Über Giveaways und Preisgleichheit
Apotheker und die Konkurrenz mit ausländischen Versand-Apotheken

Greven -

Wer in der Apotheke sein Rezept einlöst, bekommt häufig zusammen mit den Arzneien eine Kleinigkeit dazu gereicht – seien es Bonbons, Pflaster oder Tempos. Doch das wird vermutlich bald nicht mehr erlaubt sein – wegen der Wahrung der Preisgleichheit.

Mittwoch, 10.04.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 14:33 Uhr
Christoph Brautlecht, Inhaber der Germania Apotheke, fordert Preisgleichheit bei verschreibungspflichtigen Medikamenten auch für ausländische Versandt-Apotheken. Kleine Zugaben sieht er dagegen nicht kritisch.
Christoph Brautlecht, Inhaber der Germania Apotheke, fordert Preisgleichheit bei verschreibungspflichtigen Medikamenten auch für ausländische Versandt-Apotheken. Kleine Zugaben sieht er dagegen nicht kritisch. Foto: Peter Beckmann

Woher das kommt? Na, das weiß keiner so genau. „Das war schon immer so“, sagt Christoph Brautlecht , Inhaber der Germania Apotheke. Und auch sein Vater Heinrich-Eckehardt Brautlecht , der vor zig Jahren Grevens älteste Apotheke von seinem Schwiegervater übernommen hat, kennt es nicht anders: Jeder, der sich in einer Apotheke seine Medikamente besorgt, bekommt eine Kleinigkeit dazu. Ein Päckchen Tempos, ein paar Bömskes, die Apotheken-Zeitung und zum Ende des Jahres einen Kalender. Doch das könnte bald vorbei sein, wie die Richter des Bundesgerichtshofes angedeutet haben.

Hört sich nach einer Kleinigkeit an, macht die Apotheker aber auch sauer. Denn: Es geht hier um die Wahrung der Preisgleichheit. Und genau damit haben die Apotheker ein großes Problem – im Konkurrenzkampf mit ausländischen Versand-Apotheken. Da geht es dann nicht um die Zugabe-Kleinigkeiten, sondern um richtig hohe Rabatte. Denn die ausländischen Versand-Apotheken sind nicht, wie die deutschen Apotheker, an die Preisbindung von verschreibungspflichtigen Medikamenten gebunden, können den Kunden also Rabatte gewähren und sich einen Vorteil in der Konkurrenz mit den „stationären“ Apotheken verschaffen. „Da wird der Kampf mit ungleichen Mitteln noch verschärft“, sagt Christoph Brautlecht.

Im Prinzip geht es bei den „Giveaways“ nur um Kleinigkeiten. Die werden aber von den Bundesrichtern anders gesehen, stellen in deren Augen eine Wettbewerbsverzerrung da. Denn Apotheken dürfen sich wegen der Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht mit Schnäppchenpreisen unterbieten, auch nicht indirekt, indem sie dem Kunden Geschenke mitgeben. Für Kunden, die nicht verschreibungspflichtige Medikamente kaufen, gilt diese Regel dann aber wohl nicht.

Dieser Streit tobt aber schon ewig. „Die Definition, was nun Beigaben von geringem Wert sind, sind fließend“, erklärt Brautlecht. Eine Konkurrenz der Apotheken vor Ort sieht er da eher nicht.

Konkurrenz aus dem Ausland

Aber: Da sind ja noch die anderen, die Versand-Apotheken aus dem Ausland. Die bieten satte Rabatte, wenn Rezepte eingeschickt werden. „Wie die das finanzieren, weiß ich auch nicht“, erklärt Brautlecht. Im Normalfall bekommen der Apotheker pro verschreibungspflichtigem Medikament von der Krankenkasse eine Pauschale erstattet, egal wie teuer das Medikament ist.

Die großen Versand-Apotheken, bei denen einer immer stärker werdende Konzentration zu verzeichnen ist, verdienen aber anscheinend kein Geld mit dem Geschäft. Die ausgewiesenen Verluste der Unternehmen gehen in den zweistelligen Millionen-Bereich. „Ich glaube, dass es da momentan nur darum geht, die Marktstellung auszubauen“, so Brautlechts Vermutung.

Grundsätzlich vermutet er, dass es diesen großen Apotheken-Konzernen sowieso hauptsächlich um den Markt der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente geht. „In diesem Sektor gibt es deutlich höhere Gewinnspannen, da haben die Versandapotheken inzwischen einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent.“ Was die Apotheken vor Ort deutlich merken. „Medikamente, die wir früher in Massen verkauft haben, gehen so gut wie gar nicht mehr“, verdeutlicht Brautlecht. Und das läge nicht daran, dass diese Medikamente nicht mehr konsumiert würden.

„Preis darf keine Rolle spielen“

Derzeit versuche die ABDA, also die Interessenvertretung der Apotheker, die Politik dazu zu bewegen, „die einheitlichen Abgabepreise für rezeptpflichtige Medikamente auch mit Hilfe des Sozialrechts durchzusetzen und damit europarechtlichen Anforderungen an die Arzneimittelordnung zu genügen.“ Sprich: Gleiche Voraussetzungen für alle.

Das ist auch das, was Brautlecht fordert. „Wir plädieren dafür, dass es bei rezeptpflichtigen Medikamenten keinen Wettbewerb geben darf.“ Jeder Patient solle optimal versorgt werden. „Da darf der Preis keine Rolle spielen“, sagte Brautlecht abschließend.

Ob sich das verwirklichen lässt, muss sich zeigen. Das Ende der kleinen Geschenke könnte allerdings gekommen sein. Aber: Die Ausgabe der „Rentner-Bravo“, also der Apothekenumschau, ist wohl nicht gefährdet. Obwohl dafür der Apotheker und nicht der Kunde zahlen muss.

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