Indro-Umfrage zum Bremer Platz
Drogenszene hält Anwohnerbeschwerden für gerechtfertigt

Münster -

Zurzeit läuft das Werkstatt-Verfahren zur Neugestaltung der Grünfläche des Bremer Platzes auf vollen Touren. Anwohner und Interessengruppen beteiligen sich fleißig mit ihren Wünschen – doch zu den „Hauptnutzern“ gehört auch die Drogenszene. Der Verein Indro hat in einer Umfrage nun auch deren Bedürfnisse abgefragt. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Freitag, 30.08.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 30.08.2019, 22:34 Uhr
Die Drogenszene gehört zu den „Hauptnutzern“ der Grünfläche am Bremer Platz. Deshalb hat der Verein Indro auch bei ihr abgefragt, was bei der Umgestaltung zu berücksichtigen wäre.
Die Drogenszene gehört zu den „Hauptnutzern“ der Grünfläche am Bremer Platz. Deshalb hat der Verein Indro auch bei ihr abgefragt, was bei der Umgestaltung zu berücksichtigen wäre. Foto: Matthias Ahlke

Das von der Stadt im Zuge der geplanten Neugestaltung der Grünfläche des Bremer Platzes initiierte Werkstatt-Verfahren, an dem die Bürger und Interessengruppen partizipieren, ist in vollem Gange.

Damit auch das Meinungsbild der Drogenszene, die laut Ratsbeschluss nicht von der Grünfläche verdrängt werden soll, erfasst und in die Planungsgremien mit eingebracht werden kann, hat der Drogenhilfeverein Indro eine Szenebefragung durchgeführt.

Leiter Ralf Gerlach stellte nun die Ergebnisse vor: „Wir haben nun einen recht präzisen Einblick in die mit der Neugestaltung verbundenen Problemkonstellationen aus Sicht der Drogenszene erhalten“.

Sichtschutz, Müllentsorgung und Toiletten nachbessern

93,3 Prozent der Drogenabhängigen hielten demnach die Beschwerden von Anwohnern für gerechtfertigt, so Indro in einer Mitteilung. Sie plädierten für mehr Sicht- und Wetterschutz, zusätzliche Müll- und Spritzen entsorgungsmöglichkeiten so wie für eine vernünftige Toilettenanlage.

Darüber hinaus wünschten sich über zwei Drittel eine regelmäßige Anwesenheit von Sozialarbeitern direkt auf der Szene, so Indro weiter, und 85 Prozent befürworteten die Einrichtung einer Diamorphin-Ambulanz in Münster.

Polizeikontrollen verdrängen die Szene

Kritisch wird das verschärfte Vorgehen der Polizei gesehen. Der erhöhte Kontrollumfang trage mit dazu bei, dass Teile der Szene – zumindest zeitweise – in Seitenstraßen, Hauseingänge und Hinterhöfe verdrängt werden.

Große Sorge, so Ralf Gerlach, bereite die hohe Wohnungslosenquote der Drogenabhängigen auf der Szene, die bei 39,6 Prozent liegt. „Diese Menschen halten sich dort auf, weil ihnen keine privaten Aufenthaltsmöglichkeiten zur Verfügung stehen“.

Angespannter Wohnungsmarkt Problem

Die Drogenhilfe stehe mittlerweile fast machtlos einem angespannten Wohnungsmarkt mit für Drogenabhängige nicht mehr bezahlbarem Wohnraum gegenüber und könne kaum noch bezahlbare Mietwohnungen vermitteln.

Der vollständige Ergebnisbericht der Szenebefragung steht im Internet auf den Seiten des Vereins Indro unter „News“ zur Verfügung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6888055?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
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