Demonstration am Samstag
Der lange Weg zum Psychotherapeuten

Münster -

Angehende Psychotherapeuten werden am Samstag auf dem Prinzipalmarkt für bessere Bedingungen in der Ausbildung demonstrieren. Anlass ist die bevorstehende Reformierung des Psychotherapeutengesetztes, über die der Bundestag demnächst entscheiden wird. Und damit sind angehende Psychologen gar nicht einverstanden.

Donnerstag, 05.09.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 09:07 Uhr
Mahnen Verbesserungen bei der Psychologen-Ausbildung an (v.l.): Tina Dusend (Sprecherin der Psychotherapeuten-Ausbildung NRW), Marieke Reepen (Fachschaft Psychologie) sowie Katharina Lenz (Psychotherapeutin in Ausbildung).
Mahnen Verbesserungen bei der Psychologen-Ausbildung an (v.l.): Tina Dusend (Sprecherin der Psychotherapeuten-Ausbildung NRW), Marieke Reepen (Fachschaft Psychologie) sowie Katharina Lenz (Psychotherapeutin in Ausbildung). Foto: kal

Wer Psychologie studiert, darf nach Abschluss des Studiums noch lange nicht als Therapeut arbeiten. An die Universitätszeit schließt sich vielmehr eine Ausbildung – bzw. berufsbegleitende Weiterbildung – an, die sich nicht nur über mehrere Jahre erstreckt, sondern auch noch extrem teuer ist. Zwischen 30 000 und 80 000 Euro müssen die Psychotherapeuten von morgen auf dem Weg zu ihrem Traumberuf investieren, schätzt Tina Dusend , Sprecherin der Psychotherapeuten-Ausbildung NRW.

Geplante Änderungen in dem vor 20 Jahren in Kraft getretenen Ausbildungsgesetz für Psychotherapeuten würden zwar zu einigen Verbesserungen führen, doch viele Fragen seien noch ungeklärt, so Dusend. Bei einer Protestkundgebung, die an diesem Samstag um 14 Uhr auf dem Prinzipalmarkt stattfindet, wollen sich angehende Therapeuten für eine Verbesserung ihrer Situation stark machen.

Nach Abschluss unter Mindestlohn

„Bis heute ist nicht gesetzlich geregelt, welchen Status ein Therapeut in Ausbildung überhaupt hat“, sagt Dusend, die aktuell – neben 2600 weiteren Psychologen in NRW – selbst diese Ausbildung macht. So müssten angehende Therapeuten im Rahmen ihrer Ausbildung unter anderem ein bis eineinhalb Jahre in einer Klinik absolvieren. „Doch nicht einmal die Hälfte der Auszubildenden erhält den Mindestlohn“, habe eine Studie ergeben. Schlimmer noch: „Zehn Prozent erhalten in dieser Zeit überhaupt kein Geld“ – müssten aber zugleich für die Weiterbildung Geld an die privaten Institute bezahlen. Folge: „Viele Therapeuten in Ausbildung müssen neben ihrer Ausbildung jobben, sich verschulden oder auf Geld von den Eltern hoffen.“

Die Ausbildung sehe zudem eineinhalb bis drei Jahre in einer Praxis oder in einer ambulanten Einrichtung vor. „Insgesamt müssen 600 Patientenstunden gesammelt werden“, so Dusend. Doch auch diese Arbeit werde nicht voll bezahlt. So erhalten die Therapeuten in Ausbildung oft nur 30 bis 50 Prozent des Betrages, den die Praxen für ihre Arbeit von den Kassen erhalten.

Zwei-Klassen-Gesellschaft an den Unis

Immerhin: Einige Verbesserungen seien mit den geplanten gesetzlichen Veränderungen verbunden. So sollen künftig Psychologen direkt nach einer Ausbildung – ähnlich wie Mediziner – eine Approbation erhalten. Bei den Weiterbildungsinstituten und in den Kliniken wären sie dann ganz offiziell angestellt – und bekämen, anders als jetzt, ein Gehalt. Wo dieses Geld allerdings herkommen soll, sei bislang nicht geklärt.

Und auch eine Übergangsregelung für jene Studenten, die vom neuen Gesetz noch nicht profitieren werden, sei bislang nicht im Gesetz enthalten. „Dann wird es an den Universitäten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben“, befürchtet Dusend: Studenten, die auf eine bezahlte Ausbildung zählen können – und Studenten, die für ihre Ausbildung noch selber zahlen müssen.

Dusend schätzt, dass 30 bis 50 Prozent der Psychologen nach der Uni eine Therapeuten-Ausbildung machen. Angesichts der unsicheren finanziellen Perspektiven fragten sich jedoch viele, ob sie überhaupt eine solche Ausbildung machen sollten. „Und das in einer Zeit, in der immer mehr Therapeuten benötigt werden“, sagt Dusend.

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