Neues aus dem Weltall
Astronaut Thomas Reiter im Planetarium

Münster -

Der frühere Astronaut Thomas Reiter war am Donnerstagabend zu Gast im Planetarium. Er berichtete unter anderem über den aktuellen Stand der in den kommenden Jahren geplanten Missionen. Er vermutet, dass es nicht mehr lange dauert, bis der erste Mensch auf dem Mars spazieren geht.

Freitag, 26.07.2019, 15:05 Uhr aktualisiert: 26.07.2019, 15:32 Uhr
Der Leiter des Planetariums im LWL-Museum für Naturkunde, Dr. Björn Voss (l.), begrüßte am Donnerstagabend den ehemaligen Raumfahrer und heutigen Berater des ESA-Generaldirektors, Thomas Reiter.
Der Leiter des Planetariums im LWL-Museum für Naturkunde, Dr. Björn Voss (l.), begrüßte am Donnerstagabend den ehemaligen Raumfahrer und heutigen Berater des ESA-Generaldirektors, Thomas Reiter. Foto: Matthias Ahlke

50 Jahre nach der ersten Mondlandung erlebt der Trabant eine Renaissance. Wissenschaftler gehen nicht nur davon aus, dass es dort Wasser und seltene Erden (also gefragte Metalle für moderne Technologien) gibt – sie wollen den Mond auch als Zwischenstopp für künftige Mars-Missionen nutzen.

Was genau in den kommenden Jahren geplant ist, erläuterte der frühere Astronaut Thomas Reiter am Donnerstagabend im Planetarium im LWL-Naturkundemuseum. „Unser Highlight des Jahres“, so Planetariums-Leiter Dr. Björn Voss .

Erster Europäer mit ISS-Langzeitaufenthalt

Reiter war nicht nur der einzige Europäer, der auf den Raumstationen MIR und ISS war, er war zugleich der erste Europäer, der einen Langzeitaufenthalt auf der ISS absolvierte. Heute berät er den Generaldirektor der europäischen Weltraumbehörde ESA .

Die erste Mondlandung im Faktencheck

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  • 1. Behauptung: Die „wehende“ Flagge

    Die „wehende“ US-Flagge ist das anschaulichste Beispiel für die angeblich gestellte Mondlandung. Da auf dem Mond kein Wind bläst, dürfe die Fahne nicht wehen, monieren Kritiker. Allerdings: Die Bewegungen des Stoffes, der an einer Querstrebe hängt, stammen von keiner Brise, sondern von Erschütterungen des Fahnenmastes - etwa beim Einstecken oder Ausrichten, wie Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betont. Da der Mond keine Atmosphäre hat, wird das Wackeln des Stoffes kaum gebremst.

    Foto: Nasa/EPA/pa
  • 2. Behauptung: Fußabdrücke im Mondstaub

    Viele Bilder zeigen Spuren der Raumfahrer im Mondstaub. Wie kann der knochentrockene Staub die Form halten, fragen Kritiker. Urs Mall vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erklärt die gute Bindung vor allem mit der Konsistenz des extrem feinen Mondstaubs. Dessen Bausteine seien nie durch Wind oder Wasser abgeschliffen worden, kantig geblieben und hafteten daher besonders gut aneinander.

    Foto: Nasa dpa
  • 3. Behauptung: Zu niedrige Hüpfer

    Die Sprünge der Astronauten auf der Mondoberfläche seien zu niedrig, wenden Zweifler ein. Angesichts der geringen Gravitation - etwa ein Sechstel der irdischen Schwerkraft - hätten die Raumfahrer meterhoch springen können. Mall führt die niedrigen Hüpfer vor allem auf die etwa 85 Kilogramm schweren Raumanzüge und die eingeschränkte Beweglichkeit zurück. Jaumann ergänzt, es sei nicht um hohe Sprünge gegangen. Aus Sicherheitsgründen hätten sich die Raumfahrer mit kleinen Hüpfern oder Trippelschritten bewegt.

    Foto: Neil Armstrong/NASA/dpa
  • 4. Behauptung: Mangelnde Haftung des Mondfahrzeugs

    Die Astronauten fuhren mit Fahrzeugen über den Mond. Angesichts der geringen Schwerkraft hätten die Rover aus den Kurven rutschen müssen, meinen Zweifler. Die Fliehkraft hängt jedoch insbesondere von Radius und Geschwindigkeit ab. Das Höchsttempo der Fahrzeuge lag laut Nasa bei etwa 15 Kilometern pro Stunde. Das entspricht - bei ähnlichem Untergrund - rechnerisch etwa der Fliehkraft, die ein irdisches Auto bei gleichem Radius mit 37,5 Stundenkilometern hätte. Dass die Astronauten die Kurven mit Vollgas fuhren, ist äußerst unwahrscheinlich.

    Foto: Nasa dpa
  • 5. Wiederkehrende „Kulissen“

    Ähnlichkeiten der Mondlandschaft auf verschiedenen Bildern gelten als Beleg dafür, dass im Studio stets gleiche Kulissen verwendet wurden. Allerdings verwundern wiederkehrende Motive nicht, schließlich machten die Astronauten an ihren Landestellen Tausende Fotos aus verschiedenen Perspektiven, wie Mall erläutert. Zudem betont er, dass sich die Landschaften an den Landestellen ohnehin stark ähneln - auch weil markante optische Elemente wie auf der Erde fehlten.

