Heerdekolleg soll Stipendiaten beherbergen
Kulturzentrum in Münster: Erste Adresse für die Kunst

Münster -

Für das alte Heerdekolleg im Bereich Hoppengarten, um das es seit der Aufgabe der Flüchtlingsunterkunft ruhig geworden ist, verfolgt die Stadt Münster große Ziele. Hier sollen in einigen Jahren junge Kunst-Stipendiaten leben und arbeiten.

Samstag, 26.10.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 26.10.2019, 15:21 Uhr
Seitdem die Flüchtlingsunterkunft aufgegeben wurde, ist das alte Heerdekolleg am Hoppengarten teilweise in einen Dornröschenschlaf gefallen. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern.
Seitdem die Flüchtlingsunterkunft aufgegeben wurde, ist das alte Heerdekolleg am Hoppengarten teilweise in einen Dornröschenschlaf gefallen. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Foto: kb

Wenn eine Stadt zum richtigen Zeitpunkt das richtige Angebot unterbreitet, dann kann man – mit vergleichsweise geringem Aufwand – große Erfolge feiern. Genauso das scheint Münsters Kulturdezernentin Cornelia Wilkens und Marcus Lütkemeyer von der Kunsthalle Münster gelungen zu sein.

Sie wollen bis 2022/23 die leerstehenden Gebäude am Hoppengarten mit neuem Leben füllen und sie – mit Förderung des Landes NRW – zu einer ersten Adresse für ambitionierte Nachwuchskünstler machen.

Münster als Ersatzstandort

Zum Hintergrund: Das Land NRW vergibt seit Jahren Stipendien an ambitionierte Kunsthochschul-Absolventen, die dann für ein Jahr auf Schloss Ringenberg am Niederrhein leben und arbeiten dürfen.

In absehbarer Zeit steht das Schloss für dieses ambitionierte Projekt, das sich unter anderem auch an niederländische Künstler wendet, nicht mehr zur Verfügung. Münster hat es laut Wilkens geschafft, sich als Ersatzstandort für den Niederrhein anzubieten. Auch wenn noch nicht alle Details geklärt sind, so werden doch in absehbarer Zeit jeweils im Jahresrhythmus zwischen fünf und sieben bildende Künstler nach Münster kommen, darunter auch Kuratoren.

Unterkünfte und Atelierräume anbieten 

Hier kommt nun das Hoppengarten-Areal nahe des Neubaugebietes Markweg ins Spiel. Das städtische Gebäude-Ensemble beherbergt bereits jetzt einige Ateliers sowie Proben- und Lagerräume für das Theater im Pumpenhaus und diverse Theatergruppen aus der freien Szene.

Weite Teile indes stehen leer, seitdem die frühere Flüchtlingsunterkunft aufgegeben wurde. Das zwischenzeitlich an das städtische Unternehmen Wohn- und Stadt verpachtete Gebäude ging zu Jahresbeginn an die Stadt zurück und soll in den kommenden Jahren saniert und umgebaut werden – unter anderem mit dem Ziel, hier den Stipendiaten Unterkünfte und Atelierräume anbieten zu können.

Hoffnung auf Querverbindungen

„Der Hoppengarten soll zu einem herausragenden Produktionsstandort für Bildende und Darstellende Kunst in Münster ausgebaut werden“, hofft Wilkens überdies auf möglichst viele Querverbindungen, die sich zwischen der Pumpenhaus-Szene und den Stipendiaten ergeben sollen.

Und weil das Gelände des alten Heerdekollegs so groß ist, plant die Stadt hier auch noch den Bau einer Kita. 

Kommentar: Das Glück des Tüchtigen

Noch immer begeistert das von Gerhard Richter geschaffene Foucaultsche Pendel in der Dominikanerkirche die Menschen. Es verdankt seine Entstehung dem banalen Umstand, dass der langjährige Skulptur-Projekte-Kurator Kasper König und die langjährige Leiterin der Kunsthalle Münster, Gail Kirkpatrick, Münster ins Spiel brachten, als sich Gerhard Richter auf die Suche nach einem Standort für das Pendel begab.

Nach eben diesem Prinzip hat Münster jetzt – freilich ein bis zwei Stufen niedriger auf der Euphorie-Skala – einen weiteren Kultur-Coup gelandet. Ein Stipendiaten-Programm des Landes NRW für junge bildende Künstler, das bislang auf Schloss Ringenberg am Niederrhein beheimatet ist, wandert perspektivisch nach Münster und bekommt buchstäblich eine neue Heimat im alten Heerdekolleg am Hoppengarten.

Darüber kann man sich einfach nur freuen, denn das Stipendienprogramm passt ganz hervorragend in eine Kulturlandschaft, in der mit der Kunsthalle am Hafen und der Kunstakademie auf dem Leonardo-Campus wichtige Bausteine bereits vorhanden sind. Dass der Hoppengarten –  so ganz nebenbei – auch vom Theater im Pumpenhaus sowie von diversen Künstlern und freien Theatergruppen genutzt wird, macht die Sache noch besser.

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, die Kulturszene zu beobachten und beherzt zuzugreifen, wenn sich eine Chance bietet. Das bringt weitaus mehr als kulturpolitische Grundsatzdebatten. (Klaus Baumeister)

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