Universität trägt Entscheidung mit Fassung
Ein exzellenter Verlierer

Münster -

Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster hat es nicht geschafft. Sie ist für die nächsten sieben Jahre nicht im Club der Exzellenzuniversitäten. Der Wissenschaftsrat hat in Bonn die Entscheidung über die Auswahl von elf Exzellenz-Universitäten bekannt gegeben.

Freitag, 19.07.2019, 16:12 Uhr aktualisiert: 20.07.2019, 09:52 Uhr
Die Universität Münster ist nicht im Club der Exzellenzuniversitäten.
Rektor Johannes Wessels hatte alle am Antrag für die Exzellenz-Bewerbung beteiligten Wissenschaftler und Mitarbeiter ins Schlossgartencafé eingeladen, um die Entscheidung in Bonn live zu verfolgen. Nach der ersten Enttäuschung gab es Beifall. Foto: Matthias Ahlke

Es herrscht gespannte  Endspiel-Atmosphäre im Schlossgarten-Café am Freitag kurz vor 16 Uhr. Die Verkündung der Entscheidung über die Kür der Exzellenz-Universitäten wird im Internet live übertragen, das Rektorat der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) hat alle am arbeitsreichen Antragsverfahren der Uni beteiligten Wissenschaftler und Mitarbeiter zum „Rudelgucken“ eingeladen. Viele von ihnen sind vor der Entscheidung ganz offen: Angesichts der Konkurrenz könne sich die WWU eher Außenseiterchancen ausrechnen, heißt es vielfach. Es geht um viel, aber die Stimmung ist dennoch gelöst. „Mehr Digitalisierung“, ruft einer unter großem Gelächter, als der Livestream immer wieder unterbrochen wird.

Dann endlich die alphabetische Aufzählung der elf erwählten Hochschulen. Nach den beiden Münchener Unis folgt Tübingen, das war’s. Nach einer kurzen  Pause brandet langer Beifall auf, ein Sektkorken knallt.

Auf dem richtigen Weg

Dann gratuliert Rektor Johannes Wessels den Gewinnern, er zeigt Enttäuschung, aber nicht zu viel, denn die Uni, so Wessels, wähnt sich mit ihrer Strategie auf dem richtigen Weg. Der wird nun auch ohne Förderung als Exzellenz-Universität beschritten. Ohne die zehn Millionen Euro jährlich, die es im Falle eines Sieges gegeben hätte, werde die Umsetzung nur länger dauern, sagt Wessels. Der Rektor wird dann von seiner Mannschaft  richtig gefeiert. Die Erziehungswissenschaftlerin Karin Bollert , Sprecherin der Professoren im Uni-Senat, findet, es sei „Zeit für eine Liebeserklärung an unseren Rektor“, der die ganze Universität auf ihrem Weg nach vorne zusammenhalte.

Der Weg wird auch ohne Förderung als Exzellenz-Uni beschritten.

Uni-Rektor Johannes Wessels

Der wichtigste Pfeiler des Zukunftskonzepts unter dem Motto „Exzellenz integriert“, das die Universität gemeinsam mit Stadt und Region vorgestellt hatte, ist die Wissenschaftskommunikation, der Transfergedanke. Unter anderem soll auch jungen Studierenden das forschende Lernen ermöglicht werden. Lehrer sollen zu längeren Hospitationen an die Uni eingeladen werden, um in Kontakt zur Wissenschaft zu bleiben. In einem Ideenlabor sollen frühe wissenschaftliche Forschungsansätze  Förderung erhalten. Die Vergabe des Westfälischen Friedenspreises wird künftig von einem „Summit“, einem Gipfeltreffen der Preisträger mit Wissenschaftlern bei einer Tagung, begleitet. Die Uni will ihre Spitzenforschung auch in den eigenen, zur Zeit im Bau und Umbau befindlichen Museen präsentieren.

Kommentar

Es reicht noch nicht. Die Universität Münster hat es nicht in den Club der Exzellenz-Hochschulen geschafft. Das ist schade – für die Universität, aber auch für die ganze Stadt. Denn das Exzellenz-Label, das die Uni sich gern über ihr Portal gehängt hätte, strahlt weit über sie selbst hinaus.

So groß die Enttäuschung ist – eine Katastrophe ist es nicht, dass die WWU nicht in den exklusiven Club aufgenommen wird. Denn ein Erfolg wäre angesichts der bundesweiten Konkurrenz und der Tatsache, dass sich gleich fünf Hochschulen aus NRW um einen der elf Plätze bewerben durften, eher eine Überraschung gewesen.

Umsonst waren die Mühen des anspruchsvollen Bewerbungsverfahrens aber nicht. Der Wettbewerb war für die Universität Aufforderung und Chance, ihren Kurs zu bestimmen, eine Zukunftsstrategie zu entwickeln. Dass sie ihre Arbeit – und ihre Exzellenz, die sie bisher in Teilbereichen unter Beweis gestellt hat – für Stadt und Region fruchtbar machen will, ist ein guter Ansatz. Die Universität Münster hat zuletzt Förderzusagen für etliche millionenschwere Forschungsprojekte bekommen – ein Beispiel ist die Batterieforschungsfabrik. All das ist Gelegenheit, weiter am Exzellenz-Profil zu arbeiten.

Von Karin Völker

...

Realismus und Trauer

Die Entscheidung der Gutachterjury und der Politiker bei der Auswahl stellt niemand im Schlossgartencafé ernsthaft in Frage. Neben Münster sind in der Auswahl die Hochschulen Köln, Bochum, Freiburg, Stuttgart, Kiel, Hannover und Braunschweig gescheitert.

Der führende Nanotechnologie-Experte Prof. Harald Fuchs ist Realist: Münster könne sich trotzdem in seinen starken Disziplinen gut weiterentwickeln. Ehrlich traurig äußert sich aber Stammzellforscher Prof. Hans Schöler, Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin Münster: „Unser Konzept ist richtig gut – ich finde, wir hätten es wirklich verdient gehabt.“

Zum Thema

Am heutigen Freitag hatten die Wissenschaftsminister der Länder und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek das letzte Wort über den Beschlussvorschlag der wissenschaftlichen Gutachter, die die 19 konkurrierenden Konzepte geprüft hatten. Die für die Entscheidung zuständige Exzellenzkommission wählte elf für eine dauerhafte Förderung aus:

  • Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
  • Verbund Berlin (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin)
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Hamburg
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Universität Konstanz
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Technische Universität München
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
...

 

Die deutschen Exzellenzuniversitäten

1/11
  • Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen (RWTH)

    Foto: dpa
  • Verbund Berlin (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin)

    Foto: dpa
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Foto: dpa
  • Technische Universität Dresden

    Foto: dpa
  • Universität Hamburg

    Foto: dpa
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

    Foto: dpa
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

    Foto: dpa
  • Universität Konstanz

    Foto: dpa
  • Ludwig-Maximilians-Universität München

    Foto: dpa
  • Technische Universität München

    Foto: dpa
  • Eberhard Karls Universität Tübingen

    Foto: dpa

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6790638?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Ex-Parteisprecher machen Grünen-Fraktion Druck
Die stillgelegte Baustelle am Hansaring: Die fast fertige Tiefgarage ist punktgenau beschwert worden, um ein Auftreiben des Baus durch das Grundwasser zu vermeiden, wie es vonseiten der Bauherren heißt.
Nachrichten-Ticker