Amtshof: CDU schaltet Ministerium ein
Warten auf die Abrissbirne

Drensteinfurt -

Das Thema „Amtshof“ beschäftigt bereits seit gut zwei Jahrzehnten die Politik. Passiert ist seitdem nichts. Alle Pläne zu einer weiteren Nutzung des historisch bedeutsamen Hofareals sind kläglich gescheitert. Nun wendet sich die CDU-Fraktion an das Düsseldorfer Ministerium.

Mittwoch, 01.05.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 01.05.2019, 10:43 Uhr
Seit fast zwei Jahrzehnten gammelt der Amtshof nun vor sich hin. Alle Bemühungen, das Objekt einer neuen Nutzung zuzuführen, sind bislang kläglich gescheitet. Nun wendet sich die Drensteinfurter CDU direkt an das Ministerium.
Seit fast zwei Jahrzehnten gammelt der Amtshof nun vor sich hin. Alle Bemühungen, das Objekt einer neuen Nutzung zuzuführen, sind bislang kläglich gescheitet. Nun wendet sich die Drensteinfurter CDU direkt an das Ministerium. Foto: Dietmar Jeschke

Eigentlich müsste er Jahr für Jahr viele Besucher locken. Denn schließlich ist er für die Historie der Stadt von ganz besonderer Bedeutung. Auf seinen Flächen wurde bereits gewirtschaftet, als es das Schloss, die Reginakirche und die Alte Post noch lange nicht gab. Im Jahr 851 – dem Datum der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Drensteinfurt –, war der Vorgängerbau des Amtshofes als vermutliche „Keimzelle“ der Siedlung an der damaligen Wersefurt wohl bereits mehrere Hundert Jahre alt.

Ein „Denkmal von Wert“ also, sollte man meinen. Würde es nun nicht seit gut zwei Jahrzehnten weitestgehend ungenutzt vor sich hingammeln. Alle Versuche, das historische Gemäuer einer neuen Nutzung zuzuführen, sind bislang kläglich gescheitert. CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns hat angesichts des anhaltenden Stillstandes nun die Nase voll. In einem vierseitigen Schreiben wendet er sich nun direkt an Landesministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen – und lädt sie und ihre Staatssekretäre zu einem Ortstermin ein.

„Der Amtshof kann mit Fug und Recht als die Wiege unseres ,Wigbolds‘ bezeichnet werden. Er liegt an der ,Lebensader Werse‘ unweit des Schlosses Steinfurt und könnte ein hervorragender Teil des europäischen Programmes ,Renaturierung der Werse‘ sein. Verwirklichung gesetzlich gefordert bis 2024, Kosten mehr als zehn Millionen Euro“, schildert Töns in seinem Brief an die Ministerin.

„Gut in Schuss“

Im Besitzt der Familie von Landsberg, habe der vor zwei Jahren verstorbene langjährige Drensteinfurter Bürgermeister und spätere Landtagsabgeordnete Albert Leifert das Anwesen als Pächter bis in die 1990-er Jahre erfolgreich bewirtschaftet. Entsprechend „gut in Schuss“ sei der Hof bis zur Jahrtausendwende gewesen. „Dann endete der landwirtschaftliche Betrieb.

Ein Nachpächter konnte nicht gefunden werden. Die Nutzung zur Viehhaltung wurde durch die Nähe zur Wohnbebauung beinahe unmöglich. Seitdem verfällt der Amtshof“, so Töns. „Der Besitzer ließ jede Pflege vermissen oder konnte finanziell nicht investieren. Ein Wanderzirkus überwintert hier seit einigen Jahren. Das Wohnhaus, die Ställe und Remisen verfallen zusehends. Der Amtshof wird mit seiner historischen Hoffläche schon seit Jahren zum Schandfleck am Rande des Stadtkerns.“

