Einzelhandel Peters in Vadrup schließt nach 67 Jahren
„Bitte 300 Gramm Nägel“

Westbevern -

Nach 67 Jahren schließt zum Jahresende eines der ältesten noch verbliebenen Telgter Geschäfte: Einzelhandel Peters an der Grevener Straße in Vadrup.

Samstag, 05.10.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 13:58 Uhr
Franz-Josef Peters zeigt hier seine Bördelmaschine, mit der seine Tante Anni über zwei Jahrzehnte lang Dosen mit Fleisch verschlossen hat. Klara Hildebrandt zeigt auf ihrer Verkaufstheke die gusseiserne Waage aus den 50er Jahren, mit der sie auch heute noch etwa Nägel verkauft.
Franz-Josef Peters zeigt hier seine Bördelmaschine, mit der seine Tante Anni über zwei Jahrzehnte lang Dosen mit Fleisch verschlossen hat. Klara Hildebrandt zeigt auf ihrer Verkaufstheke die gusseiserne Waage aus den 50er Jahren, mit der sie auch heute noch etwa Nägel verkauft. Foto: Bernd Pohlkamp

Nach 67 Jahren schließt zum Jahresende eines der ältesten noch verbliebenen Telgter Einzelhandelsgeschäfte – an der Grevener Straße 102 im Stadtteil Westbevern-Vadrup gelegen – für immer seine Pforten: Bei Josef Peters mit den Bereichen Haushaltswaren, Geschenkartikel, Gartenmöbel, Land- und Gartentechnik, gehen die Lichter aus. Mit der Familie Franz-Josef und Monika Peters gibt ein echtes Telgter Traditionsunternehmen mit Beveraner Wurzeln sein Ladengeschäft auf.

Angefangen hatte alles mit Josef Peters, dem Vater von Franz-Josef, der nach dem Krieg den großen Bedarf der Menschen nach Haushaltswaren erkannte und neben seiner Schmiede im Mai 1951 ein Einzelhandelsgeschäft und 1954 eine Tankstelle eröffnete. 1974 wurde die Sparte „Gartenmöbel“ zusätzlich aufgenommen. Die Schmiede, die Wiege der Familie, ist sogar noch älter. Sie gibt es seit 1838 in fünfter Generation. Doch auch diesen Bereich gibt die Familie aus Altersgründen im Jahresverlauf 2020 auf.

Jahrzehnte lang führte die Grevener Straße direkt an Peters Ladengeschäft und an der Tankstelle vorbei. Die Umgehungsstraße, die 2005 kam, und das Internet, nahmen dem Einzelhandel die Basis und trugen dazu bei, dass die Tankstelle bereits 1998 geschlossen wurde. Schließlich reifte auch der Entschluss, zum Jahresende 2019 den Einzelhandel aufzugeben. „Einen Nachfolger gibt es nicht, ist aufgrund des Strukturwandels auch nicht zu empfehlen“, bedauert Franz-Josef Peters diesen notwendigen Schritt. Mit seinen 71 Lebensjahren möchte er es etwas ruhiger angehen.

Im Rückblick gab es bei Peters viele erfolgreiche Abschnitte. In den ersten 30 Jahren wirkte „Tante Anni“ als guter Geist im Laden. Wer auch immer eine Schraube suchte, einen Nagel, einen speziellen Bolzen oder Bohrer, einen Haken oder eine Öse, wer Geschenkartikel für einen besonderen Anlass oder für den Hausstand, wer Porzellan, Elektrogeräte, Werkzeuge für die Gartenarbeit oder für den Heimwerkerbedarf benötigte, wurde von Tante Anni und ihren Angestellten sachkundig und stets freundlich beraten. Seit 1975 ist auch Klara Hildebrandt im Verkauf tätig. Sie begann bei der Firma Peters 1975 eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Nach ihrer Lehre blieb sie dort, verstärkte das Team, denn es gab viel zu tun. Auch für sie geht nun zum Jahresende ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Verkaufstätigkeit zu Ende.

Hochzeitstische als Verkaufsschlager

Zu den außergewöhnlichen Verkaufsschlagern bei Peters gehörten in den 80er und 90er Jahren Hochzeitstische, bekannt auch als Hochzeitslisten. Franz-Josef Peters erinnert sich, wie Tante Anni diesen immer wieder individuell gestaltete: „Das Hochzeitspaar kam vor der Feier zu uns, stellte eine Hochzeitsliste zusammen, in der die Geschenke aufgelistet waren. Tante Anni stellte dann die Geschenkwünsche des Brautpaares auf dem Hochzeitstisch zusammen. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte kamen zu uns ins Geschäft und wählten vom Hochzeitstisch ihr Geschenk aus. Das erleichterte den Hochzeitsgästen die Auswahl eines Geschenkes und sorgte dafür, dass das Hochzeitspaar weder ungewollte noch doppelte Präsente zur Hochzeit erhielt. Was auf dem Tisch liegen blieb, erwarb das Paar dann nach der Feier.“ Dieser Boom ließ Mitte der 90er Jahre plötzlich nach.

Eine außergewöhnliche Dienstleistung bot die Familie Peter zwischen 1951 und 1970 an. Sie unterstützte die Bauern in der Umgebung bei der Hausschlachtung mit der Konservierung von Fleisch und Wurstwaren. Franz-Josef Peters hat diese kleine Bördelmaschine, die den Verschluss von Konservendosen herbeiführte, aufbewahrt und erzählt die Geschichte: „Wenn auf einem Bauernhof in den Wintermonaten eine Hausschlachtung stattgefunden hatte, kamen die Bauern mit ihren Wurst- und Fleischwaren, die sie in offenen Blechdosen gefüllt hatten, zu uns. Mit unserer Bördelmaschine verschlossen wir die Dosen und konnten sie so konservieren.

Historische Waage ist noch in Gebrauch

Über 60 Jahre lang gehalten hat sich der Verkauf an Gummiringen samt Bügel für Einmachgläser. „Denn das Einkochen von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten oder frisch vom Markt in Einmachgläsern ist auch heute noch ein beliebtes und übliches Verfahren“, so Klara Hildebrandt.

Auf ihrer Verkaufstheke steht von Anfang an eine historische gusseiserne Waage aus den 1950-er Jahren. Diese ist auch heute noch in Gebrauch, insbesondere dann, wenn der Kunde sagt: „Bitte 300 Gramm Nägel.“

Die Familie Franz-Josef und Monika Peters will ihr Traditionsunternehmen zu einem schönen Abschluss bringen. Daher lädt sie alle zu einem Räumungsverkauf ein, der in der kommenden Woche beginnt.

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