Was die Polizei zu den Gaffern sagt
Strafanzeige knapp entgangen

Lengerich -

Gaffer, die bei einem Unfall nichts anderes zu tun haben, als ihr Handy aus der Tasche zu fischen und einen schwer verletzten Mann zu filmen, machen Polizeibeamten und Rettungskräften das Leben schwer. So geschehen bei einem Unfall in Lengerich, bei dem ein Motorradfahrer am Mittwoch verunglückt ist.

Freitag, 30.08.2019, 05:01 Uhr aktualisiert: 30.08.2019, 07:19 Uhr
Der Unfall ereignete sich direkt an der Einmündung der Straße An den Burwiesen auf die Ringeler Straße.
Der Unfall ereignete sich direkt an der Einmündung der Straße An den Burwiesen auf die Ringeler Straße. Foto: NWMTV

Ein Motorradfahrer verunglückt schwer. Polizisten sind im Einsatz, sichern Unfallstelle und Unfallspuren, regeln den Verkehr, befragen Beteiligte und unterstützen auch noch die Rettungskräfte, die sich um den am Boden liegenden Mann kümmern. Dessen Schmerzen sind so stark, dass er laut schreit. So geschehen am Mittwochnachmittag auf der Ringeler Straße in Höhe der Einmündung An den Burwiesen. Verfolgt wird das Geschehen von zahlreichen Passanten. Einige von ihnen fallen im Laufe des Geschehens sehr negativ auf.

Schaulustige rückten immer näher

Diese Zeitgenossen eilten schnurstracke zum Unfallort, zückten ihr Handys und hatten offensichtlich nichts anderes im Sinn, als den am Boden Liegenden zu fotografieren oder zu filmen. Zwei Männer versuchten zwar mit einer großen Decke, den jungen Mann abzuschirmen, allerdings gelang das nur bedingt.

Die Schaulustigen rückten zunächst sogar ungerührt immer näher an das dramatische Geschehen heran. Freundliche Hinweise der Beamten, sich bitte zu entfernen, kümmerten sie nicht. Wie berichtet, wurde ein Polizist schließlich mehr als deutlich: „Es ist eine Schande, was Sie hier machen. Sie sollten sich schämen“, rief er den Männern und Frauen zu. Erst da kamen die meisten zur Besinnung und räumten das Feld.

Ein Vorgang, der auch in der Pressestelle der Kreispolizeibehörde für Empörung und Verständnislosigkeit gesorgt hat. Sprecher Johannes Tiltmann findet deutliche Worte: „Es kann doch nicht sein, dass wir Unfallopfer hinter Decken verstecken müssen, weil es solche Menschen gibt.“ Und er sagt, dass die Gaffer Glück hatten, nun nicht strafrechtlich belangt zu werden.

Gefängnis- oder Geldstrafe drohen

Denn diese Möglichkeit bietet das Strafgesetzbuch seit einigen Jahren. Tiltmann verweist auf Paragraf 201a, in dem es um die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ geht. Mit einer Gefängnis- oder Geldstrafe muss danach unter anderem derjenige rechnen, der „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt“. Es reicht also, wie an der Ringeler Straße vielfach geschehen, Fotos mit dem Handy zu machen.

Weiter sagt der Polizeisprecher, dass es seinen Kollegen angesichts des Erlebten möglich gewesen wäre, Handys zur Beweissicherung zu konfiszieren. Und auch Platzverweise hätten ausgesprochen werden können, etwa um zu verhindern, dass Unfallspuren verwischt oder beseitigt werden. Dass all das nicht passiert ist, ist seinen Worten zufolge allein dem Umstand geschuldet, dass „oberste Priorität“ bei einem Unglück die eigentliche Notlage habe.

Die eingesetzten Beamten müssen sich also zunächst vollkommen dem Unfallgeschehen und dessen Folgen widmen – wie am Mittwoch passiert. Hätte es ein größeres Personalaufgebot gegeben, vermutet Tiltmann, wäre es kaum bei dem einen geharnischten Satz des Kollegen Richtung Gaffer geblieben.

In den Sozialen Medien wurde die Berichterstattung der WN über den Unfall mit einer Reihe von Kommentaren versehen. Zu finden waren dort Stellungnahmen wie „Gaffer, die beim Unfall filmen, bitte mit 200 Sozialstunden auf chirurgischen Unfallstation arbeiten lassen“ und: „Diesen Leuten sollte auf Lebenszeit der Führerschein entzogen werden, ist dieser nicht vorhanden, eine spürbare Geldstrafe“.

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