Musik-Campus
Stadt favorisiert die Hittorfstraße

Münster -

Münsters Stadtspitze plädiert für den Bau eines Musik-Campus an der Hittorfstraße. Der Rat soll Anfang Oktober einen Grundsatzbeschluss fassen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Die Verwaltung erteilt zwei anderen Standorten eine Absage.

Donnerstag, 05.09.2019, 19:28 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 19:30 Uhr
Musik-Campus: Stadt favorisiert die Hittorfstraße
Die Stadtspitze um Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) und Stadtbaurat Robin Denstorff (l.) favorisiert mit Uni-Rektor Prof. Johannes Wessels das große Grundstück des ehemaligen WWU-Institutes für Pharmazie an der Ecke Einsteinstraße/Hittorfstraße Foto: Oliver Werner

Die Ouvertüre für einen gemeinsamen Musik-Campus von Stadt und Universität ist gespielt, jetzt soll der erste Akt folgen. Die Verwaltung bringt in der Ratssitzung am Mittwoch (11. September) eine umfangreiche Vorlage zu Münsters größtem kulturellen Bauvorhaben seit der Eröffnung des Theaters 1956 ein,  die in den Ausschüssen beraten und am 9. Oktober vom Rat mit einem Grundsatzbeschluss verabschiedet werden soll.

Die in zehn Punkten unterteilte Beschlussempfehlung sieht vor, dass die Politik ihren Willen zur Errichtung eines Musik-Campus bekräftigt. „Ein Nein wäre ein historischer Fehler“, so Oberbürgermeister Markus Lewe . Baubeginn könnte in den Jahren 2023/24 sein.

Win-win-win-Situation

Lewe und der Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU), Prof. Dr. Johannes Wessels , stellten  das gemeinsame Kooperationsprojekt am Donnerstag vor. Danach sollen die Westfälische Schule für Musik , das Sinfonieorchester der Stadt und die Musikhochschule der Universität auf einem Musik-Campus eine neue Heimat finden. „Die Kooperation hat riesiges Potenzial. Es ist für alle eine Win-Win-Win-Situation, betonte Wessels. Ein Gutachten sieht drei Gebäude mit zusammen 17 .500 Quadratmetern Nutzfläche vor, die errechnete Bruttogeschossfläche liegt bei 30. 000 Quadratmetern. Herzstück soll ein Konzert- und Konferenzsaal mit 1200 Plätzen sein.

Kommentar: Gretchenfrage Finanzen

Die Vorstellung begeistert: Schüler, Studenten und Musiker der Westfälischen Schule für Musik, des Sinfonieorchesters der Stadt und der Musikhochschule der Uni, aber auch der freien Szene, musizieren und lernen gemeinsam auf einem Musik-Campus. In zeitgemäßen Räumen, mit qualifizierter Akustik. Und in einem Konzertsaal, der sich auch für Kongresse eignet.

Die Landesregierung applaudiert und stellt Fördergelder in Millionenhöhe in Aussicht. Und wartet kurzfristig auf ein Bekenntnis der Kommunalpolitik. Ob dieser notwendige Grundsatzbeschluss – wie geplant – bereits Anfang Oktober mehrheitlich fällt, wird sich zeigen.

Zwar scheint bei der Standortfrage das für die Universität verfügbare Grundstück an der Hittorfstraße nicht zuletzt wegen des großen Flächenbedarfs favorisiert. Ungeklärt aber ist bislang die Finanzfrage. Eine Berechnung der Uni ergab grob Kosten von 160 bis 180 Millionen Euro und einen städtischen Anteil von 60 Millionen Euro. In der Ratsvorlage steht dazu: nichts. Ein bisschen konkreter wäre es – angesichts der Haushaltslage und der zig Millionen, die gerade in Schulen, Kitas, Verkehrswende, Bäder und Stadion fließen – nicht schlecht. Ralf Repöhler

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Die Verwaltungsvorlage favorisiert in der Standortfrage das 16 .200 Quadratmeter große Grundstück des ehemaligen WWU-Institutes für Pharmazie an der Ecke Einsteinstraße/Hittorfstraße. „Vieles spricht dafür“, sagte Lewe. Für diesen Standort sollen nun vertiefende Analysen durchgeführt werden. Zugleich sollen Raum-, Funktions- und Nutzungskonzepte sowie ein Modell für die Trägerschaft und den Betrieb entwickelt werden.

