Schluss-Plädoyers im B&B-Prozess
Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe

Münster -

Dass er seine Ex-Frau mit Benzin überschüttet hat, gibt der ehemalige Manager des B&B-Hotels zu. Angezündet haben will er sie nicht. Davon ist der Staatsanwalt jedoch überzeugt. Er hat in dem Prozess gegen den 36-Jährigen vor dem Landgericht jetzt eine entsprechend hohe Strafe gefordert.

Donnerstag, 30.04.2020, 18:30 Uhr
Schluss-Plädoyers im B&B-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe
Im August hat es in dem B&B-Hotel gebrannt. Foto: Helmut P. Etzkorn (Archivbild)

Gegensätzlicher hätten die Plädoyers von Klägern und der Verteidigung im Prozess um den Brand im B&B-Hotel im August 2019 nicht ausfallen können. Während die Staatsanwaltschaft am Donnerstag am Landgericht nicht nur eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sondern zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld forderte, plädierte die Verteidigung auf Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft legt dem angeklagten 36-jährigen ehemaligen Manager des Hotels eine ganze Reihe an Schwerverbrechen zur Last. Neben schwerer Körperverletzung und verschiedenen schweren Brandstiftungsdelikten liege nach der Beweisaufnahme auch versuchter Mord vor. Es stehe fest, „dass der Angeklagte seine geschiedene Frau mit Benzin übergossen und sie angezündet hat, und zwar mit Absicht“, sagte der Staatsanwalt. Die Frau hatte schwer verletzt überlebt.

Mehrere Mordmerkmale

Der Tatbestand des versuchten Mordes sei durch mehrere sogenannte Mordmerkmale qualifiziert, so der Staatsanwalt, unter anderem das der Grausamkeit: „Verbrennen am lebendigen Leib ist grausam.“ 43 Prozent der Körperoberfläche der Frau seien verbrannt, 50 Prozent gälten als tödlich.

Der Angeklagte habe zudem andere Hotelgäste in Gefahr gebracht. Der Angeklagte hatte im Vorfeld angegeben, den Benzinkanister im Hotel gefunden zu haben und entsorgen zu wollen. Der Staatsanwalt sagte, er sei „fest davon überzeugt, dass er den Kanister nicht unter der Treppe gefunden hat“. Auf Fotos sei zu erkennen, wie er mit dem Kanister das Hotel betrete.

Diese Verletzungen werden sie ein Leben lang begleiten.

Anwältin des Opfers

Da es sich bei dem Vorwurf um einen Tatversuch handelt, könnten strafmildernde Umstände in Betracht kommen. Dazu gebe es jedoch keinerlei Anhaltspunkte, so der Staatsanwalt. Er beantragte im Gegenteil, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Das Opfer habe schwerste Verbrennungen erlitten: „Diese Verletzungen werden sie ein Leben lang begleiten.“ Dem schloss sich auch die Anwältin des Opfers an: „Sie muss jeden Tag weinen wegen der Schmerzen, die nicht aufhören.“

Die Verteidigerin hatte zu Beginn der Sitzung eine Einlassung des Angeklagten verlesen, wonach dieser zwar zugibt, seine Ex-Frau im Streit mit Benzin überschüttet zu haben. Angezündet habe er sie jedoch nicht. Es gehe einzig und allein um diese Tathandlung, so die Verteidigern und „die ist dem Angeklagten nicht zuzusprechen.“ Damit sei er straffrei. Das Urteil wird am 15. Mai erwartet.

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