Fast 39 Grad
Neuer Hitzerekord in Münster

Münster -

Der 25. Juli 2019 geht in die münsterische Klimageschichte ein. Mit mehr als 38 Grad war es so heiß wie nie zuvor seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen. Der bisherige Temperaturrekord lag bei 37,5 Grad.

Donnerstag, 25.07.2019, 18:27 Uhr aktualisiert: 25.07.2019, 19:41 Uhr
Brütende Hitze lag am Donnerstag über Münster.
Brütende Hitze lag am Donnerstag über Münster. Foto: ah

In Münster war es am Donnerstag so heiß wie nie zuvor seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert. 38,4 Grad zeigte am Nachmittag das Thermometer des Unternehmens Meteogroup am LWL-Museum für Naturkunde auf der Sentruper Höhe an. Das waren 0,9 Grad mehr als der bisherige offizielle Rekordwert (37,5 Grad).

Diese Temperatur war vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in den vergangenen Jahren gleich drei Mal an seiner Station am Flughafen Münster/Osnabrück gemessen worden: am 12. August 2003, am 19. August 2012 und am 7. August 2018.

Neuer Rekord

1989 hatte der DWD seine Wetterstation vom Allwetterzoo zum FMO verlegt, wo es am Donnerstag 39,6 heiß war. Die zwischen 1891 und 1989 vom Deutschen Wetterdienst im Zoo gemessene Höchsttemperatur lag am 20. August 1932 bei 36,7 Grad.

Kommentar: Rekord mit Folgen

Der 25. Juli 2019 geht in die münsterische Klimageschichte ein – er ist eine Zäsur, ähnlich wie der Jahrhundertregen, der vor fünf Jahren Münster heimsuchte. Das Starkregenereignis vom 28. Juli 2014 löste ein Maßnahmenprogramm zum Hochwasserschutz aus, dessen Umsetzung über 130 Millionen Euro kosten und erst in Jahrzehnten abgeschlossen sein wird.

Auch nach den jüngsten Hitzewellen dürfte sich einiges ändern. Neben dem Hochwasserschutz wird bei Bauvorhaben, aber auch bei der Sanierung bestehender Bauten der Schutz vor Hitze eine noch bedeutendere Rolle spielen. Beispielhaft ist der Ansatz der Stadt, im Oxford-Quartier – und künftig auch bei anderen Bauvorhaben –, Verdunstungsflächen für Regenwasser zu schaffen, um die Umgebungstemperatur zu senken. Die Zeiten großräumiger Versiegelungen sind vorbei.

Wie können Menschen in Zeiten des Klimawandels weiter unter zumutbaren Bedingungen in Münster leben und arbeiten, in Kitas spielen, in Schulen und Hochschulen lernen? Auf dem Papier gibt es schon lange viele Antworten auf diese große Zukunftsfrage – es ist höchste Zeit, sie konsequent umzusetzen. Martin Kalitschke

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Seit einigen Jahren nehmen nicht nur die Meteo-group und der DWD im Bereich Münster regelmäßig Temperaturmessungen vor, sondern auch das Institut für Landschaftsökologie der WWU an der Heisenberg-straße. Hier wurde die bislang höchste Temperatur am 19. August 2012 registriert: 36,5 Grad. An diesem Donnerstag zeigte das Thermometer der WWU mit 37,6 Grad ebenfalls einen neuen Höchstwert an.

Der strahlende Sonnenschein trieb am Donnerstag nicht nur die Temperaturen in die Höhe. An der Ozon-Messstation an der Weseler Straße wurden am Nachmittag mehr als 210 µg/m³ registriert. Bei einem solchen Wert sollten Menschen Anstrengungen vermeiden und Sport in die Abendstunden verlegen. Der Alarmwert von 240 µg/m³ wurde jedoch nicht erreicht.

