Staatsanwaltschaft ermittelt
Ex-Mitarbeiter werfen Sicherheitsfirma schwere Tierquälerei vor

Milte -

Tierquälerei werfen ehemalige Mitarbeiter eines bundesweit aufgestellten Sicherheitsunternehmens früheren Vorgesetzten und Kollegen vor. Auf dem Gelände der Bundeswehr-Funkanlage in der Velsener Mark sollen Diensthunde mit stromführenden Halsbändern, Schlägen und Tritten traktiert worden sein.

Dienstag, 14.05.2019, 16:22 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 17:24 Uhr
Schwere Vorwürfe erheben ehemalige Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die Hundeführer nebst Belgischer und Holländischer Schäferhunde zur Bewachung von Bundeswehr-Liegenschaften stellt. Die Diensthunde, die auf dem Gelände der Bundeswehr-Funkanlage in der Velsener Mark im Einsatz sind, sollen massiv gequält werden.
Schwere Vorwürfe erheben ehemalige Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die Hundeführer nebst Belgischer und Holländischer Schäferhunde zur Bewachung von Bundeswehr-Liegenschaften stellt. Die Diensthunde, die auf dem Gelände der Bundeswehr-Funkanlage in der Velsener Mark im Einsatz sind, sollen massiv gequält werden. Foto: Joke Brocker

Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Mitarbeiter der Sicherheit Nord GmbH & Co. KG, die als Vertragspartner der Bundeswehr auch deren Funkanlage in der Velsener Mark in Milte durch Diensthundeführer bewacht, haben die Staatsanwaltschaft in Münster auf den Plan gerufen. Tierquälerei werfen ehemalige Mitarbeiter vor allem ihren Vorgesetzten vor.

Im April sei eine entsprechende Strafanzeige der Tierrechtsorganisation PETA eingegangen, bestätigt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Nun ermittele die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Angeblich unerfahrenes Personal 

Weil die Belgischen und Holländischen Schäferhunde auch solchen Hundeführern an die Hand gegeben werden sollen, die dem Vernehmen nach im Umgang mit scharfen Diensthunden ähnlich unerfahren sein sollen wie im Umgang mit den scharfen Waffen, die sie bei sich tragen, sei der Einsatz stromführender Halsbänder an der Tagesordnung.

Auch bei meinem eigenen Diensthund habe ich das zweimal erlebt. Der Hund wurde vor meinen Augen auch mehrfach geschlagen.

Ehemaliger Mitarbeiter

Strom-Halsbänder gesetzlich verboten

Die so genannten Teletaktgeräte, die dem Hund per Knopfdruck Stromschläge versetzen, sind laut Bundesverwaltungsgericht (23.02.2006 (AZ: 3 C 14.05)) verboten, werden aber offenbar trotzdem eingesetzt. „Auch bei meinem eigenen Diensthund habe ich das zweimal erlebt. Der Hund wurde vor meinen Augen auch mehrfach geschlagen“, berichtete ein ehemaliger Mitarbeiter der Sicherheitsfirma im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Weil ich nicht bereit war, daran mitzuwirken und nicht nach deren Pfeife getanzt habe, konnte ich gehen“, erzählt der Mann. Er bestätigt weitere Zeugenaussagen, wonach Hunde am Halsband aufgehängt und mit Arbeitsschuhen zusammengetreten worden sein sollen, so dass sie vor Schmerzen nicht mehr laufen konnten.

Und schließlich erzählt der im Umgang mit Hunden erfahrene Mann von einem „Problemhund, der beim Beißen nicht abließ.“ Selbst dann nicht, als der Einsatzleiter ihn im Wald an einen Baum gebunden und mit einer Dachlatte auf ihn eingedroschen haben soll. Nachdem ein Hund, offenbar um dessen Teilnahme an einer Diensthundeprüfung zu verhindern, bewusst mit einem Cuttermesser an der Pfote verletzt worden sein soll, hatten Hundeführer die Reißleine gezogen und eine Veterinärin der Bundeswehr kontaktiert, die das Tier untersuchte.

Bundeswehr untersucht den Fall noch

Das veterinärmedizinische Personal des Sanitätsdienstes der Bundeswehr kontrolliere den Ausbildungsstand und die Unterbringung von Hunden im Dienst der privatwirtschaftlichen Vertragspartner der Bundeswehr, bestätigt ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Anfrage, verweist aber im Übrigen auf die laufende Untersuchung: „Eine Misshandlung von Tieren kann allerdings so lange nicht bestätigt werden, bis der Abschlussbericht der Untersuchungen vorliegt.“ So lange gelte gegenüber dem Vertragspartner und seinen Mitarbeitern die Unschuldsvermutung.

Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Mit den Vorwürfen konfrontiert, verweiset die Sicherheit Nord GmbH & Co. KG schriftlich auf ihr Qualitätsbewusstsein, das sich „selbstverständlich auch auf den Bereich der compliance“ erstrecke: „Unser Selbstverständnis der Einhaltung aller rechtlichen Regelungen schließt das Tierschutzrecht genau so ein wie das Arbeitsrecht.“ Nach seinem Kenntnisstand, so das Unternehmen, lägen keine Rechtsverstöße vor.

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