Gymnasium St. Michael meldet sich zurück
Eine ganze Penne Einbahnstraße

Ahlen -

Einbahnstraßenregelung im Schulgebäude. Und der Chemielehrer zaubert eine eigene Schutzmaske aus dem 3D-Drucker. Im Bischöflichen Gymnasium St. Michael in Ahlen ist zum Start nach der Coronapause einiges anders. Die Jahrgangsstufe 12 macht am Donnerstag den Anfang – fürs verspätete Abi.

Donnerstag, 23.04.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 18:37 Uhr
Hier geht‘s lang: Mechtild Frisch hat Flure und Treppenhäuser als Einbahnstraßen ausgeschildert
Hier geht‘s lang: Mechtild Frisch hat Flure und Treppenhäuser als Einbahnstraßen ausgeschildert Foto: Ulrich Gösmann

Comeback mit Corona-Kuriositäten: Einbahnstraßen-Schilder weisen im Bischöflichen Gymnasium St. Michael seit Donnerstagmorgen den Weg über Flure und Treppen, Kursräume bleiben bei laufendem Unterricht geöffnet – und ein Chemielehrer strahlt durch seine selbstkonstruierte Schutzmaske aus dem 3D-Drucker. Sie passt!

Und dann ist da noch die Jahrgangsstufe 12. Sie hätte – ja, hätte es Corona nie gegeben – schon am Dienstag ihre erste Abiprüfung geschrieben. Jetzt muss sie – aktueller Stand – ab dem 12. Mai ran. Klar, dass die Abiturientia 2020 zur Wiederaufnahme des (un-)normalen Schulbetriebs den Vortritt hat. Einen exklusiven! „Ich habe jeden Schüler heute Morgen persönlich begrüßt“, verrät Schulleiterin Mechtild Frisch . Am Haupteingang neben den Desinfektionsspendern positioniert. Einmal drücken – das geht auch anders.

Von den 103 Zwölfern sind 90 zur Stelle. 13 haben sich abgemeldet. Besorgte Eltern, risikogefährdete Familienangehörige und ein lange geplantes Vorstellungsgespräch sind Gründe, die eigentlich gar nicht hätten genannt werden müssen.

Linker Raum: die eine Hälfte des Leistungskurses Deutsch.

Linker Raum: die eine Hälfte des Leistungskurses Deutsch. Foto: Ulrich Gösmann

„Am Samstag ist die Info an die Schulen gegangen, dass es wieder losgeht. Kein Kommentar dazu!“ kommentiert Frisch dann doch. In nur drei Tagen sei versucht worden, die Schule unter Infektionsschutzbedingungen herzurichten. Flure und Treppen sind mit „Einbahnstraße“ ausgeschildert. Klebebänder werden noch folgen, doch: „In ganz Ahlen sind sie im Moment nicht zu bekommen“, weiß Mechtild Frisch jetzt auch. Ein digitaler Raumplan wurde der Stufe 12 vorab zugestellt. Mit klarer Ansage, welcher Weg zu nehmen ist.

Rechter Raum: die andere Hälfte des Leistungskurses Deutsch.

Rechter Raum: die andere Hälfte des Leistungskurses Deutsch. Foto: Ulrich Gösmann

Maximal 15 Schüler in einem Raum – das heißt: Teilung. Der Deutsch-LK ist am Donnerstag mit 17 Abi-Aspiranten zurück. Zwei zuviel für eine Gemeinschaft. Neun pflegen jetzt im linken Raum den Abstand, acht rechts daneben. Für Dr. Christian Thelen heißt das: Pendeln. Erleichterung, dass es endlich weitergeht, ist durch beide Türen zu hören. Der Schulalltag gibt so kurz vor den Prüfungen Orientierung – und ein Gefühl von schulischer Sicherheit. Doch so richtig nach Unterricht will es sich in den ersten Stunden nicht anfühlen. Der Tischabstand, die Kursteilung, der „fliegende Klassenlehrer“ und auch das: Zeitblöcke, die den Tag zwischen 8 und 13 Uhr in zwei große Einheiten teilen. Der Gong spielt keine Rolle mehr. Pause wird individuell gemacht. Nach Rücksprache mit dem Pädagogen maximal zu zweit auch mal draußen. Lehrkräfte sind auf ihre zwei Räume fixiert. Lüften im 45-Minuten-Takt, das Waschbecken mit Seife und Papierhandtüchern im Blick, gilt es nebenbei noch, den Hygieneplan zu dokumentieren.

Mit gutem Beispiel voran: Pädagogen zeigen, wie es geht – mit Maske und Abstand.

Mit gutem Beispiel voran: Pädagogen zeigen, wie es geht – mit Maske und Abstand. Foto: Ulrich Gösmann

Wie der nächste Schritt aussieht? „Wir wissen es selbst nicht“, gesteht die Schulleiterin. Einen zweiten Jahrgang könne das Gebäude unter den neuen Abstandsregelungen wohl noch aufnehmen. Einen dritten nicht. Vieles entscheide sich in diesen Tagen kurzfristig. Darunter auch das: „Ich habe gerade zwei neue Kollegen per Videokonferenz eingestellt“, sagt Mechtild Frisch. Sie scheint hinter ihrer Schutzmaske zu schmunzeln.

Tüftler: Chemielehrer Karsten Köhler entwickelte den Prototyp einer Schutzmaske. Sie könnte in Serie gehen.

Tüftler: Chemielehrer Karsten Köhler entwickelte den Prototyp einer Schutzmaske. Sie könnte in Serie gehen. Foto: Ulrich Gösmann

Sichtbarer das Lächeln von Karsten Köhler. Der Chemielehrer ist kurz nach zehn Uhr mit seinem Prototyp von Schutzmaske auf kurzem Schaulauf. Taufrisch aus dem 3D-Drucker. Das, was als Folie schützen soll, liegt sonst auf dem Tageslichtschreiber. Jetzt will Köhler noch eine Platte für Türklinken konstruieren, um Griffe per Ellenbogen betätigen zu können. Dann wäre Unterricht auch hinter verschlossenen Türen wieder möglich. Corona macht (den Chemiker) erfinderisch. . .

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