Schlechte Chancen für den Hörster Parkplatz

Der Hörster Parkplatz,  immer wieder ins Gespräch gebracht, scheidet mit einer Fläche von 8200 Quadratmetern aus Sicht der Verwaltung aus. Hier müsste unangemessen hoch und dicht gebaut werden, das Konzept eines offenen Musik-Campus lasse sich nicht realisieren, so Stadtbaurat Robin Denstorff. Acht Geschosse wären nötig. Das Entwicklungspotenzial dieses Standortes soll nun in einem Quartiersentwicklungsprozess für das Martiniviertel  erschlossen werden.

So sieht es mit der Finanzierung aus

Der Rat soll am 9. Oktober einen Grundsatzbeschluss für einen gemeinsamen Musik-Campus von Stadt und Universität fassen. Auch wenn in der am Donnerstag vorgestellten Ratsvorlage zum notwendigen Finanzbedarf nichts steht, sind Oberbürgermeister Markus Lewe und Uni-Rektor Prof Dr. Wessels optimistisch.

Die Signale aus Düsseldorf, das „Jahrhundertprojekt“ (Lewe) zu unterstützen, seien eindeutig. Konkret sollen schon mal die 80 Millionen Euro in den Campus fließen, die das Land bereits für einen Neubau der Musikhochschule der Universität zugesagt hat. Auch haben sich private Förderer und Sponsoren an Lewe und Wessels gewandt, die das Projekt „im sechsstelligen Bereich“ unterstützen wollen. Wenn der Rat den Grundsatzbeschluss fasst, sollen sich in diesem Jahr alle potenziellen öffentlichen Geldgeber zu einer Art Geber-Konferenz versammeln. Auch die Aussichten auf Fördermittel des Bundes sind bei diesem „in Europa einzigartigen Projekt“ nicht schlecht, so Wessels.

Der städtische Anteil könnte nach einer ersten Berechnung der Uni bei 60 Millionen Euro liegen; die Gesamtkosten werden mit 160 bis 180 Millionen Euro eingeschätzt. „Der Worst Case (schlimmste Fall) wäre es, wenn das Projekt nicht finanzierbar wäre“, sagte Lewe. Ralf Repöhler

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Die Verwaltung spricht sich auch gegen einen Musik-Campus im Bereich des südlichen Schlossplatzes (Parkplatz der Universität) und auf der Grünfläche von ehemaligem Lindenhof und altem Zoo aus. Eine räumliche Trennung der Campus-Gebäude würde der Projektphilosophie widersprechen.

Eckdaten Musik-Campus

Das Musik-Forum würde für alle Beteiligten einen Konzertsaal mit 1200 Plätzen schaffen, führte der Uni-Rektor auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag aus. Für Konferenzen wäre der Saal laut städtischer Pressemitteilung  auf 1500 Plätze erweiterbar. Der Campus wäre "Ort für alle" - fester Sitz der drei Partner Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester und nicht zuletzt auch erste Adresse für externe Konzertveranstalter. Prof. Wessels: "Er ist ein Ort für die ganze Stadtgesellschaft. Der Stadtgesellschaft, als deren Teil sich die Universität mit ihren Wissenschaftlern, Studierenden und Beschäftigten ausdrücklich versteht."

Ein Gutachten der Metrum Managementberatung sieht für den Musik-Campus drei Gebäude mit insgesamt etwa 17 500 qm Nutzfläche vor.

- Davon entfallen rund 7000 qm auf das gemeinsam genutzte Hauptgebäude mit Konzertsaal, der auch als Konferenzsaal genutzt werden kann, mit Kammermusiksaal, Pop-Bühne, Werkstattbühne und Räumen für Proben und zum Üben.

- Das 6800 qm große Gebäude der Musikhochschule enthält unter anderem Unterrichts-, Übe- und Seminarräume sowie  Arbeitsräume für Studierende.

- Die Westfälische Schule für Musik benötigt etwa 2800 qm für Unterricht und Aufführungen, einschließlich einem Tonstudio und Raum für digitale Tonproduktion.

- Das Sinfonieorchester hat einen Raumbedarf von zirka 900 qm; es kann unter anderem den Konzertsaal, die Proberäume und eine Orchesterbühne für bis zu 100 Musiker nutzen.

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