Vier Höfe im Kreis Steinfurt
Neuer Alarm im Schweinestall

Kreis Steinfurt -

Wieder gibt es diese Bilder, die niemand sehen möchte. Wieder sind Schweine zu sehen, die offene Wunden haben oder deren Schwänze abgefressen sind. Wieder liegen Kadaver in den Ställen. Diesmal stammen die Bilder aus dem Kreis Steinfurt, angeblich von vier Höfen in Rheine und Emsdetten.

Dienstag, 17.09.2019, 10:32 Uhr aktualisiert: 17.09.2019, 10:37 Uhr
Vier Höfe im Kreis Steinfurt: Neuer Alarm im Schweinestall
Das ist ein Foto der harmloseren Sorte. Der Verein „Tierretter“ hat aus den vier Ställen noch ganz andere Aufnahmen erhalten. Foto: Tierretter.de

Das Material ist dem Verein „Tierretter e.V.“ zugespielt worden, der WDR strahlte die Bilder am Sonntagabend aus. Die Organisation war es auch, die vor zwei Jahren Bilder aus den Stallungen der damaligen NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking ( CDU ) aus Burgsteinfurt veröffentlicht hatte, die Ähnliches zeigen.

Die erste Reaktion am Montag : Schock, Ärger, Unverständnis. Sowohl der Westfälische-Landwirtschaftsverband (WLV) als auch der Steinfurter Kreisveterinär äußern sich gleichlautend und sprechen von Zuständen, die „inakzeptabel“ seien. Dass die Bilder authentisch sind, daran besteht offenbar kein Zweifel. „Die Betriebsleiter haben uns bestätigt, dass einige der Bilder aus ihren Ställen stammen“, erklärte WLV-Sprecher Hans- Heinrich Berghorn auf Nachfrage. „Die Bilder aus den Ställen im Kreis Steinfurt sind schrecklich und machen erneut deutlich, dass unser aktuelles System der Fleischerzeugung nicht mehr funktioniert“, teilte NRW-Grünen-Chefin Mona Neubaur mit.

Verstöße gegen das Tierwohl

Mehrfach waren in der Vergangenheit Bilder aus Ställen im Münsterland veröffentlicht worden, in denen offensichtlich gegen das Tierwohl verstoßen wurde. Von den illegalen Hausbesuchen betroffen waren bisher Agrarfunktionäre. Neben Schulze Föcking wurden Aufnahmen aus Stallgebäuden des westfälischen Bauernpräsidenten Johannes Röring und solchen des Vorsitzenden des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion, Paul Hegemann aus Saerbeck, veröffentlicht.

Die jetzt von „Tierretter e.V.“ veröffentlichten Fotos stammen erstmals von Betrieben, deren Leiter kein Agraramt ausüben. Das Videomaterial stammt „aus Mitte und Ende August“, teilt „Tierretter e.V“. am Montag mit. „Die Aufnahmen zeigen dabei Zustände, die gemeinhin jeder Mensch als Tierquälerei bezeichnen würde.“ In den Ställen hätten „untragbare hygienische Zustände“ geherrscht. „Verwesende Kadaver“ hätten in Stallgängen gelegen. Wer die Aufnahmen gemacht hat, ist unklar. Die Tierretter-Organisati­on teilt nur mit, dass ihnen die Bilder übergeben worden seien.

Personal im Veterinäramt aufgestockt

Nach dem Fall Schulze Föcking hatte der Kreis Steinfurt Personal im Veterinäramt aufgestockt und die Zahl der Kontrollen erhöht. Nach Angaben von Dr. Christoph Brundiers werden bei etwa jeder zehnten Kontrolle Mängel festgestellt. Probleme bereite weiterhin der Umgang mit kranken Tieren.

Der Nachfolgerin Schulze Föckings im Amt der Agrarministerin reicht das offenbar nicht. Ursula Heinen-Esser (CDU) will bereits 2020 einen Tierschutzbeauftragten einsetzen. „Ich möchte insbesondere die landwirtschaftliche Nutztierhaltung anhand wichtiger tierschutzfachlicher Themen weiterentwickeln und gleichzeitig den Tierschutz insgesamt stärken“, teilte sie vor ein paar Tagen mit. „Um tragfähige Veränderungen in der Tierhaltung zu etablieren, müssen wir mit allen Beteiligten einen konstruktiven Dialog führen.“

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