„Erheblicher Handlungsbedarf“
Ergebnisse der ehrenamtlichen Befragung im Wohngebiet Brüningheide

Münster-Kinderhaus -

268 Haushalte beteiligten sich an der Bewohner-Befragung im Wohngebiet Brüningheide: Das sind 42 Prozent. In den befragten Haushalten leben 615 Erwachsene und 261 Minderjährige.

Donnerstag, 30.01.2020, 19:20 Uhr aktualisiert: 30.01.2020, 20:51 Uhr
Die Kirchen und das Begegnungszentrum Kinderhaus unterstrichen bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse zur Wohnsituation in 638 Wohnungen der BGP-Gruppe den dringlichsten Handlungsbedarf
Die Kirchen und das Begegnungszentrum Kinderhaus unterstrichen bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse zur Wohnsituation in 638 Wohnungen der BGP-Gruppe den dringlichsten Handlungsbedarf. Foto: Katrin Jünemann

Die Ergebnisse der Bewohnerbefragung in den BGP-Wohnungsbeständen wurden am Donnerstag im Begegnungszentrum (BGZ) Kinderhaus vorgestellt. 35 ehrenamtliche Mitarbeiter des Begegnungszentrums und aus beiden Kirchengemeinden haben die Befragung durchgeführt.

638 Wohneineinheiten hat die Immobiliengruppe BGP in der Schleife. Der Bestand ist nun von einem Fonds unter Beteiligung von Union Investment erworben worden. Mit diesem Übergang an einen neuen Eigentümer erwarten Kirchen und BGZ einen neuen Impuls für die Wohnsituation in der Schleife.

268 Haushalte beteiligten sich an der Bewohner-Befragung: Das sind 42 Prozent. In den befragten Haushalten leben 615 Erwachsene und 261 Minderjährige.

Zwischenbilanz: Zum Teil katastrophale Wohnverhältnisse

Ein gutes halbes Jahr hat ein vierköpfiges Team für die Auswertung der Befragung gebraucht. Das Ergebnis entspricht der Zwischenbilanz, die, wie berichtet, zum Teil katastrophale Wohnverhältnisse darlegte.

Es gibt einen „erheblichen Handlungsbedarf“, brachte es Thomas Kollmann, geschäftsführender Leiter des Begegnungszentrums, bei der Vorstellung der Befragung auf den Punkt.

Die Kirchen sind mit im Boot: „Ich bin froh, dass das konzeptionell angegangen wird“, sagte Barbara Stoll-Großhans, Pfarrerin der Markus-Gemeinde. Bei der Frage „Leben Menschen hier in menschenwürdigen Verhältnissen?“ stehe Kirche in der Verantwortung: „Wir sind die Stimme derer, die sich sonst nicht trauen, ihre Stimme zu erheben.“

Auch Ulrich Messing, Pfarrer der Gemeinde St. Marien und St. Josef, unterstrich nachdrücklich die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche für den Stadtteil: Dazu gehöre das Wohnen. Wohnraum müsse lebenswert sein. Die Kirche stehe an der Seite der Menschen. Er kenne durchaus Anleger, denen ethische Kriterien bei ihrer Fondswahl sehr wichtig seien, fügte er hinzu.

Schimmel, Ameisen und kalte Heizungen

Einige besonders krasse Zustände in Wohnungen wurden vorgestellt. Das Fazit: Schimmel findet sich demnach in 47 Prozent der Wohnungen, Ameisen in 55 Prozent, kalte Heizungen in 35 Prozent, Ausfall von Warmwasser gebe es in 38 Prozent und defekte Fenster in 31 Prozent.

Unter besonderer Berücksichtigung der Gesundheitsrisiken wurde ein Ranking erstellt. Dabei stehen die Wohnblöcke Killingstraße 11 bis 31 und Brüningheide 65 bis 73 ganz vorn. „Dort müsste sofort etwas passieren“, so Thomas Kollmann. Gemeint ist eine „umgehende, zeitnahe Komplettsanierung“, so das Exposé zur Bewohnerbefragung.

Einige Reaktionen des neuen Eigentümers gebe es bereits: So seien drei Aufzüge, die bei der Befragung auffielen, repariert worden. Zwei davon liefen derzeit. Auch die Schädlingsbekämpfung laufe teilweise.

Die Angst der Bewohner

„Wir wollen nicht, dass Wohnungen freigezogen werden, sondern dass etwas passiert“, erklärte er. Manche Bewohner hätten Angst, ihre Wohnungen zu verlieren.

Wie Sanierung und bezahlbarer Wohnraum unter einen Hut gebracht werden können, hätten die münsterländischen Vermieter Wohnsieger und Sahle bewiesen, so Kollmann.

Nach der Vorstellung der Befragungsergebnisse wurden Stellungnahmen des neuen Eigentümers zur Kenntnis gegeben.

Man sei dabei, vorhandene Probleme zu sichten und sukzessive zu beheben, heißt es in der Mitteilung. Aktuell lägen deutlich weniger Mängelmeldungen etwa zum Thema Schimmel vor als im Exposé angegeben, heißt es unter anderem.

Maßnahmen werden angekündigt

Zugleich werden in dem Schreiben auch Maßnahmen angekündigt. „Erste Sanierungsmaßnahmen sind bereits ab diesem Jahr geplant. Hierzu ist eine Begehung der Bestände mit Experten erforderlich, um eine Detailplanung für eine umfassende Sanierung von Dach, Fenstern, der Fassade mit Laubengang und Balkone, der Treppenhäuser, Tiefgarage und Außenanlagen sowie der Heizungsanlage aufzusetzen“, heißt es weiter.

Und: „Über erste Maßnahmen sind wir im Austausch mit den zuständigen städtischen Behörden.“ Die Mieterinnen und Mieter würden zu gegebener Zeit informiert.

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