25-Jähriger offenbar schuldunfähig
Lengericher Geiselnahme: Staatsanwaltschaft schließt Ermittlungen ab

Lengerich -

Möglicherweise wird es keine Anklage gegen den Geiselnehmer von Lengerich geben. Die Staatsanwaltschaft, die ihre Ermittlungen jetzt abgeschlossen hat, kommt zu dem Ergebnis, dass „nicht auszuschließen“ sei, dass der 25-Jährige aufgrund einer psychischen Erkrankung zum Tatzeitpunkt am 7. Januar schuldunfähig war.

Dienstag, 07.05.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 20:12 Uhr
Ein gutes Ende nahm die Geiselnahme am 7. Januar in der Sporthalle an der Bahnhofstraße. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt ihre Ermittlungen gegen den Beschuldigten, einen 25 Jahre alten Mann, abgeschlossen.
Ein gutes Ende nahm die Geiselnahme am 7. Januar in der Sporthalle an der Bahnhofstraße. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt ihre Ermittlungen gegen den Beschuldigten, einen 25 Jahre alten Mann, abgeschlossen. Foto: Jens Keblat

Es war ein Schreckensszenario mit glücklichem Ausgang. Am 7. Januar dieses Jahres hatte ein 25 Jahre alter Mann in der Zweifach-Sporthalle an der Bahnhofstraße 45 Menschen in seine Gewalt gebracht. Er drohte damit, im Gebäude versteckte Bomben zu zünden.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Münster die Ermittlungen abgeschlossen. Auf Basis der Ergebnisse einer psychiatrischen Untersuchung sei „nicht auszuschließen, dass der Beschuldigte aufgrund seiner psychischen Erkrankung schuldunfähig gewesen ist“, heißt es in einer Mitteilung.

Damit ist der Fall an das Landgericht übergeben worden. Dort muss entschieden werden, ob Anklage gegen den 25-Jährigen erhoben oder ob eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet wird. Letzteres hat die Staatsanwaltschaft beantragt, da der Mann „wegen seiner Erkrankung und ohne eine entsprechende Behandlung derzeit für die Allgemeinheit gefährlich ist“.

Selbstmord angekündigt 

In einem Sicherungsverfahren würde der Mann in einer forensischen Klinik untergebracht. In einer derartigen Einrichtung lebt er seit der Verhaftung in Lengerich, bestätigt Martin Botzenhardt. Diese Anordnung sei im Januar vom zuständigen Amtsgericht verfügt worden, so der Oberstaatsanwalt im Gespräch mit den WN .

Der 25-Jährige war am 29. Dezember 2018 in die LWL-Klinik Lengerich eingewiesen worden, weil er gegenüber der Polizei in Ibbenbüren seinen Selbstmord mit einer selbst gebauten Bombe angekündigt hatte. Bei der Durchsuchung des von ihm gemieteten Hotelzimmers entdeckten die Beamten handelsübliches Silvesterfeuerwerk in großen Mengen.

Großeinsatz: Geiselnahme in Sporthalle

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  • Am frühen Montagabend hat ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt die Sporthalle in Lengerich betreten.

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  • Dort bedrohte er eine etwa 40-köpfige Übungsgruppe mit dem Zünden einer Bombe, teilte die Polizei mit.

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  • Der Mann hat die Kinder dann nach und nach gehen lassen.

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  • Kurze Zeit später ließ er auch die beiden Betreuerinnen der Kindergruppe frei.

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  • Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos konnten den Mann noch in der Sporthalle festnehmen.

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  • Bei der Geiselnahme wurde nach Informationen der Polizei niemand verletzt.

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  • Die betroffenen Kinder wurden nach ihrer Freilassung betreut.

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  • Die Polizei geht aktuell von einem Einzeltäter aus.

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  • Gerüchte, dass es noch einen zweiten Täter geben könnte, bestätigten sich somit nicht.

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  • Die Bahnhofstraße war für die Zeit der Spurensicherung gesperrt.

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Intensive Begleitung und Therapie

Während der Unterbringung in der LWL-Klinik sei der Mann intensiv begleitet und therapiert worden. Aussagen in Richtung Fremdgefährdung habe er nicht getätigt, erklärte damals Professor Dr. Meinolf Noeker , Krankenhausdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), gegenüber den Westfälischen Nachrichten. Ausgänge in einer Gruppe seien problemlos verlaufen. Deshalb habe der 25-Jährige am 7. Januar die Erlaubnis erhalten, sich auf dem Klinikgelände allein bewegen zu dürfen.

Doch der Mann verließ das Gelände an der Parkallee. „Es gibt Patienten, denen sich plötzlich bestimmte fixe Gedanken extrem stark aufdrängen. Diese können dann die Steuerung des Verhaltens übernehmen und zu solchen Impulsen führen“, erläuterte Meinolf Noeker. Trotz intensiver Betreuung sei ein solches Verhalten „extrem schwer vorhersehbar“.

Der Tatverlauf

Kurz nach 17 Uhr am 7. Januar betrat der 25-jährige die Sporthalle, wählte offenbar den Notruf der Feuerwehr und drohte, eine Bombe zu zünden. Die zuerst eintreffenden Polizeibeamten habe er gewarnt, sich der Halle zu nähern, weil er in diesem Fall das Gebäude sprengen werde. Dazu gab er den Hinweis, mehrere Geiseln in seiner Gewalt zu haben.

Um 17.27 Uhr ließ der 25-Jährige die 43 Kinder und Jugendlichen aus der Halle. Vorausgegangen waren entsprechende polizeiliche Aufforderungen sowie die Vermittlung der beiden Übungsleiterinnen. Dabei erneuerte der Beschuldigte die Drohung, die Halle zu sprengen. Etwa zehn Minuten später verließ eine der Betreuerinnen die Halle und übermittelte die Forderung des Mannes nach einer Schachtel Zigaretten und die Drohung, die letzte Geisel zu töten, sollte seine Forderung nicht erfüllt werden.

Da die freigelassene Übungsleiterin nicht zurückkehrte, drohte der Beschuldigte mit der Ermordung der letzten Geisel und verlangte danach eine geladene Schusswaffe, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Nachdem der Mann um 18.19 Uhr die zweite Betreuerin freigelassen hatte, wurde er von Einsatzkräften festgenommen.

Die freigelassenen Radsportler waren im benachbarten Baustoffhandel aufgenommen und erstbetreut worden von den dort Beschäftigten, Feuerwehr und Polizei sowie Notfallseelsorgern. Die Eltern der Kinder und Jugendlichen fanden sich ebenfalls dort ein, da sich die Geiselnahme wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet hatte.

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