäste pro Tag im Zuge der WLE-Reaktivierung den öffentlichen Verkehr nutzen werden. Der überwiegende Teil steige vom Auto auf die Bahn um. Aufgrund des „attraktiven Angebots“ werden daneben aber auch in größerem Umfang neue Fahrten induziert, wie es heißt. Das Gutachten rechnet mit einem Rückgang von 1300 Pkw-Fahrten pro Tag. 

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