Vorsichtsmaßnahme gegen Pferde-Herpes
Stallungen des NRW-Landgestüts für Öffentlichkeit gesperrt

Warendorf -

Das Pferde-Herpes-Virus führt schlimmstenfalls zum Tod der Tiere. Da in der Region zuletzt vermehrt Krankheitsfälle auftraten, hat das NRW-Landgestüt in Warendorf eine Vorsichtsmaßnahme ergriffen.

Dienstag, 07.01.2020, 05:24 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 07:46 Uhr
Vorsichtsmaßnahme: An den Eingängen zum Landgestüt werden Besucher darauf hingewiesen, dass die Stallungen vor dem Hintergrund der Pferde-Herpesfälle in den Kreisen Borken und Kleve für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
Vorsichtsmaßnahme: An den Eingängen zum Landgestüt werden Besucher darauf hingewiesen, dass die Stallungen vor dem Hintergrund der Pferde-Herpesfälle in den Kreisen Borken und Kleve für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Foto: Joke Brocker

Ein Herpes-Bläschen an der Lippe, ausgelöst durch ein Virus, ist lästig, für Menschen aber in aller Regel nicht tödlich. Ganz anders dagegen sieht das bei Pferden aus. Die Erscheinungsformen des Herpes sind hier gänzlich anders, nicht selten wird die Ursache spät, manchmal zu spät erkannt. Schlimmstenfalls führt das Pferde-Herpes zum Tod der Tiere.

Aufgrund vermehrter Herpes-Fälle in Recklinghausen und den Kreisen Borken und Kleve hängen seit Mitte Dezember Schilder am NRW-Landgestüt: Der Besuch der Stallungen ist zur Zeit nicht möglich.

„Es gibt keine akuten Herpes-Erkrankungen im NRW-Landgestüt“, betonte Katrin Beißmann, Pressesprecherin des Landgestüts. Dennoch handelt es sich um eine vorübergehende Vorsichtmaßnahme, die laufend neu bewertet wird. „In dieser Woche findet eine Neubewertung der Sachlage statt. Bis dahin bleiben die Stallungen auf dem Gelände für Besucher weiterhin gesperrt“, erzählte Beißmann weiter.

90 Prozent aller Pferde tragen Virus in sich 

Allgemein handelt es sich bei Pferde-Herpes um eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus (EHV). „Oftmals kommt es trotz einer Ansteckung nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung oder nur zu abgemilderten klinischen Anzeichen“, erklärt das Kreisveterinäramt in Warendorf. Derzeit gehen Experten vom Tiergesundheitsdienst Baden-Württemberg davon aus, dass rund 90 Prozent aller Pferde den Virus in sich tragen und damit latent infiziert sind. „Es ist wie bei uns Menschen: Einmal Herpes, immer Herpes“, fasste Thomas Fromme , Pressesprecher des Kreis Warendorf zusammen.

Ein großes Problem der Eindämmung besteht darin, dass es sich bei Herpes um keine melde- oder anzeigenpflichtige Erkrankung handelt, wie Fromme verrät. „Das heißt, es gibt keinerlei gesetzliche Vorschriften zur Bekämpfung dieser Erkrankung. Deshalb können von hier aus auch keine Aussagen zur Verbreitung bzw. zur ,Gefahrenabschätzung‘ getroffen werden.“

„Die von der Gestütsleitung getroffenen Maßnahmen dienen nicht nur dem Schutz des Hengstbestandes, einer möglichen Verbreitung des Virus soll ebenfalls entgegengewirkt werden“, erklärte die Pressesprecherin des NRW-Landgestüts die Beweggründe.

Impfungen empfohlen

Dr. Andreas Witte, der Leiter des Warendorfer Veterinäramtes rät zudem zu Impfungen, die einen zusätzlichen Schutz böten. „Jedem Pferdehalter steht grundsätzlich die Möglichkeit der Impfung seiner Tiere offen. Die Impfung bietet einen weitgehenden Schutz vor den negativen Auswirkungen der Infektion.“

Besucher des Landgestüts müssen mit keinen weiteren Maßnahmen rechnen, wie Katrin Beißmann betonte. Lehrgangsteilnehmer an der Deutschen Reitschule, die mit eigenem Pferd anreisen, müssen jedoch die Gesundheit des Pferdes und auch des Herkunftsbestandes schriftlich bestätigen.

Das NRW Landgestüt hofft darauf, die Stallungen bald wieder für Besucher öffnen zu können. „Sobald die Ställe wieder freigegeben werden, wird die Öffentlichkeit unmittelbar darüber informiert“, unterstrich Beißmann.

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