Corona
Wie die Pandemie die Jugendarbeit im Hansaviertel verändert

Greven -

Sozialarbeit bedeutet Nähe. Die Realität ist im Moment das glatte Gegenteil. Weil das Gebot der Stunde Distanz heißt, sehen sich Sozialarbeiter neuen Herausforderungen gegenüber. Diesen Widerspruch aufzulösen, darin versuchen sich Christina Tenger und Jan Kattner.

Dienstag, 28.04.2020, 06:50 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 07:00 Uhr
Per Smartphone halten Christina Tenger und Jan Kattner Kontakt zu den Jugendlichen im Hansaviertel.
Per Smartphone halten Christina Tenger und Jan Kattner Kontakt zu den Jugendlichen im Hansaviertel. Foto: Sven Thiele

Ihre Profession ist es, den persönlichen Kontakt zu Jugendlichen zu suchen, ihnen Hilfestellungen anzubieten und im Viertel präsent zu sein. Oder ganz grundsätzlich formuliert: Sozialarbeit bedeutet Nähe. Die Realität ist im Moment das glatte Gegenteil. Weil das Gebot der Stunde Distanz heißt, sehen sich Sozialarbeiter neuen Herausforderungen gegenüber. Diesen Widerspruch aufzulösen, darin versuchen sich Christina Tenger und Jan Kattner . Im Hansaviertel, wo wie sonst nirgendwo in Greven Menschen auf verhältnismäßig kleiner Fläche leben, sind sie weiterhin für ihre Jugendlichen da. Wenn auch im Moment ganz anders als sonst üblich.

Christina Tenger (26) und Jan Kattner (37) sind seit Ende 2018 als Jugendsozialarbeiter im Hansaviertel tätig. Dort, im städtischen Begegnungszentrum, betreuen sie normalerweise Cliquen, laden ins eigene Café ein oder besuchen Jugendliche im Viertel. An keinem anderen Ort der Stadt ist Sozialarbeit so nah dran an jungen Menschen. „Wir betreuen vier Cliquen. Zwei davon haben einen eigenen Raum bei uns im Haus“, berichtet Christina Tenger. Sie und ihr Kollege treffen sich regelmäßig mit den Cliquen, laden sie ein in die Begegnungsstätte und besuchen sie im Viertel. Normalerweise.

Es braucht Mutmacher

Seit Mitte März ist auch im Hansaviertel alles anders. Die Begegnungsstätte geschlossen, der persönliche Kontakt zu den Cliquen untersagt. Auch im Viertel selbst sind die städtischen Sozialarbeiter nicht mehr anzutreffen. „Wir wollen die Jugendlichen nicht animieren, sich mit anderen zu treffen“, erklärt Christina Tenger, warum es im Moment keine aufsuchende Jugendarbeit gibt.

Die wichtigsten Infos zur Maskenpflicht in NRW

1/13
  • Die Stadt Münster hatte als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben, eine Maskenpflicht einzuführen - später zog das Land nach. Ab dem 27. April gilt dies. Doch wo werden die Masken überall zur Pflicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

    Foto: dpa
  • Wann muss ich die Maske tragen?

    Immer dann, wenn eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden.

    Foto: dpa
  • Wo muss ich die Maske tragen?

    Die Maskenpflicht gilt im öffentlichen Personennahverkehr, an Haltestellen, in Bahnhöfen und im Taxi, beim Einkauf im Einzelhandel und bei der Erbringung und Einholung von Dienstleistungen. Also auch in Apotheken, Arztpraxen, Tankstellen und auf Wochenmärkten sowie bei der Abholung von Speisen und Getränken. Für Beschäftigte kann eine Plexiglas-Abtrennung die Maskenpflicht ersetzen.

    Foto: dpa
  • Wer muss eine Maske tragen?

    "Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres", heißt es in einer Mitteilung der Stadt Münster. 

    Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, sind von der Pflicht befreit“, stellt NRW-Gesundheitsminister Laumann klar.

    Foto: dpa
  • Welche Art von Maske muss ich tragen?

    Ja, aber es sollte eigentlich nur für eine Übergangszeit sein. „Wenn man bis Montag keine Maske besorgt hat, darf man auch einen Schal oder ein Tuch tragen“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs in Münster, bittet sogar darum, zertifizierte Masken Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorzubehalten. Grundsätzlich gilt es, Mund und Nase zu verdecken. 

    Foto: dpa
  • Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

    Wer keine Maske trägt, darf aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Das Land hat bewusst keine feste Summe für mögliche Bußgelder festgelegt, sondern überlässt deren Höhe den Ordnungsämtern der Kommunen. Das Bußgeld soll auch nicht sofort angeordnet werden, sondern erst, wenn sich Betroffene nach einem entsprechenden Hinweis weigern, Masken aufzusetzen.

    Foto: dpa
  • Welche Regelung gibt es für Schulen?

    Eine landesweite Pflicht gilt hier nicht. Die Entscheidung treffen die jeweiligen Schul-Leitungen. Dabei spielt der gebotene Mindestabstand eine wichtige Rolle. Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs in Münster, schon ab sofort in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. 

