Stadt Münster verleiht erstmals den Heimatpreis
„Fremd ist nur, wer fremd bleibt“

Münster -

Zum ersten Mal hat die Stadt Münster einen Heimatpreis vergeben. Den ersten, mit 8000 Euro dotierten Preis für Gruppen und Institutionen gewann der Sportverein Westfalia Kinderhaus, der zweite Preis (5000 Euro) ging an das von Thomas Behm initiierte Stadtteilfest in Mauritz-West.

Samstag, 07.12.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 08.12.2019, 18:26 Uhr
Strahlende Gesichter gab es bei der Preisverleihung im Rathausfestsaal.
Strahlende Gesichter gab es bei der Preisverleihung im Rathausfestsaal. Foto: Oliver Werner

Heimat ist ein Begriff, zu dem man sehr viel sagen kann. Also wurde bei der erstmaligen Verleihung des Heimatpreises am Samstag im Rathausfestsaal auch viel gesagt: „Heimat ist mehr als Töttchen“, meinte Oberbürgermeister Markus Lewe, „Heimat ist Identität, Identität schafft Vertrauen.“

Und da dies so staatstragend klang, hatte die eigens angereiste Heimat-Ministerin des Landes NRW, Ina Scharrenbach, auch gleich ein Kompliment der Extraklasse parat: „Münster wäre auch 2019 wieder die lebenswerteste Stadt der Welt geworden, wenn es den Wettbewerb gegeben hätte“, sagte sie in Anspielung auf Münsters Sieg 2004.

Nun, im Mittelpunkt des Wettbewerbs bei der Feierstunde im Rathausfestsaal standen münsterische Vereine, Initiativen, Einzelpersonen und Unternehmen. 62 Bewerbungen waren eingegangen, als die Stadt Münster mit dem vom Land NRW zur Verfügung gestellten Preisgeld erstmals den Heimatpreis auslobte.

Dem Publizisten Christian Schüle aus Hamburg, Autor des Buches „Heimat – Ein Phantomschmerz“ und Sprecher der Jury, fiel die Aufgabe zu, die Gewinner zu verkünden.

Heimatpreis

Hier Auszüge aus den Jury-Begründungen:

► SV Westfalia Kinderhaus: Dieser spezielle Sportverein, bei dem 60 Prozent der Mitglieder Kinder und Jugendliche aus über 70 verschiedenen Herkunftsnationen sind, ist ein herausragendes Beispiel für gelebte Integration.

► 4tel-Fest: Das 4tel-Fest ist ein so zentraler Bestandteil von Mauritz-West geworden, dass die Nachbarn dieses Fest selbst nach dem Rückzug des ersten Organisators Thomas Behm weiter am Leben halten: frei, nicht kommerziell, gemeinsam.

► Prof. Dr. Farid Vatanparast: Er engagiert sich dafür, dass Kinder und Jugendliche aus sozial  schwierigen Verhältnissen ihr Leben in Münster selbst in die Hand nehmen können.

►< „Bayti hier“ und Trafostation: Das Unternehmen integriert Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und trägt dazu bei, sie in Münster zu beheimaten.

...

Der erste, mit 8000 Euro dotierte Preis für Vereine und Institutionen ging an den SV Westfalia Kinderhaus . Der Sportverein wurde für seine hervorragende Jugend- und Integrationsarbeit gelobt. „Fremd ist nur, wer fremd bleibt“, sagte Schüle in diesem Zusammenhang.

Der zweite, mit 5000 Euro dotierte Preis in dieser Kategorie ging an das von Thomas Behm initiierte Stadtteilfest „4tel“ in Mauritz-West, das ausschließlich von Anwohnern gestemmt wird.

Wenn Sie den folgenden Twitter Beitrag ansehen möchten, aktivieren Sie diesen bitte über den Button. Mit der Aktivierung des Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden, dass Daten an Twitter übermittelt werden.

Als Person wurde Prof. Dr. Farid Vatanparast für das von ihm gestartete Projekt „Farids Quali-Fighting“ geehrt, das box-begeisterten jungen Menschen neben dem Sporterlebnis auch eine Hausaufgabenhilfe anbietet. Das Preisgeld beträgt 2000 Euro.

Der nicht dotierte Unternehmerpreis ging an das Unternehmen „Bayti hier“ des Münsteraners Michael Kortenbrede, dessen Name eng mit der neuen Nutzung der Trafostation an der Schlaunstraße verbunden ist. „Bayti (übersetzt: mein Zuhause) hier“ ist ein Modelabel für deutsch-arabische Mode. Es wurde 2017 in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen gegründet.

Kommentar

Heimisch werden das Ziel

Der Gedanke ist richtig und zog sich durch fast alle Wortbeiträge: Aufrechte Demokraten in unserem Land sollten den Begriff „Heimat“ nicht den Rechtsradikalen überlassen. Heimatliebe schafft Vertrauen und grenzt nicht aus. So gesehen hätten alle Preisträger des am Samstag erstmalig verliehenen Heimatpreises der Stadt Münster auch einen Integrationspreis bekommen können, weil sie helfen, dass Menschen in Münster heimisch werden. Mit „Heimattümelei“ indes hat das, wofür die vier Preisträger stehen, nichts zu tun.

Zugleich muss aber auch ein kritisches Wort erlaubt sein. Das Land NRW hat der Stadt Münster die Ausrichtung des Wettbewerbes um den Heimatpreis leicht gemacht, weil sie die Kosten für das Preisgeld übernommen und per Runderlass auch gleich die Förderkriterien festgelegt hat. So fand der neue Heimatpreis in Münster seinen Weg in ein Umfeld, in dem unter anderem auch Bürgerpreis, Umweltpreis und Wirtschaftspreis unterwegs sind. Noch mehr Preise sollten es nicht werden.

von Klaus Baumeister

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7116608?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Nachrichten-Ticker