    Foto: NASA dpa
  • 6. Behauptung: Fehlende Fadenkreuze auf den Bildern

    Die Linsen der Hasselblad-Kameras der Astronauten enthielten Fadenkreuze - etwa um Distanzen besser einschätzen zu können. Diese Fadenkreuze scheinen an manchen Stellen hinter Objekten zu verschwinden, was Kritiker als Fotomontage deuten. Bei näherem Hinsehen zeigt sich oft, dass die Kreuze durchaus da, aber vor dunklem Hintergrund kaum erkennbar sind. Allerdings, so Jaumann, wurden später auch bearbeitete Bilder veröffentlicht.

    Foto: EPA/NASA / HO
  • 7. Behauptung: Keine Sterne am Himmel

    Auf den Bildern der Astronauten sind am Himmel keine Sterne zu sehen. Die Astronauten betraten den Erdtrabanten tagsüber - ein Mondtag dauert zwei Wochen. Auf den Bildern ist der Kontrast zwischen der grellen Mondoberfläche und dem dunklen Himmel viel zu stark, als dass lichtschwache Pünktchen am Firmament sichtbar wären.

    Foto: /NASA/EPA/dpa
  • 8. Behauptung: Der Schattenwurf passt nicht

    Dass Schatten auf den Bildern in verschiedene Richtungen verlaufen oder gestaucht sind, führen Kritiker auf verschiedene Lichtquellen zurück. Grund dafür sind laut Mall vor allem Unebenheiten der Mondoberfläche. Dadurch können Schatten länger, kürzer oder verzerrt erscheinen.

    Foto: NASA/dpa
  • 9. Behauptung: Fehlender Landekrater

    Unterhalb der Landekapseln sieht man keinen Landekrater und kaum Staub. Kein Wunder, sagt Jaumann: Die Landestellen seien nicht senkrecht, sondern seitlich angeflogen worden. Die Triebwerke hatten demnach nicht die Kraft, Krater in das feste Mondgestein zu brennen.

    Foto: LWL Naturkundemuseum
  • 10. Behauptung: Tödliche Strahlung

    Beim Hin- und Rückflug waren die Besatzungen vor allem im Van-Allen-Gürtel, einem die Erde umgebenden Strahlungsring, erhöhter Teilchenstrahlung von der Sonne ausgesetzt. Diese Belastung hätte Stunden angedauert und tödlich sein können, wenden Kritiker ein. Mall schätzt die Dauer für die Durchquerung des Van-Allen-Gürtels auf etwa eine Stunde, wobei die Crew durch die Aluminium-Hülle der Raumkapsel geschützt war. Die Astronauten waren demnach zwar erhöhter Strahlung ausgesetzt, aber die Dosis war überschaubar. Die Nasa habe die Flugbahn der Missionen so gelegt, dass die intensivsten Strahlungsbereiche umflogen wurden.

    Foto: NASA

Anders als bislang gehe es nun nicht mehr darum, „mal eben kurz zum Mond zu fliegen“ – sondern darum, dort eine permanente Basis zu errichten. 2024 sollen mit dem NASA-Raumschiff Orion wieder Menschen auf den Mond fliegen, die Servicekapsel (in der die Astronauten arbeiten) wird die ESA beisteuern. Reiter hofft, dass US-Präsident Donald Trump die erforderlichen finanziellen Mittel demnächst freigibt.

Beeindruckende Aufnahmen

Die Basis, die dann auf dem Mond gebaut wird, soll tiefere Einblicke ins All ermöglichen – und als Hub für Flüge zum deutlich weiter entfernten Mars dienen. Zwei bis zweieinhalb Jahre werden bemannte Mars-Missionen dauern, schätzt Reiter. In den 2030er-Jahren werden wohl die ersten Menschen auf den „roten Planeten“ fliegen.

Reiter zeigte am Donnerstagabend beeindruckende Aufnahmen vom Mars – darunter vom längsten Canyon des Sonnensystems (4000 Kilometer) und vom höchsten Vulkan (26 Kilometer). Auf dem Mars gibt es Methangas – Reiter sieht dies als Anzeichen dafür, dass es dort einmal Leben gab oder vielleicht sogar noch gibt. Eine Sonde, die 2020 auf dem Mars landen soll, werde sich auf die Suche nach Methangas begeben.

Noch viele Fragen offen

Doch bevor Menschen zum Mond fliegen, gelte es noch viele Fragen zu lösen. So leiden Astronauten umso mehr unter gesundheitlichen Problemen, je länger sie im All sind. Aktuell laufen Forschungen, ob man Astronauten auf dem langen Flug zum Mars in einen Tiefschlaf versetzen kann – ähnlich wie beim Winterschlaf der Tiere. Unter anderem könne dann der bei Raumflügen übliche Muskelabbau gebremst werden. Noch nicht gelöst ist laut Reiter die Frage, wie man die hohe Belastungen durch kosmische Strahlung reduzieren kann.

Sie gilt als gefährlich, kann unter anderem Krebs auslösen. Aktuell werde zudem erforscht, wie man in den Raumstationen den Umgang mit Abwasser und die Sauerstoffversorgung optimieren kann. So werden derzeit Algen getestet, die Sauerstoff produzieren und danach verzehrt werden können. Reiter berichtete natürlich auch von seinen eigenen Weltraumerfahrungen. Zum Beispiel davon, dass man beim Einschlafen die kosmische Strahlung als Lichtblitze in den Augen wahrnimmt. „Wenn man nicht einschlafen kann, zählt man statt Schäfchen einfach Lichtblitze“, so Reiter.

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