Hitzebedingte Notfälle in den Krankenhäusern

Pralle Sonne und enorme Hitze machen den Münsteranern zu schaffen. In der Notaufnahme des Franziskus-Hospitals gibt es aktuell deutlich mehr Patienten, wie Dr. Stephan Braune, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, sagt. Es werden  vermehrt ältere Menschen gebracht, die nicht genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Dies liege oft daran, dass sie kein Durstgefühl haben. „Dann kann es gefährlich werden“, sagt Braune. Und mit einer Veränderung sei in den nächsten Tagen noch nicht zu rechnen: „Je länger es heiß bleibt, desto mehr Patienten werden wir bekommen.“

Die Patienten, die als hitzebedingte Notfälle eingeliefert werden, haben meist Kreislaufprobleme, eine Folge des Flüssigkeitsmangels. Erste Symptome dafür seien Kopfschmerzen und Müdigkeit, so der Facharzt. Aktuell habe man aber nicht so viele Patienten wie noch bei der ersten Hitzewelle Ende Juni: „Es scheint, als hätten die Menschen dazugelernt.“ Das Uniklinikum Münster verzeichnet laut einer Sprecherin nur sehr wenige hitzebedingte Notfälle. Anna Spielthoff

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Heiß war es nicht nur am Boden – sondern auch in 1500 Metern Höhe. Dort lag die Temperatur bei 24 Grad. „Das habe ich noch nie erlebt“, so DWD-Mitarbeiter Thomas Gerwin gegenüber unserer Zeitung. „Und ich arbeite hier schon seit 30 Jahren.“ Damit lag der europäische Hitzepol am Donnerstag direkt über dem Westen Deutschlands.

Wie man Hitzetage gut übersteht

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  • Die kommenden Tage werden heiß. Wie übersteht man die große Hitzewelle? Tipps für einen Tag mit Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten:

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  • 4.00 Uhr: Wer Pflanzen etwas Gutes tun will, sollte an heißen Tagen besonders früh aufstehen. Vor Sonnenaufgang ist der Boden am kältesten. Aber natürlich ist das Gießen ein paar Stunden später auch noch sinnvoll. Was ist mit dem Abend? Dann ist der Boden vom Sonnenschein den ganzen Tagen über noch aufgeheizt, es verdunstet ebenfalls viel Nässe. Allerdings betont Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin: im Zweifel lieber direkt gießen, wenn Pflanzen die Köpfe hängen lassen.

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  • 6.00 Uhr: Frühmorgens sollte man lüften, und zwar nicht zu kurz. Denn Wände, Möbel und andere Gegenstände speichern laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Wärme. Können sie am Morgen nicht auskühlen, geben sie im Verlauf des Tages ihre Wärme an den Raum ab. Tagsüber sollten die Fenster geschlossen bleiben. Daneben hilft es, die Scheiben zu verdunkeln. Wer die Wahl hat, sollte außenliegende Schattenspender wie Rollläden und Markisen wählen.

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  • 7.00 Uhr: An heißen Tagen sollten Halter ihren Hund nicht zu stark fordern. „Es reicht in der Regel, am Morgen und am Abend spazieren zu gehen“, sagt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater aus Hofheim. Sinnvoll sei es, die Mittagshitze zu vermeiden. Auch einen Besuch in der Hundeschule dürfe man mal ausfallen lassen, falls der Platz in der prallen Sonne liegt.

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  • 8.00 Uhr: Wer morgens mit dem Pedelec zur Arbeit fährt, sollte das Elektrofahrrad an einem möglichst schattigen Ort abstellen. Denn große Hitze wirkt sich mit der Zeit schlecht auf die Lebensdauer von Pedelec-Akkus aus, erklärt die Sachverständigenorganisation Dekra. Und bevor Radler den aufgeheizten Akku erneut laden, lassen sie ihn besser zunächst abkühlen.

