Corona-Pandemie
Breites Bündnis fordert sofortige Schutzmaßnahmen für Arbeitsmigranten

Münster -

In einem dringenden gemeinsamen Appell fordert ein breites Bündnis Politik, Behörden und Wirtschaft auf, unverzüglich wirksame Schutzmaßnahmen anzuordnen und durchzusetzen, um in der Fleischindustrie, in der Landwirtschaft, in der Logistik, auf dem Bau und in der häuslichen Pflege Arbeitsmigranten vor der Ansteckung durch das Corona-Virus zu schützen.

Freitag, 03.04.2020, 09:32 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 09:51 Uhr
Corona-Pandemie: Breites Bündnis fordert sofortige Schutzmaßnahmen für Arbeitsmigranten
Mitarbeiter eines Schlachthofs arbeiten am Fließband. Foto: dpa (Archiv)

In einer Pressemitteilung machen die unterschiedlichen Unterzeichner des Aufrufs ihre Positionen deutlich: „Die Wirklichkeit sind immer noch überbelegte Sammelunterkünfte und Sammeltransporte zur Arbeit in vollgestopften Bullis und Bussen“, sagt Guido Grüner von der ALSO e. V. Oldenburg. „Um die Vorgabe „Eine Person in einem Zimmer“ umzusetzen, muss man sofort Alternativen finden zu Massenunterkünften. Freie Hotelkapazitäten sind eine Option.“ 

Schutzabstände bei der Arbeit sicherstellen

Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft NGG , ergänzt: „Unverzichtbar sind Schutzabstände zwischen den Arbeitenden bei der Fleischzerlegung. Schutzausrüstung gegen die Ansteckung ist ebenso unverzichtbar! Wer sorgt dafür? Wer kontrolliert das?“

Sein Kollege Frank Schmidt-Hullmann vom Bundesvorstand der IG BAU macht deutlich: „Wer jetzt über die Außerkraftsetzung von Höchstarbeitszeiten oder Mindestruhezeiten zum Beispiel für die Landwirtschaft über die jetzt schon möglichen längeren Arbeitszeiten während der Saison hinaus nachdenkt, spielt mit der Gesundheit der betroffenen Beschäftigten. Denn wer wegen endloser Arbeitstage total übermüdet ist, steckt sich viel leichter mit Corona an oder wird leichter zum Opfer von schweren Arbeitsunfällen.“

Claudius Voigt von der GGUA (Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender) in Münster bestätigt: „Die Arbeitsmigranten sind durch ihre Wohn- und Arbeitsbedingungen eine Hochrisikogruppe in der Pandemie. Das Virus trifft auf erschöpfte, ausgelaugte Menschen, die bei Krankheitssymptomen weiterhin zur Arbeit gehen, weil völlig unklar ist, wovon sie leben können, wenn sie in Quarantäne gehen.“ 

Corona-Tests in allen Schlachthöfen

Peter Kossen vom Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ fordert Corona-Tests in allen Schlachthöfen, in den Sammelunterkünften und überall dort, wo große Gruppen von Arbeitsmigrant*innen auf engem Raum transportiert werden und arbeiten. „Die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen sind in einer großen Gefahr. Eine rasante Ausbreitung des Virus in diesen Gruppen ist nur eine Frage der Zeit!“

Das Bündnis kritisiert, dass „wachsweiche Vorschriften der Kommunen und Landkreise“ wie die, dass eine Unterbringung möglichst nur in Einzelzimmern erfolgen solle, nichts bewirken werden. Die Befolgung der Vorgaben müsse kontrolliert und durchgesetzt werden. „Dass zunehmend Kinder von Arbeitsmigranten betroffen sind, macht entschlossenes Handeln umso dringlicher“, sagt Kossen. Eine bloße Unterweisung der Arbeitenden in Hygieneregeln reiche bei weitem nicht aus. Häufig sei die Sprachkompetenz gar nicht gegeben, solche Unterweisungen zu verstehen.

Arbeitsmigranten dürfen nicht wie Verschleißmaterial oder wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, deren Gesundheit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als der ihrer deutschen Kollegen.

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung

Die Diözesanverbände Aachen, Paderborn, Osnabrück und Münster der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) fordern Menschenwürde und Gleichbehandlung ein: „Arbeitsmigranten dürfen nicht wie Verschleißmaterial oder wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, deren Gesundheit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als der ihrer deutschen Kollegen. In der Corona- Pandemie fällt mehr denn je auf, dass unsere Wirtschaft fundamental auf die Arbeitsmigranten angewiesen ist. Umso mehr muss das ein Grund sein, sie nicht wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln“, betont der katholische Sozialverband. Es gehe um das Leben und die Unversehrtheit mehrerer hunderttausend Menschen. Nur unverzügliches entschlossenes Handeln könne die massenhafte Infizierung noch abwenden.

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