Modellprojekt zu digitalen Fallakten
Ärzte wollen raus aus der digitalen Wüste

Münster -

Immer dann, wenn mehrere Ärz­te gemeinsam ei­nen Patienten betreuen, fallen sie kommunikativ zurück in die Steinzeit. Das soll sich ändern. Darum ist jetzt ein landesweites Modellprojekt zur digitalen Fallakte an den Start gegangen. Auch im Münsterland machen Klinik- und Hausärzte mit.

Freitag, 15.11.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 07:49 Uhr
Modellprojekt zu digitalen Fallakten: Ärzte wollen raus aus der digitalen Wüste
Symbolbild Foto: dpa

Standard derzeit: Mediziner verschicken Briefe mit Diagnosen und Therapien per Post. Oder Laborbefunde mit dem Faxgerät. Zur Not ruft der eine Arzt den anderen auch an, um ihn beispielsweise über Vorerkrankungen des gemeinsamen Patienten zu informieren. All das ist weder sortiert noch koordiniert, nie zeitgleich verfügbar und selten vollständig. Von einer „digitalen Wüste“ spricht darum Mirko Ristau , Sprecher des Vereins Digital Healthcare NRW in Düsseldorf. Gerade bei komplexeren Behandlungsabläufen sei dieser Zustand unhaltbar.

Beteiligung im Münsterland

Darum soll er verändert werden. Helfen soll dabei das Modellprojekt E-Health NRW, in dessen Rahmen in ausgewählten Regionen ab sofort der Umgang mit elektronischen Fallakten erprobt wird. Beteiligt daran sind auch Ärzte, Praxen und Kliniken aus dem Münsterland.

So führt das Franziskus-Hospital in Münster gemeinsam mit Haus- und Fachärzten in der Sparte Geriatrie erste Fallakten, währen sich das Marien-Hospital in Borken und die Hausarztpraxis Münsterland in Legden um den Umgang mit Demenz-Fallakten kümmern. Weitere Szenarien werden in Dortmund (Pädiatrie) und Aa­chen (Onkologie und Pflege) erprobt.

Der Unterschied zur elektronischen Patientenakte

Anders als in der elektronischen Patientenakte, bei der letztlich der Patient entscheidet, was hineinkommt und was nicht, wird die Fallakte von Ärzten geführt und bietet so den „Behandelnden gesicherte Informationen zu vorangegangener Diagnostik und Therapie“, erklärt Dr. Georg Diedrich, stellvertretender Vorsitzender von Digital Healthcare. So enthält die Akte Befunde, OP-Berichte, Entlassbriefe und Therapiepläne und „ist als solche lückenlos“, ergänzt Ristau.

Die elektronischen Fallakte ist als solche lückenlos.

Mirko Ristau, Digital Healthcare NRW

In vier Regionen wird gestartet. In einem weiteren Schritt soll das Projekt dann ausgerollt werden. Für den Ausbau der Telemedizin ist die elektronische Fallakte zwingend, betont der Vereins-Sprecher.

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