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  • 10.00 Uhr: Wer sich als Freiberufler oder Selbstständiger ein mobiles Klimagerät für sein Büro kauft, kann die Ausgaben steuerlich geltend machen. Kostet das Gerät nicht mehr als 800 Euro, senken die Ausgaben die Steuerlast sofort, erklärt der Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Bei Anschaffungskosten bis 1000 Euro netto kann es über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschrieben werden. Ansonsten wird der Steuervorteil grundsätzlich über elf Jahre anhand der Nutzungsdauer verteilt. Auch für das häusliche Arbeitszimmer kann sich eine Klimaanlage steuerlich lohnen. Wird beispielsweise nur das Arbeitszimmer gekühlt, können die Kosten den Werbungskosten zugerechnet werden.

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  • 11.00 Uhr:  Trinken ist bei hochsommerlichen Temperaturen das A und O. „2,5 bis 3 Liter Wasser am Tag und ich betone Wasser. Das geht nicht mit süßen Limonaden, die durstig machen, und erst recht nicht mit Alkohol“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Pneumologie an der Uniklinik Bonn, Dirk Skowasch. Kranke mit Herz- oder Bluthochdruckproblemen sollten mit ihrem Arzt ein passendes Konzept fürs Trinken besprechen. 

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  • 12.00 Uhr: „Kein Sport in der Mittagshitze und bei so hohen Temperaturen am besten gar nicht“, rät der Bonner Mediziner Skowasch. Bei Hitze kann man also von der „Siesta“ der Spanier lernen. Aktivitäten draußen sollten in die Morgen- oder Abendstunden verschoben werden. Und auch beim Essen empfiehlt Skowasch, langsam zu machen: „Lieber mehrere kleine Mahlzeiten, Obst und Gemüse.“ 

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  • 13.00 Uhr: Zeigt das Thermometer am Arbeitsplatz Temperaturen von 26 Grad und mehr an, sollte der Arbeitgeber etwas tun. Und ab 30 Grad muss er das sogar, erklärt die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) mit Verweis auf die Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Gegen Hitze im Büro kann der Chef zum Beispiel Getränke zur Verfügung stellen, vorübergehend Gleitzeit einführen oder die Kleiderordnung lockern. Eine Chance auf Hitzefrei haben Arbeitnehmer allerdings erst, wenn in einem Raum mehr als 35 Grad herrschen.

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  • 14.00 Uhr: Das Smartphone in der Hitze auf der Terrasse liegen lassen? Keine gute Idee! Viele Elektronikgeräte vertragen keine hohen Temperaturen. Darauf weist das Telekommunikationsportal „Teltarif.de“ hin. Neben dem Akku können auch weitere Bauteile Schaden nehmen. Bei zu hohen Temperaturen können auch Sicherheitseinrichtungen der Akkus greifen und etwa Batterieflüssigkeiten auslaufen. Das führt unter Umständen zu Beschädigungen am Gerät und macht die Akkus unbrauchbar. Deswegen lagert man Powerbanks und Elektronikgeräte besser vor Sonnenlicht geschützt und lässt sie nicht im sommerlich warmen Auto.

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  • 15.00 Uhr: Für Babys und Kleinkinder ist Hitze besonders gefährlich. Sie können ihren Wärmehaushalt noch nicht so gut regulieren, warnt die BZgA. Deshalb sollten Kinder mit Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille gegen die Strahlen geschützt werden und am besten im Schatten spielen. Hochroter Kopf, Bewusstseinsstörungen und erhöhte Körpertemperatur sind laut BZgA Symptome eines Hitzschlags, bei dem Kinder sofort aus der Sonne und zu einem Arzt oder ins Krankenhaus müssen. 

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  • 16.00 Uhr: So schön der langersehnte Sommer auch ist, ein Baum oder Sonnenschirm spendet Schatten und kühlt ab. „Aus der Hitze raus, in den Schatten, luftige Kleidung - das klingt banal, ist aber wichtig“, so der Bonner Mediziner Skowasch.