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Wie kann ich mir eine Maske selbst nähen?

    Die Stadt Münster hat auf ihrer  Homepage  eine Nähanleitung in gleich mehreren Sprachen veröffentlicht. Zudem gibt es auch Videos im Netz, in denen das Nähen erläutert wird.

    Foto: dpa
  • Hat die Maskenpflicht einen Einfluss auf das Abstandsgebot?Nein, dieses gilt weiter in vollem Umfang. „Es wäre gefährlich, wenn die Maske ein zu großes Gefühl der Sicherheit geben würde“, sagt NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Das Abstandsgebot ist aber viel wichtiger.“

    Foto: diverse
  • Dürfen die Masken auch beim Autofahren getragen werden?Laut ADAC Nordrhein grundsätzlich ja. Allerdings müsse das Gesicht deutlich erkennbar sein, sonst droht ein Bußgeld von 60 Euro. In Taxis muss der Fahrgast eine Maske tragen. In Fahrschulen sowohl der Lehrer als auch der Schüler. Es darf zudem kein weiterer Schüler auf der Rückbank mitfahren. Dort darf nur ein Prüfer im Fall der Prüfung sitzen - natürlich mit Maske.

    Foto: diverse
  • Können Restaurants und Kneipen bald wieder öffnen?Ziemlich sicher nicht. „Dieses Thema sehe ich derzeit nicht“, sagt Laumann: „Dazu gehört mehr als die Frage nach einer Maskenpflicht.“ 

    Foto: diverse
  • Erleichtert die Maskenpflicht Besuche im Alten- oder Pflegeheim?Noch nicht sofort. Ein Gutachten soll aber Wege aufzeigen. Dafür müssen aber auch Einzelfall-Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, ob Besucher direkt zu ihren Angehörigen gelangen können, ohne durch das gesamte Heim zu gehen.

    Foto: diverse
  • Tragen die Fußballprofis Masken auf dem Platz?Nein, sagt DFB-Chefmediziner Tim Meyer. „Wenn Spieler mit Masken spielen würden, das fände aus meiner Sicht keine Akzeptanz“, sagte Meyer, der die medizinische Task Force zur Fortsetzung der Bundesliga leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Das Bundesarbeitsministerium prüft nach „Spiegel“-Informationen aber die Möglichkeit, Profis bei einem Neustart der Bundesliga mit Gesichtsmasken spielen zu lassen.

    Foto: dpa

Abgetaucht sind die beiden Sozialarbeiter trotz der massiven Einschränkungen nicht. Genauso wenig wie die Jugendlichen. Nur hat sich der Austausch auf eine andere Ebene verlagert. Der Digitalisierung sei Dank. Oder, wie es Christina Tenger formuliert: „Ein Hoch auf das Handy.“ An die Stelle der Treffs sind Telefonate, Chats und Videobotschaften getreten. Auch haben sich die Themen der Jugendlichen verändert.

„Ein Riesenthema ist die Langeweile“, meint Kattner. Schule, Sport, Freunde treffen: Seit mehr als fünf Wochen ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Sozialarbeiter versuchen, Abhilfe zu schaffen. „Wir entwickeln im Gespräch Ideen, was man machen könnte“, so Tenger, die auch von Ängsten der Jugendlichen mit Blick auf die bevorstehenden Abschlussklassen berichtet. Dann brauche es Mutmacher. Und nicht zuletzt seien sie und ihr Kollege Nachrichten-Übermittler. „Es kursieren viele Fake-News zu Corona“, weiß Kattner. Das Problem: „Auf Nachrichten wie die Tagesschau haben viele Jugendliche kein Bock.“ Daher übernehmen die Sozialarbeiter die Aufgabe, zu erklären und aufzuklären.

Spagat zwischen Distanz und Nähe

Das Smartphone dient mehr denn je als Kommunikationsmedium Nummer eins. „Wir reagieren, wenn die Jugendlichen uns brauchen, egal zu welcher Zeit“, umreißt Tenger die veränderten Anforderungen an ihren Arbeitsalltag. Schon bald soll es Cliquen-Treffs in virtuellen Räumen geben. Das Credo: Sich mit Freunden verabreden und doch zuhause bleiben.

„Trotz der extremen Distanz merken wir, dass ein Bezug da ist“, stellt Kattner zufrieden fest. Gleichwohl betont er: „Alles, was wir im Moment machen, ist nur temporär angelegt.“ Denn: Tenger und Kattner üben sich zwar im Spagat zwischen Distanz und Nähe. Am Ende betonen sie, seien persönliche Kontakte aber nicht zu ersetzen. „Reale Treffen machen allen auch einfach mehr Spaß“, meint Tenger und ergänzt: „Ich vermisse die Jugendlichen.“ Kattner ist um eine andere Erkenntnis reicher geworden: „Die Situation zeigt mir, dass unsere Arbeit nicht komplett digitalisierbar ist.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7387273?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Nachrichten-Ticker