Mobilität neu denken
Tagung der Grünen zum Thema Verkehr

Münster -

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Diese Frage stellten sich am Samstag die Teilnehmer einer von den Grünen ausgerichteten Konferenz. Eine Forderung wurde immer wieder laut: Autos raus aus der Innenstadt.

Sonntag, 27.10.2019, 18:40 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 18:48 Uhr
Ein erster Schritt Richtung Verkehrswende: Die geplante Veloroute Münster-Telgte soll mehr Pendler aufs Rad umsteigen lassen. Die Visualisierung zeigt, wie die Fahrradstraße Bohlweg über den Ring fortgesetzt wird.
Ein erster Schritt Richtung Verkehrswende: Die geplante Veloroute Münster-Telgte soll mehr Pendler aufs Rad umsteigen lassen. Die Visualisierung zeigt, wie die Fahrradstraße Bohlweg über den Ring fortgesetzt wird. Foto: Stadt Münster

Als „riesige Baustelle“ bezeichnete Maria Klein-Schmeink das alltägliche Gedränge in die Stadt. Rund 100.000 Pendler kämen am Tag nach Münster, davon 80 Prozent mit dem Auto, sagte die Bundestagsabgeordnete der Grünen, nachdem sie am Samstag die rund 80 Teilnehmer der zweiten grünen Mobilitätskonferenz in der Gesamtschule Mitte an der Jüde­felderstraße begrüßt hatte.

Es sei wichtig, die Verkehrswende auch auf kommunaler Ebene auf die Agenda zu setzen, rief sie ihren Parteikollegen zu, die aus Münster und den Gemeinden des Münsterlandes gekommen waren, um sich Gedanken über die Mobilität der Zukunft im Münsterland zu machen.

Wenn es nach Referent Ulrich Ahlke , dem ehemaligen Leiter des Amtes für Klimaschutz im Kreis Steinfurt, geht, dann müsse das Klima möglichst schnell durch weniger Auto- und mehr Rad- sowie Bahnverkehr geschont werden. „Müssen wir einen Regionalflughafen vorhalten, den wir als Kommunen stützen, wodurch Inlandsflüge Konkurrenz zur Bahn schaffen, während wir den ÖPNV mit ehrenamtlichen Bürgerbussen bedienen müssen?“, fragte Ahlke rhetorisch. Seine Antwort: „Das kann es nicht sein.“

Zu verschiedenen Aspekten der zukünftigen Mobilität referierten u.a. (v.l.) Reinhard Schulte, Leiter Nahverkehrsmanagement Stadtwerke Münster, Ulrich Ahlke, ehemaliger Leiter des Amtes für Klimaschutz im Kreis Steinfurt, und Michael Geuckler, Geschäftsführer Zweckverband SPNV Münsterland.

Zu verschiedenen Aspekten der zukünftigen Mobilität referierten u.a. (v.l.) Reinhard Schulte, Leiter Nahverkehrsmanagement Stadtwerke Münster, Ulrich Ahlke, ehemaliger Leiter des Amtes für Klimaschutz im Kreis Steinfurt, und Michael Geuckler, Geschäftsführer Zweckverband SPNV Münsterland. Foto: Pjer Biederstädt

Nachdem Michael Geuck­ler, Geschäftsführer Zweckverband SPNV Münsterland, über die Herausforderungen und Chancen einer Vernetzung von Bahnverkehr mit dem ÖPNV referiert hatte, skizzierte Reinhard Schulte , Leiter des Nahverkehrsmanagements der Stadtwerke Münster, die Busstrategie für Münster. Dabei besonders im Fokus: der Hauptbahnhof. Der sei eine „völlige Katastrophe“, so Schulte, weil dieser bei 2000 Abfahrten am Tag jetzt schon zu klein sei, wie er mit einem Zeitraffer-Video eindrucksvoll belegte. Es gebe einfach keine Wachstumsperspektive. Die brauche es aber, wenn mehr Menschen den Öffentlichen Nahverkehr nutzen sollen. Und deshalb müsse der Autoverkehr raus aus der Bahnhofstraße.

Apropos autofrei: In Bergen, Norwegen, erzählte Schulte, müssen Autofahrer, die in die City wollen, bezahlen. Das Geld ginge zweckgebunden in den ÖPNV. So mindere man auch das Finanzierungsproblem einer teuren Verkehrswende. „Die machen uns vor, wie es geht. Wir sind hier noch elend weit zurück“, sagte Schulte.

Drei Fragen an Carsten Peters, Ratsherr und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Münster

Wie stellen Sie sich eine Verkehrswende für Münster vor?

Peters: Zunächst haben wir die heutige Mobilitätskonferenz bewusst mit einem regionalen Fokus konzipiert. Wir können nicht vom Kirchturm Münster, sondern müssen über den Tellerrand hinaus blicken und die Verkehrswende zusammen als Region angehen. Ganz generell müssen wir bei jetzt schon massiven und weiter steigenden Pendlerströmen nach Münster mehr auf öffentlichen Nahverkehr setzen. Wir brauchen mehr Bus, mehr Bahn, mehr Rad.

Und die Autos sollen raus aus der Stadt?

Peters: Den Autoverkehr müssen wir reduzieren. Natürlich müssen Busse, Taxen oder Lieferfahrzeuge fahren. Aber der Straßenraum muss neu aufgeteilt werden. Dringend brauchen wir mehr Busspuren und Velorouten.

Wie wollen Sie die Bürger für diese Ideen begeistern?

Peters: Man kann besonders den Menschen in ländlichen Regionen nicht einfach sagen, dass es ohne Auto ginge. Wir müssen die Alternativen im Münsterland gemeinsam attraktiv machen. Es muss zügig, zuverlässig und günstig sein, mit Bahn und Bus durch das Münsterland zu fahren. Das kostet viel Geld. Doch ohne Verkehrswende wird es künftig viel mehr kosten. Wir haben bereits viele gute politische Beschlüsse gefasst, viel Geld zur Verfügung gestellt. Aber die Umsetzung muss nun beschleunigt erfolgen.

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