Ein Polster voller Selbstwertgefühl
Wie Kita-Kinder beim Wechsel zur Grundschule die Lust am Lernen behalten

Ibbenbüren -

Kindergarten-Kindern kann der Wechsel zur Grundschule Stress bereiten. Damit das nicht passiert, gibt es alle möglichen Strategien, den Übergang möglichst sanft zu gestalten. Zum Beispiel im Kinderland Ibbenbüren.

Freitag, 24.01.2020, 09:35 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 09:53 Uhr
Sind alle reif für die Schule: Samuel, Lena, Hana, Viktoria, Michael und Elias (v. l. n. r. ) und Ludger Lünenborg von Lernen Fördern e.V., Marina Hengstler, Leiterin des Kinderland-Verbundes Ibbenbüren, Heike Schöpper, Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule in Ibbenbüren und Uta Wilbers, Leiterin Kinderland Ibbenbüren.
Sind alle reif für die Schule: Samuel, Lena, Hana, Viktoria, Michael und Elias (v. l. n. r. ) und Ludger Lünenborg von Lernen Fördern e.V., Marina Hengstler, Leiterin des Kinderland-Verbundes Ibbenbüren, Heike Schöpper, Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule in Ibbenbüren und Uta Wilbers, Leiterin Kinderland Ibbenbüren. Foto: Stefan Werding

Samuel, Lena, Hana, Viktoria, Michael und Elias sind startklar. Ihre Arme sind lang genug, dass sie über den Kopf bis zum Ohr reichen, die Zahnlücken sind unübersehbar, und dass sie im Sommer zur Schule gehen, wissen sie auch. Jetzt muss der Wechsel zur Schule, den viele gerne als „Ernst des Lebens“ bezeichnen, nur noch klappen – und zwar „ohne Bruch“, wie es Marina Hengstler, Leiterin des Kinderland-Verbundes Ibbenbüren, formuliert.

Übergänge gehören zum Leben. „Die werden noch öfter kommen“, sagt Ludger Lünenborg , stellvertretender Geschäftsführer von „Lernen Fördern e.V.“ im Kreis Steinfurt. Deswegen sei eine positive Erfahrung für die nächsten Übergänge so wichtig. Denn: Samuel, Lena, Hana, Viktoria, Michael und Elias sollen demnächst ohne Angst zur Schule gehen.

Entwicklungsgespräche & Beobachtungsbögen

Damit der Übergang von der Kita in die Schule so sanft wie möglich verläuft, ist bislang schon viel passiert. Eigentlich schon vom ersten Tag in der Kita an. Nach einem halben Jahr in der Kita findet das erste große Entwicklungsgespräch statt, in Beobachtungsbögen dokumentieren die Erzieherinnen über die Jahre die Entwicklung der Kinder. Da zeigt sich in der Regel schon, wo die Mädchen und Jungen ihre Stärken haben und wo sie Unterstützung brauchen.

In Zeiten, in denen fast alle Kinder selbstverständlich in die Kita gehen, befinden sie sich ständig im Blick von Erzieherinnen. Weil sie heute oft länger als fünf Jahre in der Kita sind, lernen Erzieherinnen sie zudem viel besser kennen. Den Austausch mit ihnen beschreibt Heike Schöpper , Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule in Ibbenbüren, als „enorm wichtig“. Bei Problemen in der Schule würden die Lehrerinnen gerne die Erzieherinnen nach ihrer Meinung fragen. „Davon profitieren wir“, sagt Schöpper.

Gut vorbereitete Kinder

So geht die Vorbereitung für die Schule ständig weiter – bis im letzten Kita-Jahr die Kontakte dichter werden. Die Ältesten aus dem Kinderland dürfen zum Schnuppertag schon mal in die Schule, zum Gegenbesuch kommen Lehrerinnen wie Heike Schöpper in die Kita.

In der Regel freuten sich die Kinder auf den Schulbesuch. Es seien eher die Eltern, die fürchten, dass ihr Kind den Wechsel nicht schafft. Darum sind es öfter die Erwachsenen, denen die Erzieherinnen die Angst zu nehmen versuchen, berichtet Uta Wilbers, Leiterin des Kinderland Ibbenbüren.

Der Übergang von der Kita zur Schule ist für alle Einrichtungen Standard. „Aber jede Kita hat ihr eigenes Konzept“, sagt Grundschulleiterin Schöpper. „Allen Einrichtungen ist daran gelegen, uns ihre Kinder gut vorbereitet zu übergeben.“ Auf die Grundlagen aus der Kita könnten die Schulen gut aufbauen. Die Zeiten, in denen Kinder in der Kita nur betreut würden, sind längst vorbei. „Wir haben hier einen massiven Bildungsauftrag“, sagt Lünenborg.

"Polster an Selbstwertgefühl"

Die ältesten Kinder aus dem „Kinderland Ibbenbüren“ haben eine Vorstellung von „viel“ und „wenig“, können sich selbst anziehen und schon kleine Geschichten erzählen. Aber vor allem „geben wir den Kindern ein Polster an Selbstwertgefühl mit. Sie wissen, dass sie den Wechsel schaffen können“, sagt Uta Wilbers.

Dass ein Kitakind schon ganze Bücher liest, während das andere noch Probleme mit der deutschen Sprache hat, sei dabei kein Problem. „Dann liest das eine Kind den anderen halt etwas vor“, sagt Wilbers. „Kinder unterstützen sich gerne.“ Und auch nach 32 Jahren in der Kita sagt sie: „Ich habe hier noch kein Kind erlebt, das kompetenzlos ist.“

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