Einführung der Bon-Pflicht
Modernisierung am Marktstand

Münster -

Auch auf dem Wochenmarkt sind Bons weitgehend Pflicht geworden – ein ganzer Systemwechsel ist das aber nicht. Denn die meisten Händler haben auch bisher schon Papierquittungen ausgeteilt.

Freitag, 10.01.2020, 10:00 Uhr
Fischhändler Sebastian Bussmeyer ist erster Vorsitzender der Marktbeschicker auf dem Domplatz.
Fischhändler Sebastian Bussmeyer ist erster Vorsitzender des Vereins der Marktbeschicker auf dem Domplatz. Foto: Völker

Die Premiere der Umstellung ist für Marktbeschicker Anfang des Jahres gelaufen. Es gilt die Bon-Pflicht, von kleinen Händlern schon im Vorfeld als unangemessen und lästig verflucht. Wie sieht die Praxis auf dem Wochenmarkt in Münster aus, nachdem das neue Gesetz, das Steuerhinterziehung vorbeugen soll, in Kraft getreten ist? Darüber sprach unsere Redakteurin Karin Völker mit dem Ersten Vorsitzenden des Vereins der Marktbeschicker auf dem Domplatz, dem Fischhändler Sebastian Bussmeyer .

Ist die Einführung der Bonpflicht auf dem Wochenmarkt für die Händler ein Systemwechsel?

Bussmeyer: Nicht generell, denn die allermeisten, ich würde sagen bestimmt 70 Prozent, arbeiten längst mit elektronischen Regi­strierkassen und geben Bons aus. An unserem Stand haben wir solche Kassen schon seit über 20 Jahren.

Und die anderen 30 Prozent?

Bussmeyer: Die arbeiten mit offenen Kassen. Das heißt, die Ware wird abgewogen, der Preis ausgerechnet. Die Kunden zahlen ihr Bargeld in die Geldkassette. Von der Pflicht der Buchführung sind natürlich diese Händler nicht entlastet.

Und das darf so weitergehen?

Bussmeyer: Ja bisher schon, die kleinen Händler, etwa solche, die Kartoffeln oder selbst geerntetes Obst auf dem Markt verkaufen, dürfen vorerst ihr Geschäft so weiterführen.

Würden Sie sagen, es wäre besser, wenn für alles dasselbe Recht gelten würde?

Bussmeyer: Eigentlich schon. Es wäre auch für den Kunden ein transparenteres Vorgehen.

Aber wären kleine Händler mit der Anschaffung von Registrierkassen nicht finanziell überfordert?

Bussmeyer: Sollten offene Kassen einmal per Gesetz verboten werden: Es gibt geeignete Kassen schon ab 1000 Euro – die Anschaffung wäre also für die meisten Händler eine überschaubare Investition.

Also viel Lärm um Nichts in Sachen Bonpflicht?

Bussmeyer: Nun ja, es gibt schon Veränderungen. Wir zum Beispiel haben bisher für den Verkauf von einzelnen Fischbrötchen oder Backfischportionen für die Kunden keinen Bon ausgedruckt. Dadurch entsteht schon ein enormer Aufwand. Es dauert einfach länger, besonders am Samstag sind die Schlangen ja bisweilen richtig lang.

Und bei den Kollegen für Reibekuchen, oder an den Kaffeeständen . . .

Bussmeyer: Genau. Und dazu kommt ja, dass viele Kunden den Bon gar nicht haben wollen. Gefühlt jeder zweite wirft die Quittung weg oder nimmt sie gar nicht entgegen.

Und dann gibt es die Klagen über das wenig umweltfreundliche Thermopapier, das die Kassen ausspucken . . .

Bussmeyer: Auch das stimmt, da kommt auf dem Wochenmarkt schon einiges zusammen – auch wenn man nur die jetzt zusätzlichen ausgedruckten Bons nimmt. Wir planen an unserem Stand jetzt die Anschaffung neuer Kassen, bei denen auch normales Papier verwendet werden kann. Für den Backfisch-Verkauf haben wir jetzt eine zusätzliche Kasse bestellt. Da wird dann der Bon direkt auf der Kundenseite am Stand ausgedruckt. Die Kunden können ihn abreißen.

Wenn die meisten Markthändler ohnehin schon lange mit elektronischen Kassen arbeiten, und die anderen ihre offenen Kassen behalten dürfen, worin besteht denn jetzt überhaupt die Möglichkeit, Steuerhinterziehung wirksamer zu vermeiden?

Bussmeyer: Vorab: Auch die Händler mit den offenen Kassen legen ja eine korrekte Buchführung vor. Und bei allen mit elektronischen Kassen ist jeder Bon ja elektronisch hinterlegt, also jeder Verkauf, auch mit Uhrzeit, einzeln nachvollziehbar. Der Gesetzgeber will damit Möglichkeiten der Manipulation bei der Abrechnung noch stärker vorbeugen.

Gibt es auf dem Wochenmarkt eigentlich Kontrollen der Finanzbehörden?

Bussmeyer: Das ist schon vorgekommen.

Was glauben Sie, wird die Bonpflicht die Struktur des Angebots und die Händler-Besetzung auf dem münsterischen Wochenmarkt verändern?

Bussmeyer: Die Bonpflicht allein wohl nicht. Aber der Trend weg vom Stand, wo etwa ein kleiner Landwirt selbst noch Teile seiner Gemüse-Ernte verkauft, ist ja schon lange sichtbar. Die Modernisierung ist auch auf dem Wochenmarkt unumkehrbar. Wir haben etwa für unseren Stand vor einiger Zeit ein Kartenlesegerät angeschafft. Meine Frau hatte das angeregt, ich war skeptisch. Aber ich wurde dann eines Besseren belehrt: Die Kunden nutzen den Service sehr gern.

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