Zehn Millionen Dollar Preisgeld
Münsteraner ist neuer Poker-Weltmeister

Münster -

Riesenerfolg in Las Vegas: Der 55-jährige Münsteraner Hossein Ensan hat sich beim bedeutendsten Pokerturnier der Welt durchgesetzt und eine Siegprämie von zehn Millionen US-Dollar gesichert.

Mittwoch, 17.07.2019, 10:45 Uhr aktualisiert: 17.07.2019, 16:19 Uhr
Zehn Millionen Dollar Preisgeld: Münsteraner ist neuer Poker-Weltmeister
Hossein Ensan Hossein war am Finaltisch des World Series of Poker, der Poker-Weltmeisterschaft, nicht aufzuhalten. Foto: dpa

Kreuz-König und Herz-König, das waren die Karten die Hossein Ensan am Ende die schwindelerregend hohe Gewinnsumme von zehn Millionen Dollar einbrachten. Der in Münster lebende 55-Jährige hat sich bei der Poker-Weltmeisterschaft den Sieg erspielt. Am letzten Turniertag des zum 50. Mal ausgetragenen Main Events der „ World Series of Poker ” nahm er den letzten beiden verbliebenen Konkurrenten alle Chips ab und sicherte sich neben dem Millionen-Preisgeld das begehrte Sieger-„Bracelet” - ein goldenes, mit Diamanten besetztes Armband. Ensan ist erst der zweite Deutsche, der das Turnier für sich entscheiden konnte, 2011 gewann der damalige Student Pius Heinz die Poker-WM .

„Das ist das beste Gefühl meines Lebens“ 

„Ich fühle mich fünf Jahre jünger“, sagte der 55-Jährige nach dem Sieg mit strahlenden Augen in einem TV-Interview, „das ist das beste Gefühl meines Lebens. Unglaublich!“

Strategie sei sehr wichtig beim Pokern, erklärte er. Seine Leistung wollte er dabei aber nicht überbewerten: „Ich hatte die richtigen Karten und einen guten Lauf, es kam nicht so sehr aufs Können an“, sagte Ensan bescheiden und dankte seinen Freunden in der Heimat und denen, die ihn im Rio Hotel-Casino in Las Vegas lautstark unterstützt hatten. 

Während des Turniers hatte einen enormen Chip-Stapel angesammelt und führte das Spielerfeld deutlich an vor dem Finaltag. In einem spannenden „Heads-up”, dem Kopf-an-Kopf-Rennen der letzten beiden Kandidaten, verspielte er dann gegen den Italiener Dario Sammartino zunächst seinen Vorsprung, um sich am Ende doch noch durchzusetzen. Der zweitplatzierte Italiener gewann sechs Millionen Dollar, der Dritte, Alex Livington aus Kanada, kassierte vier Millionen.

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Stundenlange Konzentration: Das Turnier im Rio Hotel-Casino in Las Vegas bringt die Spieler zur Erschöpfung. Foto: Steve Marcus/Las Vegas Sun/dpa

Bei der zweitgrößten Poker-Weltmeisterschaft aller Zeiten saßen an den Tischen zu Beginn mehr als 8500 Spieler, die alle ein Startgeld von 10.000 Dollar gezahlt hatten. Insgesamt wurden knapp 80 Millionen an die Zocker ausgeschüttet.

In zehn - oft an die zwölf Stunden langen - Turniertagen wurde schließlich der Sieger ermittelt. Allein am Finaltag wurden die Karten knapp 300 Mal verteilt. Die 301. Hand brachte dem Münsteraner dann den Sieg, der im Casino mit Freudengesängen gefeiert wurde.

Lob vom Kontrahenten

Bei seinen Kontrahenten ist der Familienvater aus Münster - Ensan hat eine Tochter - durchaus beliebt. So sagte der unterlegene Sammartino nach seiner Niederlage: „Er ist ein wirklich toller Typ. Ich kenne ihn schon lange und freue mich wirklich für ihn, auch wenn ich natürlich lieber selbst gewonnen hätte.” Ensan habe sehr gut gespielt. „Er ist wirklich tough“, sagte Sammartino.

Ensan stammt aus dem Iran und lebt seit 1990 in Deutschland. Seit 2013 nimmt er regelmäßig an großen Turnieren teil. Vor dem Turnier in Las Vegas hatte er bereits  Poker-Preisgelder von über zwei Millionen Euro erspielt . Mit seinen 55 Jahren ist er der älteste Weltmeister seit 20 Jahren. 1999 hatte ein 61-Jähriger gewonnen.

Kein reines Glücksspiel

Von den in Las Vegas erspielten zehn Millionen US-Dollar (ca. 8,9 Millionen Euro) wird auch der deutsche Staat profitieren. Nach einem  Urteil des Bundesfinanzhofs  ist die bei dem Turnier gespielte Pokervariante „Texas Hold'em” nicht als reines Glücksspiel anzusehen, zumindest wenn es professionell betrieben wird. Laut Einschätzung der Richter spielt bei dieser Spielweise das Element Geschicklichkeit fast so eine große Rolle wie der Zufall, deshalb müsse für den Gewinn Einkommensteuer gezahlt werden.

Vom Saloon zum Poker-Bot

Während Poker früher meist mit gezinkten Karten in Verbindung gebracht wurde, ist das Spiel inzwischen „salonfähig“ geworden. Als der Amateurspieler Chris Moneymaker 2003 die Poker-WM gewann, löste das einen Boom vor allem in Online-Casinos aus, die juristisch teils auf wackeligen Füßen standen. So machte das FBI 2011 einige US-Webseiten dicht. Durch viele TV-Übertragungen wurde vor allem die Variante „Texas Hold‘em“populär. Dabei halten die Spieler zwei Karten verdeckt auf der Hand und können diese mit fünf Gemeinschaftskarten kombinieren, die in drei Schritten in der Tischmitte aufgedeckt werden. Profi-Spieler berechnen dabei die Wahrscheinlichkeiten, dass sie mit ihrer Hand vorne liegen, und steuern ihre Wetteinsätze entsprechend. Dass dabei viel Mathematik im Spiel ist, zeigt sich daran, dass ein von Facebook entwickelter Bot – ein Programm, das Künstliche Intelligenz nutzt – zuletzt gleich mehrere Poker-Profis geschlagen hat.

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