20-Jähriger nach Drogeneinfuhr verurteilt
Marihuana für krebskranken Opa

Ochtrup/Rheine/Gronau -

71 Gramm Marihuana hatte ein junger Ochtruper aus den Niederlanden nach Deutschland eingeführt. Das erfüllt zwar den Straftatbestand, doch das Jugendschöffengericht ließ am Montag in Rheine trotzdem Milde walten. Denn der 20-Jährige hatte einen guten Grund für seine Tat.

Montag, 15.07.2019, 16:20 Uhr aktualisiert: 15.07.2019, 17:26 Uhr
Mit 71 Gramm Marihuana – davon zehn Gamm CBD-Öl – wurde ein junger Mann aus Ochtrup im Oktober vergangenen Jahres hinter der Grenze geschnappt. Am Montag stand er deswegen vor Gericht.
Mit 71 Gramm Marihuana – davon zehn Gamm CBD-Öl – wurde ein junger Mann aus Ochtrup im Oktober vergangenen Jahres hinter der Grenze geschnappt. Am Montag stand er deswegen vor Gericht. Foto: dpa

Aufgrund einer Dokumentation im ZDF über eine besondere Art der Schmerztherapie bei Krebserkrankungen kaufte ein 20 Jahre junger Mann aus Ochtrup für seinen kranken Opa, der im Antonius-Krankenhaus in Gronau lag, am 12. Oktober 2018 insgesamt 71 Gramm Marihuana – davon zehn Gamm CBD-Öl – und wurde hinter der Grenze geschnappt.

Am Montag saß er wegen unerlaubter Einfuhr von Drogen in nicht geringer Menge auf der Anklagebank beim Jugendschöffengericht in Rheine. Diese Größenordnung erfüllt den Verbrechenstatbestand. Deswegen war das Jugendschöffengericht und nicht ein Einzelrichter zuständig. Dennoch kam der Ochtruper mit einer Geldstrafe von 750 Euro für das Hospiz „Haus Hannah“ in Emsdetten nach Jugendstrafrecht glimpflich davon. Der Staatsanwalt hatte 1000 Euro beantragt. 

Tat ging ärztliches Gespräch voraus

Staatsanwalt und Gericht glaubten ihm, dass er das Medikament für seinen krebskranken Großvater besorgt hatte, nachdem der mit seinem Arzt im Krankenhaus in Gronau über die andere Art der Schmerztherapie gesprochen hatte. Der Arzt bestätigte dem jungen Mann die Tatsache über eine Bescheinigung. Und auch, dass der Angeklagte bei dem Gespräch anwesend war. Sein Großvater verstarb vor zwei Monaten, wie der Ochtruper auf Anfrage des Gerichts antwortete.

„Wir nehmen Ihnen Ihre Begründung ab, aber das ändert nichts an der Strafbarkeit. Ich habe Verständnis für Ihre Zwangslage, aber ein Richter muss das Gesetz vertreten. Zudem haben wir ausführlich diskutiert, ob das Jugendstrafrecht noch anzuwenden ist, haben es aber letztendlich getan. Ich hoffe, das war eine Ausnahme“, gab der Richter dem Angeklagten mit auf den Weg.

Angeklagter kam Bitte seines Opas nach

Der Verteidiger hatte um eine milde Strafe gebeten. Er sagte: „Ich habe zuerst gedacht, erzählt der mir hier einen vom Pferd, oder ist er glaubwürdig?“ Einen solchen Fall habe er in seiner Kanzlei noch nicht gehabt. Der Opa des Angeklagten habe seit 2016 an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten. Die Anfangsprognose von drei Monaten verbleibender Lebenszeit hätte sich bei dem „kräftigen, lebensbejahenden und dominanten Menschen“ aber auf drei Jahre erhöht. Er habe wegen starker Schmerzen ständig Morphium nehmen müssen, was er nicht mehr wollte.

Der Angeklagte sagte, dass sein Großvater im ZDF die Alternativmedikation mit Marihuana gesehen hätte, das man entweder verkochen oder als Tropfen unter das Essen mischen konnte. Sein Arzt hätte gesagt, dass eine Verschreibung immer noch viele Anträge erfordere – mit fraglichem Erfolg. Daraufhin hätte der Opa ihm 400 Euro gegeben und ihn gebeten, in Holland Marihuana zu besorgen.

Zu Fuß über die Grenze

„Weil ich keine Ahnung von Drogen hatte, habe ich mich in einem Shop hinter der Grenze erkundigt, was ich nehmen soll“. Erst auf dem Rückweg an der Grenze habe er sich Gedanken über strafrechtliche Konsequenzen gemacht. Zunächst habe er zu Fuß die Grenze überquert und Ausschau nach der Polizei gehalten. Unmittelbar nach der Grenze sei er gestoppt worden.

„Haben Sie schon einmal Drogen konsumiert?“ fragte der Richter ihn. „Nein, noch nie“, antwortete der Angeklagte. Seinen Eltern habe er auf Bitten seines Großvaters nichts erzählt, weil beide erwerbsunfähig krank seien. Vater und Mutter saßen im Zuhörerraum und bestätigten das. Sie erfuhren erst nach der Polizeikontrolle davon.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6781601?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Münsters Klimabewegung stößt in neue Dimensionen vor
Als Antwort auf die anhaltende Kritik, die Schüler gehörten freitags nicht auf die Straße zum Demonstrieren, sondern auf die Schulbank, und als Aufruf an die Politik hat ein junger Demonstrant seine Rechtfertigung für den Klimastreik auf ein Schild geschrieben.
Nachrichten-Ticker