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  • 17.00 Uhr: Puh, der Tag im Büro oder die Schicht am Band sind geschafft. Gut, wer jetzt ein Auto mit Klimaanlage hat. Aber bitte nicht einsteigen und dann den Innenraum „tieffrosten“. Zunächst lüftet man den Innenraum einmal gut durch - das lässt die aufgestaute Hitze raus. Und auf Kurzstrecken bei niedrigem Tempo wie in der Stadt öffnen Autofahrer im Sommer besser die Fenster, rät der Tüv Süd. Denn die Klimaanlage bringe auf Distanzen von wenigen Kilometern nichts. Ansonsten gilt: Zwischen der Außentemperatur und dem Innenraum des Autos stellen Autofahrer besser bei Hitze nicht mehr als acht Grad Differenz ein. Denn ansonsten drohen Erkältungen oder Schwierigkeiten mit dem Herz-Kreislaufsystem, erklärt der Tüv Thüringen.

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  • 18.00 Uhr: Wenn die Sonne brennt und der Schweiß läuft, erscheint oft nichts besser als eine kalte Dusche. Die ist für den Körper aber leider mehr Belastung als Erfrischung. „Das ist wie mit eiskalten Getränken. Der Körper muss sich danach wieder aufwärmen auf Außentemperatur. Das kostet Energie“, sagt Skowasch. Also lieber lauwarm duschen.

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  • 19.00 Uhr: Ist es zu heiß, sollte man auf das Rasenmähen verzichten - nicht grundsätzlich, aber zu bestimmten Tageszeiten. Denn bei Temperaturen über 30 Grad trocknet der Boden viel zu schnell aus, erläutern die Gartenexperten der DIY Academy in Köln. Daher wird diese Arbeit besser erst in den kühleren Abendstunden erledigt. Beachten muss man dabei allerdings: Zwischen 20.00 und 7.00 Uhr dürfen in Wohngebieten Rasenmäher nicht mehr eingesetzt werden.

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  • 20.00 Uhr: Auf der Gartenparty oder beim netten Zusammensein auf dem Balkon: Jetzt ein Gläschen Wein oder Bier! Doch Vorsicht: Bei Hitze wirkt Alkohol schneller und intensiver, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wer es übertreibt, riskiert Kreislaufprobleme bis zur Bewusstlosigkeit. Die hohen Temperaturen entziehen dem Körper darüber hinaus Flüssigkeit - man schwitzt. Durch Alkohol gehen dem Körper noch mehr Mineralstoffe verloren. So kann es leichter zu Hitzschlägen kommen.

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  • 23.00 Uhr: In ungewöhnlich warmen Nächten sollte man zum Schlafen in den kühlsten Raum gehen – beispiels­weise auf den Balkon oder  in den Keller, meint der Schlafforscher Peter Young aus Münster.

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Unterdessen hat die Stadt an die Bürger appelliert, auf das Grillen an Aasee, Kanal, Promenade und in den Parks zu verzichten und Zigarettenkippen nicht achtlos wegzuwerfen. Die Gefahr von Flächen- und Waldbränden sei durch die anhaltende Trockenheit stark gestiegen. „Selbst der kleinste Funkenflug kann zurzeit fatale Auswirkungen haben. Die Hitze verschärft die Situation täglich“, so Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes könnten bei Kontrollen vor Ort das Grillen untersagen. In den Wäldern gelte grundsätzlich von März bis Oktober Rauchverbot. Bei Verstößen drohten Bußgelder.

Bäume vertrocknen

Immer mehr Bäume im Stadtgebiet fallen den extremen Witterungsbedingungen zum Opfer. Eine etwa 15 Meter hohe Buche, die unweit der Aasee-Terrassen steht, ist in den vergangenen Wochen vertrocknet. Sie sei nicht mehr zu retten, so Stadtförster Hans-Ulrich Menke. Er geht davon aus, dass mindestens 300 bis 400 der rund 100.000 Stadtbäume diesen zweiten warmen und trockenen Sommer hintereinander nicht überstehen werden – „wahrscheinlich sogar noch mehr“. Martin Kalitschke

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