Alle Pläne sind gescheitert

Sowohl die Untere Denkmalbehörde der Stadt, als auch die oberen Behörden beim Landschaftsverband und beim Kreis Warendorf hätten – so der CDU-Fraktionsvorsitzende – jegliches Engagement vermissen lassen oder sich in Zuständigkeitsfragen verzettelt. „Selbst eine Flächennutzungsplanänderung für diese Hofanlage in eine Innenbereichssatzung konnte nicht im Ansatz eingeleitet werden“, erklärt Töns. „Potenzielle Initiativen und Investoren – etwa für ein Fachärztezentrum – scheiterten regelmäßig entweder am Besitzer, der enorme Erbbaupachtmieten forderte oder kaum Interesse zeigte, oder an den oben aufgeführten Behörden, die, anstelle zu helfen, eher mit Forderungen, Bauauflagen und Schwierigkeiten bei einer Bebauungsplanänderung behinderten. Allein diese Vorüberlegungen sollten bis zu 50 000 Euro kosten.“

Sowohl Dr. Olaf Salomon vor zehn Jahren, als auch Dr. Heinrich Binsfeld im Jahr 2018 hätten angesichts dieser Lage „kapituliert“. Und das, obwohl Investoren mit Millionenbeträgen bereitgestanden hätten, schilder der CDU-Politiker weiter. Die Pläne für ein die Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums nebst Gastronomie und sozialen Einrichtungen – angefangen von einem Kindergarten bis hin zur Betreuung behinderter Menschen – lägen seit langem fertig in der Schublade.

„Für viele Drensteinfurter ist es eine vertane Chance für eine Verbesserung der Infrastruktur“, so Töns. „Ganz sicher ist es eine Schande fürs Denkmalschutzgesetz und deren Hüter, wenn diese Urzelle Drensteinfurts verschwindet und nur noch in schönen Bildern erhalten bleibt.“ Und das sei durchaus eine akute Gefahr, sei der Verfall des Amtshofes doch mittlerweile so weit fortgeschritten, dass er ohne öffentliche Hilfe wohl nicht mehr zu retten sei.

Und obwohl all das seit Jahren nun längst kein Geheimnis mehr ist, sei der Erfolg bislang „gleich Null“. „Eigentlich kann man nur noch auf Abrissbirne und Bagger warten“, so Töns. „Meine Fragen und Aufforderungen, etwas zu tun, wurden stets mit einem Achselzucken beantwortet. Dabei gab mir jeder Recht.“

Bürgerversammlung geplant

Um trotzdem „am Ball“ zu bleiben, wendet er sich nun als „quasi vorletzte Chance“ an das zuständige Ministerium des Landes NRW. „Meine Petition über das Land NRW hinaus an die für uns zuständigen Bundestagsabgeordneten beziehungsweise an das zuständige Bundesministerium in Berlin setze ich bis nach den Sommerferien als allerletzte Möglichkeit aus.“ Bis dahin hofft Töns, dass das Ministerium die Einladung zu einem Ortstermin annimmt. „Ich verspreche Ihnen 500 und mehr interessierte Bürger bei einer möglichen Sitzung in der Dreingau-Halle“, so der CDU-Politiker.

Masterplan Amtshof

In seinem Schreiben ans Ministerium fordert CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns unter anderem Klarheit über die Pflichten, die in Sachen „Denkmalschutz“ sowohl für die zuständigen Behörden als auch für die Eigentümer gelten. Ferner will er wissen, welche finanziellen Mittel es gibt, um Besitzer, Investor oder auch die Stadt beim Erhalt oder bei der Sanierung zu unterstützen.

Zudem fragt Töns, ob – und, wenn ja, wann – das Ministerium in Düsseldorf verpflichtet ist, einzugreifen, wenn ein unwiederbringliches Denkmal verfällt. Und ganz konkret: „Inwieweit und in welcher Form sind Sie als Ministerin der Landesdenkmalbehörde von diesem drohenden Verfall unterrichtet worden?

Immerhin ging und geht es um einen langjährigen Verlauf der Verhandlungen“, so Töns. „Sind Sie vom Ministerium in der Lage und bereit, hier an einem Ortstermin teilzunehmen oder dazu einzuladen, um nochmals mit allen Beteiligten zu sprechen und einen sogenannten ,Masterplan‘ aufzustellen?“

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