Helios-Klinik sucht Fachkräfte
Prämie gegen den Pflegenotstand

Lengerich -

Sechs bis zehn Krankenpflegerinnen könnte die Helios-Klinik sofort einstellen. Zwar herrscht, so Pflegedirektor Arne Hesselmann, kein Notstand, aber Fachkräfte werden gesucht. Das Krankenhaus setzt dabei auch auf Geld-Prämien.

Mittwoch, 20.03.2019, 06:23 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 08:04 Uhr
Für Pflegedirektor Arne Hesselmann (rechts) und Geschäftsführer Frank Mönter ist die Prämie nur eines von vielen Argumenten, um Pflegefachkräfte für die Helios-Klinik zu gewinnen.
Für Pflegedirektor Arne Hesselmann (rechts) und Geschäftsführer Frank Mönter ist die Prämie nur eines von vielen Argumenten, um Pflegefachkräfte für die Helios-Klinik zu gewinnen. Foto: Michael Baar

Deutschlandweit mangelt es an Fachkräften für die Kranken- und Altenpflege. Der Pflegenotstand macht um die Helios-Klinik Lengerich keinen Bogen. „Wir könnten sofort sechs bis zehn Krankenpflege-Fachkräfte einstellen“, sagt Arne Hesselmann . Wobei, das betont der Pflegedirektor, an der Martin-Luther-Straße 49 kein Notstand herrscht. „Wir könnten dann Spitzen besser abpuffern.“

Wege, um Nachwuchs zu finden, geht er viele. Besuche im Hannah-Arendt-Gymnasium, die Abschlussklassen der Realschulen werden ins Krankenhaus eingeladen, in der Oberklasse der Krankenpflegeschule ist Arne Hesselmann regelmäßig zu Gast. Alles mit dem Ziel, examinierte Kräfte zu finden.

„Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt

„Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, sagt Frank Mönter . Altenpflegerinnen würde die Klinik, so der Geschäftsführer, ebenfalls einstellen. „Die erhielten dann bei uns noch eine entsprechende Qualifizierung.“ Der Unterschied zwischen Alten- und Krankenpflege ist ihm ebenso bewusst wie Arne Hesselmann. Nicht nur in der Arbeit, sondern auch beim Geld. Rund 3500 Euro brutto erhält eine Krankenschwester in der Helios-Klinik im Monat, je nach Dienstalter.

180 Pflegekräfte arbeiten im Krankenhaus. Damit es mehr werden, setzt die Helios-Klinik auf Geld: „Am schönsten ist es, wenn Mitarbeiter neue Kollegen werden. Und dafür zahlen wir eine Prämie“, erklärt Frank Mönter. 5000 Euro gibt es für den Mitarbeiter, der wirbt, 2500 Euro für das neue Mitglied im Team. „Jeweils die Hälfte des Betrages gibt es bei Vertragsunterzeichnung und am Ende der Probezeit“, erläutert Arne Hesselmann. „Ohne Bedingungen“, dieser Hinweis ist dem Geschäftsführer wichtig.

Lockmittel mit begrenztem Erfolg

Was sich verlockend anhört, aber noch nicht im erwünschten Umgang Erfolg gebracht hat. Zwei oder drei Mal hat die Klinik bislang die Prämie gezahlt. „Es hätte gerne öfter sein können“, bekennt Frank Mönter. Dabei sind sich die beiden einig, dass die Prämie allein nie ein Grund für einen Wechsel sei. „Wegen 2500 Euro geht niemand weg und kommt zu uns“, ist sich Arne Hesselmann sicher. Da müssten schon andere Gründe den Ausschlag geben.

Der Pflegedirektor setzt auf weitere Argumente, die für die Helios-Klinik sprechen: „Wir leben vom guten Klima in der Klinik.“ Und die Zufriedenheit der Mitarbeiter sei hoch. Als Beleg dafür verweist er auf die niedrige Fluktuationsrate. In den vergangenen zehn Jahren habe im Schnitt ein Mitarbeiter pro Jahr das Haus verlassen. Bei Betriebsversammlungen artikuliere sich das Engagement in „sehr kritischen Fragen“. Und bei Betriebsfesten seien alle dabei, die gerade nicht Dienst haben, krank oder in Urlaub sind.

Spahns Versprechen? Ein Tropfen auf den heißen Stein!

Kritisch sehen die beiden Verantwortlichen die Rolle der Politik beim Thema Pflege. „Da werden Erwartungen geweckt, die in der Praxis nicht erfüllt werden können“, sagt Frank Mönter. Und die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, 13.000 zusätzliche Stellen für Pflegekräfte zu schaffen, sei allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. „Krankenhäuser und Altenheime reißen sich um Fachkräfte“, konstatiert Arne Hesselmann. Der Deutsche Pflegerat beziffert den Bedarf auf 50.000 zusätzliche Stellen.

Und wie sieht es bei den Ärzten aus? Für die gilt die Prämienregelung in der Helios-Klinik ebenfalls. Dort ist noch kein Geld geflossen, erklärt Frank Mönter. 57 Mediziner arbeiten an der Martin-Luther-Straße. Zwei Assistenzärzte haben gerade das Haus verlassen. Ein „natürlicher Vorgang“, nach den Worten des Geschäftsführers. Die beiden hätten in anderen Häusern Oberarzt-Positionen erhalten. „Das können wir im Moment nicht bieten. Gleichwohl sind wir, auch qualitativ, gut aufgestellt.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6483670?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Geduldsprobe für Bahnfahrer: Sanierungsarbeiten ab Januar 2020
Zugstrecke Münster–Lünen : Geduldsprobe für Bahnfahrer: Sanierungsarbeiten ab Januar 2020
Nachrichten-Ticker