Die AfD spielt wieder mal keine Rolle
Münsters Grüne holen das beste Ergebnis in NRW

Münster -

Münsters Grüne haben bei der Europawahl 37 Prozent der Stimmen bekommen. Das ist das beste grüne Ergebnis in NRW. Und auch bundesweit sind Münsters Grüne weit vorne.

Montag, 27.05.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2019, 20:14 Uhr
Jubel bei den Grünen am Sonntagabend in der Bürgerhalle, wo zahlreiche Parteimitglieder die Auszählung und Präsentation der Ergebnisse verfolgten.
Jubel bei den Grünen am Sonntagabend in der Bürgerhalle, wo zahlreiche Parteimitglieder die Auszählung und Präsentation der Ergebnisse verfolgten. Foto: Matthias Ahlke

Vielleicht ist es nur eine Momentaufnahme, vielleicht steckt hinter den überraschenden Ergebnissen der Europawahl aber auch viel mehr. Die Grünen sind in Münster mit knapp 37 Prozent erstmals die stärkste Kraft geworden.

CDU und SPD hatten bei der Stimmenauszählung am Sonntagabend lange Zeit gemeinsam nicht so viele Stimmen wie die Grünen allein. „Nach absoluten Stimmen haben über 60 000 Münsteraner grün gewählt, CDU und SPD haben zusammen so viele Stimmen bekommen. Und das bei einer hohen Wahlbeteiligung“, rechnet der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners die grüne Sensation vor.

Der Wahlerfolg beschert Münsters Grünen das viertbeste grüne Ergebnis in ganz Deutschland (Quelle tagesschau.de) Nur in Freiburg (38,5 Prozent), Flensburg (37,1 Prozent) und Kiel (37 Prozent) waren die Grünen noch erfolgreicher. In Osnabrück (33,3 Prozent), Köln und Bonn (31,9 Prozent) wählten fast so viele Menschen wie in Münster grün. Aber eben nur fast: In Münster holten die Grünen ihr bestes Ergebnis in NRW.

Rechte stark in Partnerstädten

Auch die europäischen Partnerstädte Münsters haben gewählt. Anders als in Münster ist hier das Erstarken nationalistischer Kräfte spürbar: Im französischen Orléans wurde der rechtsgerichtete Rassemblement National mit 25,6 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Macrons liberale Partei „En marche“ liegt mit 22,6 Prozent auf Platz zwei, es folgen die Grünen mit 11,45 Prozent. Im polnischen Lublin siegte die nationalkonservative Pis (42,8 Prozent) knapp vor der bürgerlichen Koalition (42,6). Im englischen York hatten die Liberalen Demokraten, die für den Verbleib in der EU sind, einen hauchdünnen Vorsprung vor der Brexit-Partei, auf Platz drei sind die Grünen. In Mühlhausen (Thüringen) ist mit 23 Prozent die AfD stärkste Kraft vor der CDU (21). (Karin Völker)

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Die Wahlbeteiligung fiel in Münster erfreulich hoch aus. Mit 73,7 Prozent liegt Münster auf Platz eins in NRW und auf Platz zwei aller 401 Wahlkreise in Deutschland. Die höchste Wahlbeteiligung erreichte St. Wendel im Saarland mit 74,4 Prozent. Münster liegt damit klar vor Köln (Wahlbeteiligung von 64,6 Prozent), das mit einer eigens gestarteten Kampagne die höchste Wahlbeteiligung erreichen wollte.

Und noch etwas fällt bei der Europawahl auf. Die AfD holt erneut ein unbedeutendes Ergebnis in Münster. Die trotz des münsterischen Kandidaten Martin Schiller erreichten vier Prozent dürfte einer der niedrigsten Werte in allen deutschen Wahlkreisen sein. Bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD nur in Münster unter fünf Prozent geblieben.

Kommentar: Unterwegs zur Volkspartei

Nach diesem Wahlabend ist in Münsters Rathaus nichts mehr so, wie es mal war – besonders für die Grünen, den Juniorpartner im schwarz-grünen Bündnis. Bislang überließen die Grünen dem beliebten CDU-Oberbürgermeister Markus Lewe das Feld der großen öffentlichen Auftritte und „begnügten“ sich damit, inhaltlich die Weichen im Rathaus zu stellen. Das wird für die Zukunft den eigenen Ansprüchen vermutlich nicht mehr genügen. Als aktuell führende politische Kraft in der Stadt können es die Grünen nicht der SPD überlassen, für die Kommunalwahl 2020 einen Lewe-Herausforderer zu küren.

Bislang überließen die Grünen (als traditionelle Listenpartei) dem Bündnispartner CDU auch die Wahlkreisarbeit, zumal die CDU bei der letzten Ratswahl 25 der 33 Direktmandate errungen hat. Den Grünen hingegen war es wichtig, die Fachpolitiker zu stellen und die Antragsarbeit zu leisten. Auch das wird sich vermutlich ändern, denn bei der Europawahl am vergangenen Sonntag haben die Grünen erstmals flächendeckend auch in den traditionell „schwarzen“ Wahlkreisen gewonnen. Münsters Grüne haben den Weg zur Volkspartei beschritten. Das wird Münster verändern, vor allem aber wird es die Grünen verändern. (Klaus Baumeister)

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