Brand in Telgte: Revisionsprozess
Versuchter Mord – oder nicht?

Telgte -

Im Juni 2018 war ein heute 22-jähriger Syrer unter anderem wegen besonders schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Jetzt begann der Revisionsprozess am Landgericht Münster.

Dienstag, 20.08.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 16:01 Uhr
In diesem Haus am Sperberweg in Telgte hatte es am 1. Oktober 2017 gebrannt.
In diesem Haus am Sperberweg in Telgte hatte es am 1. Oktober 2017 gebrannt. Foto: Große Hüttmann

Die vorsätzliche Brandlegung zur Nachtzeit im Oktober 2017 in einer Wohnung am Sperberweg, bei der ein Sachschaden von 100 000 Euro entstand, hätte für Bewohner eines Mehrfamilienhauses auch tödlich enden können. Die meisten der zum Teil schlafenden Personen konnten sich selbst in Sicherheit bringen. Ein Bewohner musste von den Rettungskräften mit einer Drehleiter vom Balkon im zweiten Obergeschoss in Sicherheit gebracht werden. Der Mann erlitt eine schwere, eine weitere Person eine leichte Rauchgasvergiftung.

Ein in dem Haus wohnender, heute 22-jähriger Syrer war vom Landgericht Münster im Juni 2018 unter anderem wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung sowie wegen Versicherungsbetruges zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Jetzt begann der Revisionsprozess.

"Ich hatte Angst und Panik"

Knapp zwei Jahre nach der Tat, muss sich der mutmaßliche Täter erneut vor dem Landgericht verantworten. Eine große Strafkammer verhandelt seit Dienstag an über eine rechtliche Neubewertung der Tat. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aufgehoben und an eine andere Strafkammer des Landgerichts in Münster zurückgewiesen. Es soll geklärt werden, ob der Rücktritt vom versuchten Mord entsprechend gewertet wurde.

Wie im Ursprungsverfahren machte der 22-Jährige gleichlautende Angaben zu seiner Biografie und dem Tathergang. Demnach hatten ihn Gedanken an seine weit entfernt wohnende Familie und andere Probleme traurig und depressiv gemacht. Das habe dazu geführt, dass er im Wohnzimmer und Schlafzimmer Feuer legte. „Als ich das Feuer nicht mehr kontrollieren konnte, habe ich versucht, es mit einer Decke zu löschen, was nicht funktionierte. Ich hatte Angst und Panik und wusste gar nicht, was ich tun sollte.“ sagte der Angeklagte.

Angeklagter setzte Notruf ab

Um von seiner Tat abzulenken, brachte er sich mit einem Küchenmesser eine Stichverletzung im Bauch bei. Zur Untermauerung eines „Diebstahls“ warf er seine Geldbörse und Geld auf den Boden. Dann setzte er einen Notruf ab. „Polizei, brauche Hilfe, Dieb in meinem Haus. Hat mich gestochen, kommt schon Blut. Es brennt, bitte schnell schnell.“ Dass es sich bei dem Objekt um ein Mehrfamilienhaus handelte, hatte er indes verschwiegen.

► Der Prozess wird fortgesetzt.

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