Viele Plätze, aber kein Platz
Wohnheimsituation für Menschen mit Behinderung

Lüdinghausen -

Der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann brachte jetzt Vertreter der Caritas und betroffene Eltern von jungen behinderten Erwachsenen und Jugendlichen an einen Tisch. Es ging um die Wohnheimplätze im Kreis Coesfeld.

Dienstag, 26.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 15:59 Uhr
Über fehlende Wohnheimplätze sprachen der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann (v.l.), Detlef Schütt (Sozialdezernent des Kreises), Stefanie Bettler und Simone Hartmann vom LWL, André Bußkamp und Christian Germing vom Caritasverband sowie Kreistagsmitglied Valentin Merschhemke jetzt mit Vertretern der Elterninitiative.
Über fehlende Wohnheimplätze sprachen der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann (v.l.), Detlef Schütt (Sozialdezernent des Kreises), Stefanie Bettler und Simone Hartmann vom LWL, André Bußkamp und Christian Germing vom Caritasverband sowie Kreistagsmitglied Valentin Merschhemke jetzt mit Vertretern der Elterninitiative. Foto: Büro Marc Henrichmann

Rein rechnerisch ist alles im grünen Bereich: 1192 Wohnheimplätze gibt es im Kreis Coesfeld für Menschen mit Behinderung. Die Zahl der Leistungsberechtigten aus dem Kreis liegt demgegenüber bei 675. Dennoch warten viele Familien jahrelang auf einen Platz für ihre Kinder oder jungen Erwachsenen. Deshalb hat sich bereits eine Initiative aus rund 40 Eltern gebildet (WN berichteten). Die brachte jetzt der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann mit Vertretern des Caritasverbandes, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Kreises Coesfeld in Lüdinghausen an einen Tisch, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Wohnung und Arbeitsplatz müssen enger miteinander verknüpft werden“, wird der CDU-Abgeordnete in dem Pressetext zitiert. Das funktioniere aktuell nur begrenzt. „Viele Beschäftigte unserer Werkstätten für Menschen mit Behinderung leben noch bei ihren Eltern oder Angehörigen“, so Christian Germing vom Caritasverband. Diese Personen seien noch nicht einmal in die Warteliste des Caritasverbandes für Wohnheimplätze eingerechnet: Insgesamt mehr als 130 Menschen aus dem Kreis Coesfeld stehen auf den Wartelisten der Einrichtungen im Kreis.

Unterversorgung

Dass die „statistische Überversorgung“ tatsächlich eine Unterversorgung ist, begründete Germing mit Menschen aus anderen Kreisen und Bundesländern, die in Einrichtungen im Kreis Coesfeld leben. „Stift Tilbeck, das Katharinenstift oder Haus Hall haben aufgrund ihrer Geschichte in der Vergangenheit Menschen aus einem riesigen Einzugsgebiet aufgenommen“, so der Caritas-Vertreter.

Dafür zeigte die Elterninitiative durchaus Verständnis. Sie wünscht sich den Bau weiterer Wohnplätze. Immerhin: Der Caritasverband plane drei Ersatzneubauten, um dem veränderten Hilfebedarf Rechnung zu tragen, sowie zwei ambulante Angebote, um das Wohnangebot zu erweitern, erläuterte Germing. Um kurzfristig helfen zu können, denke der Caritasverband darüber hinaus an Übergangslösungen. „Dafür suchen wir aktiv leerstehende Räumlichkeiten.“

Henrichmann bewertete das Gespräch positiv. „Der Austausch aller Beteiligten sowohl auf regionaler als auch auf Bundesebene ist wichtig“, betonte er. Spätestens in einem Jahr ist eine Neuauflage geplant. Auch um festzustellen, wie sich der weitere Bedarf an Wohnheimplätzen bis dahin entwickelt, heißt es abschließend.

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