"Offene Weihnacht"
Stunden der Gemeinsamkeit: Nach schweren Schicksalsschlägen zusammen feiern

Münster -

Es geht am Heiligen Abend um Menschen wie Uwe, Marion und Jens-Peter. Uwe, der seine Wohnung vor Jahren verloren hat, weil der kleine Betrieb in Konkurs ging, der Job futsch war und das wenige Geld nicht mehr für die Miete reichte. Marion, die ihre Trennung vom Partner nicht verkraftete und ohne Medikamente nicht sterben, aber kaum leben kann. Und Jens-Peter, der ein 40 Jahre  mit dem Lastwagen für andere unterwegs war und jetzt von der Einsamkeit im Alter eingeholt wird.

Mittwoch, 25.12.2019, 12:46 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 11:21 Uhr
"Offene Weihnacht": Stunden der Gemeinsamkeit: Nach schweren Schicksalsschlägen zusammen feiern
Offene Weihnacht am heiligen Abend im Martini-Pfarrheim (v.l.): Cheforganisator Jan-Josef Rossi, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Inge und Ludger Hove sowie Maria Scheper vom Helferteam. Foto: Helmut Etzkorn

„Menschen, die wie Jesus wohnungslos oder auf der Flucht sind. Menschen, die nicht reich oder berühmt sind und auf die selten das Licht fällt“, sagt Weihbischof Dr. Stefan Zekorn zum Auftakt der „Offenen Weihnacht“ am heiligen Abend im Pfarrheim St. Martini.

Viele, die an den festlich geschmückten Tischen sitzen und sich schon auf den Rinderbraten mit Rotkraut und Klößen aus der Handorfer Bundeswehr-Küche freuen, kommen seit vielen Jahren. Weil sie an dem Abend, wo Familien sich begegnen und bescheren, nicht allein auf der Straße, in der Kneipe oder im Zimmer ihres Heims sein wollen. 

„Eine gute Möglichkeit für alle, die in einer großen Gemeinschaft das Fest feiern wollen. Genau das ist Weihnachten “, so Zekorn. Auch, weil „jeder Mensch in seinem Leben Zeiten hat, in denen er die Dunkelheit spürt“. Wichtig sei es deshalb, sich dem Licht zuzuwenden, so der Weihbischof.

Trost spenden nach Nackenschlägen

Das Helferteam um Ludger und Inge Hove hat die Stunden der Gemeinsamkeit im Pfarrheim an der Neubrückenstraße zusammen mit einem knapp 30-köpfigen Team organisiert. „Wir haben keine familiäre Verpflichtungen an den Festtagen und es ist für uns wichtig, etwas Gutes zu tun“, so das Rentner-Ehepaar aus dem Mauritz-Viertel. Die Hoves kennen aus den Erzählungen inzwischen viele gescheiterte Lebensperspektiven von Menschen, deren Existenzen manchmal aus heiterem Himmel zusammengebrochen sind.

„Nicht jeder kann Nackenschläge auffangen und im Gespräch mit unseren Besuchern spürt man, wie gut man es selber in seiner heilen Welt hat“, so Hove. Seit acht Jahren engagiert sich das Paar, bereut hat es diesen Einsatz „keine Sekunde“.

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Im Pfarrheim St. Martini wurde der gemeinsame Abend verbracht. Weihbischof Dr. Stefan Zekorn richtete einige Worte an die Gäste. Foto: Helmut Etzkorn

Am Eingang werden die Gäste, viele von ihnen kommen spontan, von Erwin Stroot begrüßt. Über 25 Jahre lang leitete er die Offene Weihnacht, kam damals über den Kapuziner-Orden zur Gemeinschaft der Ehrenamtlichen. „Man kriegt viel von den Menschen zurück, ein besseres Geschenk gibt es für mich zu Weihnachten nicht“, so Stroot.

Unter der Regie von Jan-Josef Rossi bietet das katholische Stadtdekanat seit vier Jahrzehnten am Heiligen Abend auch im Hansahof, im Pfarrer-Eltrop-Heim und im Pfarrheim St. Clemens das Treffen in gemütlicher Atmosphäre an, insgesamt rund 350 nehmen das Angebot zur gemeinsamen Weihnachtsfeier an.  „Die Weihnachtsbotschaft von der Liebe Gottes wird hier in die Tat umgesetzt“, so Zekorn.

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