Musik-Campus
Bürgerforum bringt externen Rückenwind für kulturelles Großprojekt

Münster -

Die öffentliche Diskussion um einen Musik-Campus in Münster geht in die entscheidende Phase. Beim Stadtforum kamen nun auch herausragende externe Kräfte des Kultur- und Musikbetriebs zu Wort. Da gab es viel Rückenwind für das Großprojekt.

Dienstag, 04.02.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 19:44 Uhr
Oberbürgermeister Markus Lewe und eine Reihe Experten informierten beim Stadtforum in der Aasee-Mensa über den Musik-Campus
Oberbürgermeister Markus Lewe und eine Reihe Experten informierten beim Stadtforum in der Aasee-Mensa über den Musik-Campus Foto: ohw

Am Ende dominierte pure Zuversicht. „Ich gehe beglückt von dannen!“, bilanzierte Christian Höpp­ner aus Berlin, Generalsekretär des deutschen Musikrates, beim Stadtforum „Musik-Campus“, das 130 Bürgerinnen und Bürger in die Aasee-Mensa lockte – und dazu eine illustre Schar auswärtiger Experten. Die Stadt „sollte schnellstmöglich versuchen, den Campus zu realisieren“, hatte Höpp­ner schon zum Auftakt des Abends gefordert. Das „historische Fenster ist offen“, bekräftigte Universitätsrektor Prof. Johannes Wessels .

Was das bedeutet, verdeutlichte Wessels im Einklang mit Oberbürgermeister Markus Lewe. Faktenlage: Die Hochschule muss neu bauen, die Musikschule improvisiert im alten Gemäuer. In Düsseldorf ist mit Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen eine Ministerin am Ruder, die den Einklang von Kultur und Wissenschaft mit Verve vertritt, und in Berlin gibt’s Schub von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Wenn man also die Idee eines Musik-Campus „kapitalisieren“ wolle, so Wessels, dann sei das jetzt das ideale Zeitfenster. Heißt im Klartext: bevor das Fenster mit Wahlen, unsicheren Mehrheiten und dem in Münster üblichen Klein-Klein der Angst- und Neiddebatten wieder zuklappt.

Münster soll architektonische Ideen entwickeln

Generalmusikdirektor Golo Berg, der Prodekan der Musikhochschule, Stephan Froleyks, und Musikschuldirektorin Friedrun Vollmer ließen als Protagonisten noch einmal die zentralen Begriffe in den Raum perlen: Begegnung, Inspiration, Syn­ergie, Einzigartigkeit, allumfassende musikalische Bildung. Den obersten Segen erteilte Christian Höppner. Dieser Musik-Campus sei eine „Jahrhundertchance“, das Konzept sei in Europa einzigartig und verspreche „Exzellenz“: „Das bedeutet nicht etwas Elitäres, sondern höchste Qualität.“ Es gehe nun darum, Partner in Land und Bund zu suchen. Schließlich gelte es, auch die Unesco im Blick zu haben und sich dort möglicherweise für eine neue Form eines „immateriellen Weltkulturerbes“ in Position zu bringen.

Kulturamtsleiterin Frauke Schnell fasste die Beteiligung der Freien Szene zusammen. Sie wünscht Beteiligung in Programmatik und Raumbelegung und äußerte in Workshops zugleich ihre Ängste vor abbrechender finanzieller Förderung. Diese zerstreute Kulturdezernentin Cornelia Wilkens mit Verweis auf Geist und Inhalt des Ratsbeschlusses, wonach sich bei der Förderung nichts ändern soll.

Die Reihe jener, die Rückenwind vermittelten, reichte ferner von Thomas Kipp, dem geschäftsführenden Betriebsdirektor des Musikforums Ruhr, der über die auf breitem bürgerschaftlichem Engagement aufruhende Musikhalle in Bochum berichtete, bis zu Gernot Wojnarowicz, dem Orchesterdirektor am Staatstheater Darmstadt. Er riet Münster, jetzt mal „aus dem Kampfmodus“ herauszukommen und architektonische Ideen zu entwickeln: „Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnung!“

Kultur und Natur in Einklang bringen

Während die Initiativen für Standort-Lösungen am Bült/Hörster Parkplatz und am Leonardo-Campus noch per Flugblatt an diesem Modus festhielten und der städtischen Administration bei der Bürgerbeteiligung „Scheinheiligkeit“ vorwarfen, nutzten die Verfechter einer Schlossplatzvariante mit Ulrich Krüger und Stefan Rethfeld den Abend für die erneute Präsentation dezentraler Neubauten vom Kalkmarkt über den Uni-Parkplatz am Schloss bis zu Lindenhof und Altem Zoo.

Stadtplaner Prof. Kunibert Wachten (Dortmund) eröffnete Perspektiven: Er plädierte dafür, nicht nur Räume zu planen, sondern vor allem das „Dazwischen“ mit Plätzen und Park. Kultur und Natur könnten so in Einklang gebracht werden. Vielleicht entstehe ja ein „Kulturquartier“. Für eine solche Lösung braucht man ein üppiges Grundstück und Natur. Das scheint für das Uni-Gelände an der Hüfferstraße zu sprechen.

Kommentar

Eine einmalige Chance

Die kooperativen Plädoyers der künftigen Ankernutzer – Musikhochschule, Musikschule und Sinfonieorchester – sind schon Grund genug, einem Großprojekt „Musik-Campus“ Gehör und Vertrauen zu schenken. Beim Stadtforum kam jetzt noch wertvolle auswärtige Expertise dazu. Kulturfachleute unterschiedlicher Provenienz ermuntern Münster, den Schritt zu wagen.

Das Entscheidungsfenster steht offen. NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen signalisiert Unterstützung. Aus Berlin kommt Rückenwind von Staatsministerin Monika Grütters bis zum Musikrat. Das macht Mut.

Am Ende könnte ein großer Wurf stehen: Ein Campus, der nicht nur als Musik- und universitäres Kongresszentrum funktioniert, sondern zugleich als kultureller Begegnungsraum für alle Generationen. Eine solche stadtplanerische Chance inklusive kräftiger Geldgeber wird Münster für Jahrzehnte nicht mehr bekommen. Ergo: Anfangen!

von Johannes Loy

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